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US-Notenbank hebt Leitzins an «Weitere Zinserhöhungen sind eigentlich in Stein gemeisselt»

Legende: Audio «Schulden werden teurer» abspielen.
2:17 min, aus HeuteMorgen vom 16.03.2017.

Die US-Notenbank zieht die Zügel weiter an: Der Zinssatz, zu dem sich US-Banken gegenseitig Geld leihen, steigt um 0,25 Punkte auf eine Spannbreite von 0,75 bis 1,0 Prozent, wie die Notenbank in Washington am Mittwochabend mitteilte. SRF-Börsenkorrespondent Jens Korte gibt jedoch zu bedenken: Wenn der Leitzins steigt, wird das Leben auf Pump teurer.

SRF News: Die US-Notenbank hat ihren Leitzins angehoben. War damit zu rechnen?

Jens Korte: Wenn man sich die letzten Arbeitsmarktdaten ansieht, dann ist nicht nur die Arbeitslosenquote deutlich unter fünf Prozent gesunken, sondern auch die Löhne sind zuletzt wieder etwas gestiegen. Entsprechend war dieser Schritt zu erwarten.

Will die US-Notenbank mit diesem Schritt diese Entwicklung beschleunigen?

Das ist das eine, was man will, aber dann will man eben auch bestimmte Szenarien vermeiden. Das ganze billige Geld, das wir in den letzten Jahren gesehen haben, könnte in einige wenige Kanäle fliessen und damit möglicherweise Blasen kreieren. Diese Blasen will die amerikanische Notenbank verhindern, indem die Geldpolitik langsam wieder normalisiert wird.

Was bedeutet die Zinserhöhung konkret für die Amerikanerinnen und Amerikaner?

Die Zinserhöhung hat durchaus unschöne Begleiterscheinungen. Man darf nicht vergessen, dass die amerikanische Wirtschaft stark davon lebt, dass sich die Verbraucher gerne verschulden. Das sieht man zum Beispiel beim Automarkt. Ein Grossteil der Neu- und Gebrauchtwagen wird über Schulden finanziert. Das heisst über Kreditkarten. Und Schulden werden mit höheren Zinsen teurer. Das könnte sich also als Belastung erweisen. Auf der anderen Seite werden Sparer belohnt. Aber das ist ja erst einmal ein kleiner Zinsschritt, den die US-Notenbank hier vorgenommen hat.

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat gesagt, man wolle mit diesem Schritt auch verhindern, dass die Zinsen in Zukunft irgendwann auf einen Schlag sehr schnell angehoben werden müssten. Muss man schon bald mit einer nächsten Zinserhöhung rechnen?

Das ist die nächste Debatte, die jetzt gestartet wird. Dass es weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr geben wird, das ist eigentlich schon fast in Stein gemeisselt. Die Notenbank hat angedeutet, dass es in diesem Jahr noch zwei Zinserhöhungen geben wird. Im kommenden Jahr wird mit drei Zinserhöhungen gerechnet.

Das Interview führte Melanie Pfändler.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Betrachtet man die Staatsverschuldungskurve der USA, dann wird klar: Die USA braucht einen New Deal. Mit Steuern kann die USA die Schulden nicht abbauen. Mit höheren Zinsen auch nicht. Die USA braucht einen Schuldenschnitt. Das gilt auch für Europa. Wir haben gestern über Italien gelesen - wie es dem Mittelstand dort geht. Mit Schulden lässt sich das nicht ändern und mit höheren Zinsen auch nicht. Wir müssen die Wirtschaft neu denken. Die alten Glaubenssätze sind falsifiziert worden.
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