Weltweites Grounding für alle Dreamliner

Die unrühmliche Dreamliner-Saga geht weiter. Aus Sicherheitsgründen bleiben sämtliche Boeing 787 vorerst am Boden. Der Hersteller muss nun nachweisen, dass die Batterien des Vorzeigefliegers keine Gefahr mehr darstellen.

Neuer Rückschlag für Boeings Vorzeige-Langstreckenjet Dreamliner. Nach einer Pannenserie müssen die Maschinen des US-Herstellers überall vorerst am Boden bleiben. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) teilte mit, der von der US-Luftfahrtbehörde (FAA) angeordnete Flugstopp für die Flugzeuge gelte weltweit.

Das sei eine «seltene Entscheidung», sagte ein EASA-Sprecher. Nur das Land, in dem ein Hersteller seinen Sitz habe, dürfe eine solche Entscheidung treffen. Betroffen vom Verbot ist auch der Dreamliner der Qatar Airways, der am Montag zum ersten Mal Zürich anflog.

Grounding kostet

Die FAA begründete den Schritt mit dem jüngsten Vorfall in Japan vom Mittwoch. Ein Dreamliner musste wegen eines Batterieproblems notlanden. Die FAA wolle der Gefahr eines Brandes vorbeugen, teilte sie mit. Bevor die Flüge wieder aufgenommen werden könnten, müsse nachgewiesen werden, dass die Batterien sicher seien.

Wird in der nächsten Zeit ein Dreamliner in der Schweiz landen, will das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) aktiv werden. Dabei solle vor allem geprüft werden, ob Boeing die von der FAA geforderten Kontrollen des Batteriesystems durchgeführt hat, so BAZL-Mediensprecher Anton Kohler.

«Wurden die Anweisungen der FAA umgesetzt, kann das Flugzeug wieder starten. Ist das Batteriesystem nicht überprüft worden, «bleibt der Dreamliner am Boden», so Kohler.

Passagiere verlassen den notgelandeten «Dreamliner» auf dem Takamatsu-Flughafen im Westen von Japan.

Bildlegende: Dreamliner nach der Notlandung auf dem Takamatsu-Flughafen im Westen Japans. Reuters

Diese Kontrolle werde das BAZL bei jeder einzelnen Boeing 787 machen, sagte Kohler weiter. Das aktuelle Problem ist laut Kohler jedoch, dass Boeing zurzeit nicht weiss, wie das Unternehmen den Batteriesystem-Check konkret machen soll.

Die Kosten für das derzeitige Grounding sind immens: Allein die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways muss mit 1,1 Millionen Dollar pro Tag rechnen.

Dreamliner als Meilenstein gefeiert

Bislang hat Boeing 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon nach Japan. In den USA fliegt bislang nur United Airlines das Modell. Daneben haben Fluggesellschaften in Südamerika, Äthiopien, Polen und Qatar den Dreamliner im Sortiment. Einer der Qatar Airways landete am Montag zum ersten Mal in Zürich.

Insgesamt hat Boeing rund 800 Bestellungen für die 200 Millionen Dollar teuren Flieger. Die Entwicklung des aus Leichtmaterial gebauten Dreamliners war als Meilenstein in der Luftfahrt gefeiert worden.

Schadenersatz

Die polnische Fluggesellschaft LOT zieht erste Konsequenzen. Nach einer Kostenanalyse wird sie von Boeing Schadenersatz fordern. Die Verträge will LOT aber einhalten. Jedoch hängt die Auslieferung neuer Maschinen davon ab, ob zuvor die technischen Mängel behoben werden.