Arbeitslosigkeit im Alter Weiter wie bisher, lautet die Devise

Gut, hat man darüber gesprochen: Am runden Tisch zu den älteren Arbeitslosen sind keine konkreten Massnahmen beschlossen worden.

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Über 50 und ohne Job

1:38 min, aus Tagesschau vom 25.4.2017

Zwar liegt die Arbeitslosenrate der über 50-jährigen Personen mit derzeit 2,8 Prozent leicht unter dem schweizerischen Durchschnitt (3,3 Prozent). Doch wenn ein älterer Mensch über 50 arbeitslos wird, hat er deutlich grössere Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt als eine jüngere Person.

Dem Problem haben sich Bund, Kantone und Sozialpartner nun zum dritten Mal an einer Gesprächsrunde angenommen: Wie schon vor zwei Jahren wurde auch diesmal festgehalten, dass Arbeitgeber gegenüber Älteren offener werden und Vorurteile abbauen sollten. Auch müssten sich die Arbeitnehmer weiterbilden, um am Ball zu bleiben.

Zudem setzen Bund, Kantone und Sozialpartner auf die Stellenmeldepflicht, die mit der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative kommt. Weitergehende Massnahmen wurden keine genannt.

Von links: Adrian Wuethrich, Präsident Travailsuisse, Valentin Vogt, Präsident Schweizerischer Arbeitgeberverband, Irène Harnischberg, Kommunikation WBF, Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Christoph Brutschin, Regierungsrat Basel, Paul Rechsteiner, Präsident Schweizerischer Gewerkschaftsbund SGB und Jean-François Rime, Präsident Schweizerischer Gewerbeverband SGV.

Bildlegende: Der runde Tisch zu den älteren Arbeitslosen. Keystone

Das gemeinsame Problem erkennen

Beim runden Tisch gehe es vor allem darum, in Kontakt zu bleiben, betonte Bundesrat Johann Schneider Ammann: «Die Konferenz bringt zuallererst das Zusammenfinden der Sozialpartner an einem Tisch.» Es sei auch «eine Angelegenheit der Psychologie»: «Man ist am Tisch und weiss, dass man von einem gemeinsamen Problem betroffen ist», so der Wirtschaftsminister weiter.

Gewerkschaft dringt nicht durch

Schon allein, dass das gemeinsame Problem zur Sprache gebracht werde, habe eine Wirkung, ist auch SP-Ständerat und Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner überzeugt. Dennoch: «Es müsste viel mehr geschehen.» Er fordert einen Kündigungsschutz für langjährige ältere Arbeitnehmer. Doch dafür habe man «noch kein Musikgehör bei den Arbeitgebern gefunden».

Immerhin bildeten der Inländervorrang im Rahmen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative sowie in der Altersvorsorge 2020 enthaltene Flexibilisierungen bei den Pensionskassenguthaben für Rechsteiner «zählbare Resultate» der bisherigen Konferenzen.

Personalvermittler gefordert

Gewerbeverbandspräsident und SVP-Nationalrat Jean-François Rime wiederum konstatierte, dass ein liberalisierter Arbeitsmarkt den Älteren mehr helfe als kontraproduktive Regeln. Sein Verband wünscht sich, dass Personalvermittler eine aktivere Rolle einnehmen, indem sie Anstellungen auf Probe ermöglichen.

Die Teilnehmer des runden Tisches verpflichteten sich zudem, in die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der alternden Erwerbsbevölkerung zu investieren und gute Beispiele im Umgang mit älteren Angestellten umzusetzen.

Eine Idee von Paul Rechsteiner

Die nach 2015 und 2016 zum dritten Mal durchgeführte Nationale Konferenz zum Thema «ältere Arbeitnehmer» geht auf eine Forderung von Paul Rechsteiner zurück. Sein Postulat war im Herbst 2014 angenommen worden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

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    «Ich bin noch nicht reif für die Pension»

    Aus Echo der Zeit vom 25.4.2017

    Der 57jährige M.M. ist seit knapp acht Monaten arbeitslos. Der IT-Spezialist hatte zuvor mehrere Jahre eine Niederlassung einer Informatik-Firma geleitet. M.M. glaubt fest daran, dass er noch eine Herausforderung findet – als Arbeitnehmer oder Selbständiger. Das Portrait.

    Peter Maurer