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Wirtschaft Wem die Frankenfreigabe besonders zu schaffen macht

Kleinere und mittlere Betriebe in der Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie gehen derzeit über die Bücher. Ihnen macht die Freigabe des Frankenkurses besonders zu schaffen. Viele rechnen mit harten Zeiten – und können auch Kurzarbeit oder Entlassungen nicht ausschliessen.

Legende: Video Industrie rechnet mit harten Zeiten abspielen. Laufzeit 02:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.01.2015.

Die Firma MDP Meili im Kanton Schaffhausen stellt Metallteile für die Maschinenindustrie her. Um mit der ausländischen Konkurrenz mithalten zu können, bot Firmenchef Roman Meili schon bisher alle Produkte in Euro an. Nun wird es richtig eng: «Die Zitrone ist ausgepresst und wir müssen schauen, ob wir doch noch einen Tropfen finden», sagt Meili.

Trotz voller Auftragsbücher, kann sein Betrieb mit 42 Angestellten wegen der Frankenfreigabe nicht mehr rentabel produzieren. Auf einen Schlag seien seine Einnahmen um 20 Prozent eingebrochen und das bei tiefen Margen: «In meiner Branche ist man mit einem Gewinn von fünf Prozent schon zufrieden.»

Verunsicherung in der Branche

Meili muss nun über die Bücher und Lösungen für harte Zeiten ausarbeiten. Auch eine Reduktion der Arbeitsplätze kann er nicht ausschliessen, obwohl er das Know-how seiner Mitarbeiter braucht. «Es ist ein Szenario, an das ich nicht denken möchte», sagt Meili zu SRF.

Auch das St. Galler Amt für Wirtschaft registriert Verunsicherung in der Branche. Walter Abderhalden, Leiter der Arbeitslosenversicherung, gibt an, dass in der vergangenen Woche vermehrt Anfragen von Firmen eingegangen seien: «Sie wollten wissen, ob es Möglichkeiten gibt, dass Kurzarbeit bewilligt wird.»

Derzeit rüste sich das Amt für weitere Anfragen. Allerdings könne Kurzarbeit alleine aufrgrund der Frankenfreigabe derzeit nicht bewilligt werden. Zuerst müsse das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) dies erlauben.

Kurs von 1.10 Franken ist für KMU zu tief

Noch ist unklar, auf welchem Niveau sich der Frankenkurs zum Euro einpendeln wird. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hält einen Kurs von 1.10 Franken für verkraftbar für die Wirtschaft.

Doch der Branchenverband der kleineren und mittleren Industriebetriebe sieht dies anders, wie Oliver Müller, Direktor von Swissmechanic, erklärt: «Mit einem Kurs von 1.15 Franken können wir noch leben, alles darunter, geht an die Substanz.»

Auch auf konjunkturelle Stützmassnahmen können die KMU derzeit nicht setzen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann zeigte in einem Interview mit der NZZ, dass er nichts davon halte.

MDP-Meili-Firmenchef Roman Meili sieht dies allerdings gleich: «Es wäre ein Tropfen auf den heissen Stein. Die betroffenen Firmen würden davon nicht profitieren.»

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Siu Liu, Niederdorf ZH
    @Meili Jammern auf hohem Niveau!!
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  • Kommentar von heni seemann, berg
    @ lüthi ich gehe "kein richtig arbeit nach" und arbeite nicht "wertschöpfend"... "sozial" den ganzen tag mit menschen die ein behinderung habe... zahltag die knapp über das minimum liegt ist auch "kein richtige"... den unterschied liegt darin das ich eine aufgabe habe wo wertschätzung noch ein begriff ist... und krisensituationen zum alltag gehört...
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Viele dieser Branchen schon bei der Einführung 2007 günstigere Arbeitnehmer aus dem Ausland geholt haben, damit sie angeblich "überleben" können, jammern jetzt schon wieder auf exakt dieselbe Weise. Doch auch sie hatten über 3 Jahre Zeit sich darauf ein zustellen. Aber eben, wer nicht nachhaltig geschäftet & sich für die Zeit danach abgesichert hat, kommt jetzt ins Straucheln. Büssen müssen es wieder Arbeitnehmer & nicht diejenigen, welche es zu verantworten haben.
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