Weko freut sich über sinkende Preise

Die Hochpreisinsel Schweiz treibt Konsumenten in Scharen über die Grenze. Nach dem Frankenschock von Mitte Januar dürften es mittlerweile noch mehr sein. Ein Problem der Wettbewerbshüter könnte sich damit quasi von alleine lösen.

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Weko: «Der Frankenschock verbesserte den Wettbewerb»

1:22 min, aus Tagesschau vom 9.4.2015

Bei der Wettbewerbskommission (Weko) ist man zufrieden mit der schweizerischen Importwirtschaft. Sie habe im Januar umgehend auf den Frankenschock reagiert, sagt deren Direktor Rafael Corazza: «Um wie viel und ob die Preise gesenkt wurden, werden wir dann noch sehen. Aber eine schnelle Reaktion war es. Da hat man die Lektion aus der letzten Runde 2011 gelernt.»

Wenn Konsumenten im Ausland einkaufen, dann sei das ein Teil der Lösung im Kampf gegen Konzerne, die hierzulande überteuerte Preise verlangen, sagt der Wettbewerbshüter. «Diesen Druck aus dem Ausland auf das inländische Preisniveau braucht es. Die inländischen Anbieter reagieren auf diese Bedrohung, dass die Konsumenten, und nicht nur sie, ins Ausland abwandern.»

Paradebeispiel: Überteuerte Nivea-Creme

Allerdings können nicht alle ins Ausland reisen, um dort billiger einzukaufen. Viele Firmen sind auf ausländische Zulieferer angewiesen – und diese liefern ihre Produkte nur über ihre Schweizer Töchter und nur zu überteuerten Preisen.

Deshalb hat der Ständerat kürzlich im Kampf gegen die Hochpreisinsel einen neuen Anlauf genommen. Er will einseitige Vertriebsstrukturen aufbrechen, wie sie relativ marktmächtige Unternehmen bislang durchsetzen können, und sie verpflichten, ihre Schweizer Kunden auch aus dem billigeren Ausland zu beliefern.

Als Paradebeispiel eines solchen relativ marktmächtigen Unternehmens gilt der Deutsche Beiersdorf-Konzern. Dieser liefert seine Nivea-Creme nur über die Schweizer Tochter. Diese verlangt deutlich höhere Preise als in Deutschland.

Ausweichen auf andere Marken oder Länder

Noch wichtiger als ein mögliches neues Instrument gegen überteuerte Preise ist dem Weko-Direktor aber das Verhalten der Konsumenten: «Die Preise sinken jetzt, aber nicht aufgrund eines Instrumentariums, sondern weil es ein grösseres Bewusstsein gibt für diese Preisdifferenzen.Und sie sinken, weil heute sogar die Konsumentenorganisationen darauf hinweisen, dass man ins Ausland gehen kann.»

Man solle auf andere Marken ausweichen, so Corazza. «Man braucht sich so etwas nicht gefallen zu lassen.» Und deshalb geben sich die Wettbewerbshüter zuversichtlich, dass die Konsumenten den Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz fast ohne ihr Zutun gewinnen könnten.

93 Medienmitteilungen

Die Weko will erreichen, dass Behörden und Unternehmen gar nicht erst gegen das Kartellrecht verstossen. Als wichtigstes Instrument dazu sehe er die Publikation von Entscheiden und Urteilen, sagte Direktor Rafael Corazza an der Jahresmedienkonferenz in Bern. Mit 93 Medienmitteilungen im 2014 sei die Weko denn auch eine der offensten Bundesbehörden.