Weltwirtschaft vor unsicheren Zeiten

Der Internationale Währungsfonds IWF beurteilt die Weltwirtschaft pessimistischer als noch im Herbst. Sorgen bereiten nicht nur China und Lateinamerika. Auch in den westlichen Industrieländern wächst die Unsicherheit, obwohl etwa der Euroraum zurzeit noch vom tiefen Ölpreis profitiert.

IMF-Logo

Bildlegende: Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor wachsenden Risiken für die Weltwirtschaft. Reuters/Archiv

Die Weltwirtschaft macht dem IWF Sorgen, obwohl die Prognosen nach oben zeigen und das Wachstum in den nächsten Jahren wieder leicht anzieht. Aber eben sehr viel langsamer als erhofft.

So gehen die Experten für das 2016 neu von einem globalen Wirtschaftswachstum um 3,4 Prozent aus, für das nächste Jahr um 3,6 Prozent. Das sind jeweils 0,2 Prozentpunkte weniger als in der Prognose im Herbst. Letztes Jahr betrug das Wachstum 3,1 Prozent.

Die Sorgen kann man auf einen Nenner bringen: Die grosse Unsicherheit. Dabei zeigt sich, dass kein Land aus eigener Kraft Wachstum schaffen kann. Die gegenseitige Abhängigkeit ist gross. Geht es irgendwo schlecht, dann spüren dies alle.

China im Umbruch – Brasilien in Rezession

Sorgen machen den Wirtschaftsexperten vor allem zwei Regionen: China und Lateinamerika. China ist nicht mehr die Wachstumslokomotive wie in den letzten Jahren. Zwar wächst China weiter mit gegen 6 Prozent pro Jahr, wovon andere Länder nur träumen können.

Aber Chinas Wirtschaft ist im Umbruch. Weg vom reinen Industrieland mit starkem Exportanteil hin zu mehr Dienstleistungen. Und vor allem hin zu mehr privatem Konsum im Land selber, was die Basis der Wirtschaft langfristig stärken soll. Doch dieser Weg ist steinig und hat laut IWF vor allem direkte Auswirkungen auf fast alle anderen Länder. Es ist nicht mehr so einfach nach China zu liefern, wie in den letzten Jahren.

Fast noch grössere Sorgen macht sich der IWF aber um Lateinamerika. Dort ist das Boom-Land Brasilien in eine Rezession geschlittert. Die Wirtschaft schrumpft. Die Ursachen: Die grosse politische Unruhe und der Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Erdölkonzern Petrobras.

Namhafte Unsicherheitsfaktoren auch in den Industriestaaten

Fast schon positiv sieht der Währungsfonds die Entwicklung in den Industrieländern. Die Euroländer und auch die USA wachsen leicht. Dabei profitieren vor allem die Europäer von den tiefen Erdölpreisen, was die Produkte günstiger macht. So korrigiert der IWF die Prognose für den Euro-Raum leicht nach oben - um 0,1 Punkte auf 1,7 Prozent in diesem Jahr wie auch für das kommende Jahr.

Doch auch hier taucht immer wieder das Wort Unsicherheit auf. Unsicher ist nach Ansicht des IWF, was mit dem Ölpreis passiert. Unsicher ist auch, ob die Erhöhung der Leitzinsen in den USA nicht den Aufwärtstrend in der grössten Volkswirtschaft der Welt bremst. Und unsicher ist zudem, wie sich die weltpolitische Lage entwickelt. Die Krisen überall würgen den Handel ab und haben negativen Einfluss auf den Tourismus, der für viele Länder enorm wichtig ist.

Ruf nach politischen Massnahmen

Angesichts dieser vielen Unbekannten sieht der IWF vor allem die Politik in der Pflicht. Diese könne nicht einfach auf bessere Zeiten hoffen, sondern müsse dafür sorgen, dass die Arbeitslosigkeit sinkt, mehr Geld für die Infrastruktur ausgegeben wird und dass die Rahmenbedingungen für mehr Innovation geschaffen werden.

Geschehe dies nicht, dann gleiche die Entwicklung der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren einer unsicheren Fahrt auf einer Holperstrecke – mit vielen Schlaglöchern.