Zum Inhalt springen

Weltschulden auf Rekordstand Schlittern wir bereits in die nächste Krise?

Der Schuldenberg ist heute grösser als auf der Spitze der letzten Finanzkrise. Das birgt neue Risiken fürs Finanzsystem.

Die Weltwirtschaft wächst zurzeit wie seit langem nicht mehr. Trotzdem leben viele Staaten, Unternehmen und Konsumenten auf Pump. Auf 164 Billionen Dollar belaufen sich die Schulden weltweit.

Die Zahl ist so hoch, dass sich kaum jemand etwas darunter vorstellen kann. Es ist mehr als das Doppelte des Wertes aller Güter und Dienstleistungen, die jedes Jahr produziert werden. Die Verschuldung ist damit zwölf Prozentpunkte höher als 2009, also kurz nach der letzten globalen Finanzkrise.

Appell an China trotz kleinen Fortschritten

«Die globalen Schulden sind auf einem Rekordstand», sagte Vitor Gaspar, Chef der Kapitalmarktabteilung im IWF. Die meisten Miesen hätten Industrieländer wie die USA und Japan angehäuft. Zum kräftigen Anstieg in den letzten zehn Jahren hätten aber vor allem Schwellenländer beigetragen, fast die Hälfte davon alleine China.

Die jüngsten Finanzmarkt-Reformen der chinesischen Regierung hätten zwar ein bisschen zur Entspannung beigetragen, ergänzt IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian. Insgesamt sei der Schuldenstand aber noch viel zu hoch. China müsse daher noch mehr tun, um die Verbindlichkeiten zu drücken.

Tobias Adrian.
Legende: IWF-Finanzmarktchef Adrian: «Wir würden eine noch schärfere Regulierung in China begrüssen.» Keystone

Allzu hohe Schulden sind nicht nur nach Einschätzung des Währungsfonds ein Risiko für das Finanzsystem. Zwar nicht, solange die Wirtschaft kräftig wächst wie im Moment – aber dann, wenn es wieder schlechter läuft. Wenn es viele Länder mit vielen Schulden gibt, werde das gesamte Finanzsystem instabil, sagt die Finanzmarktforscherin Hélène Rey.

Denn wenn sich das Rating für ein Land ändert, wegen schlechter Politik zum Beispiel oder externer Schocks, dann muss das Land höhere Zinsen für seine Schulden zahlen. So wird es immer schwieriger, die Schulden zu bedienen. Das könnte Rückwirkungen auf andere Länder haben – vor allem dann, wenn diese auch hoch verschuldet sind.

USA – ein hoffnungsloser Fall?

Noch gibt sich der IWF zweckoptimistisch. In seinen aktuellen Schätzungen geht er davon aus, dass die allermeisten Industrieländer ihre Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung in den nächsten fünf Jahren wieder auf ein tragbares Niveau bringen. Voraussetzung sei aber, dass die Länder ihre Zusagen erfüllten, betont Kapitalmarktchef Gaspar. Dies sei in wackligen Zeiten nicht selbstverständlich.

Nur in einem Fall sieht Gaspar schon jetzt schwarz: bei den USA. Mit der Steuerreform und dem neuen Budgetplan dürfte die schon jetzt gigantische Verschuldung in den kommenden drei Jahren jährlich um eine weitere Billion Dollar steigen, erwartet Gaspar. Die Staatsverschuldung würde damit von derzeit gut 20 Billionen Dollar oder 107 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 117 Prozent steigen. Kein gutes Signal an den Rest der Welt.

63 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von max baumann (phönix)
    Aber die Herren Ökonomen sind gegen die Vollgeldinitiative. Hurra, auf zur nächsten Bankenrettung mit Steuergeldern !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Es braucht nicht 1 sondern ein gnazes Pündel von Massnahmen damit das Weltwährungssystem gerechter und stabieler würde und der Weg wird eh über Kriesen führen. Mit den Lösungen von Gestern kann man die Probleme von Morgen nicht Lösen. Ist eine alte Wahrheit. Eins scheint sicher die Tage des Dollars sind gezählt. Ein Land mit 350 Mill Einwohner kann nicht Weltwährung sein mit diesen Privilegien und dann noch so verschuldet, unmöglich. Das was wir jetzt haben ist zum Scheitern verurteilt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von D. Crabtree (D. Crabtree)
    Einen Kollaps würde der Welt gut tun. Und endlich die Augen der Verantwortlichen öffnen, die jeder Steuerfranken gleich wieder ausgeben. Es wird nicht mehr in die Zukunft investiert, sondern nur noch bis zum nächsten Tag gedacht. Vielleicht braucht es wieder einen Generalstreik nach 100 Jahren, damit die Leute wieder wissen woher das Essen im Supermarkt, das Wasser, der Strom und das Internet herkommen. Ist ja heute alles selbstverständlich und wird als gratis angesehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen