«Wenn die Armee geht, wollen wir bereit sein»

Die Armee will ihren Immobilienbestand massiv reduzieren und rund 12 Waffenplätze schliessen. Die Pläne haben bei Politikern reflexartig Proteste ausgelöst. Eine Recherche von «ECO» zeigt: Die Angst vor wirtschaftlichen Einbussen in den Regionen ist weitgehend unbegründet.

Kaserne Aarau

Bildlegende: Die Schliessung von Waffenplätzen löst Angst vor wirtschaftlichen Einbussen aus. SRF

«Wir sagen nicht, sie müsse gehen. Aber wenn sie geht, wollen wir bereit sein.» So redet der Aarauer Stadtpräsident Marcel Guignard über die Armee und die Kaserne mitten in seiner Stadt.

Die Kaserne Aarau ist einer der Wackelkandidaten, die der nächsten Armeereform zum Opfer fallen könnte. Mit dieser soll der Immobilienbestand im Wert von 24 Milliarden Franken um mehr als ein Drittel reduziert werden – es wäre das Aus für rund 12 Waffenplätze. Welche das sind, wird die Armee in drei Wochen bekannt geben.

Als die Reformpläne publik wurden, protestierten Politiker reflexartig. Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli etwa liess im vergangenen Mai den zuständigen Bundesrat Ueli Maurer und Armee-Chef André Blattmann in einem Brief wissen, eine Aufhebung des Waffenplatzes Aarau stehe für die Kantonsregierung nicht zur Diskussion.

Wertschöpfung von 48 Millionen Franken

Der Aarauer Stadtpräsident Marcel Guignard dagegen sieht durchaus eine Zukunft ohne Waffenplatz, etwa eine Mischzone für Wohnungen, Gewerbe und Läden. Die Nutzung, die in Zukunft möglich sein werde, führe zu einer grösseren Wertschöpfung für die Region als die heutige Nutzung, sagt er gegenüber «ECO».

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Marcel Guignard, Stadtpräsident Aarau, über «seine» Kaserne

0:33 min, vom 4.11.2013

Wie stark die Region von der Armee profitiert, lässt sich an einer Zahl ablesen: 48 Millionen Franken. So hoch ist die Wertschöpfung, welche die Statistiker des Kantons direkt der Armee zurechnen. Es sind 0,15 Prozent der gesamten kantonalen Wertschöpfung.

Der grosse Abbau ist längst erfolgt

Schliesst die Armee wie geplant 12 Waffenplätze, dürfte dies zwar zu einem Einschnitt führen, zumal auch der Soll-Bestand von 180‘000 auf 100‘000 Mann sinken soll. Doch dieser Abbau ist bescheiden im Vergleich zu früheren Einschnitten.

Das lässt sich an der Zahl geleisteter Diensttage ablesen, jener Zeit also, in der Soldaten mit ihrem Konsum das lokale Gewerbe ankurbeln. 1990 leisteten Schweizer Armee-Angehörige noch 12 Millionen Diensttage. Innert fünf Jahren sank die Zahl um 5 Millionen auf noch rund 7 Millionen. Heute werden 6,4 Millionen Diensttage geleistet. Mit der geplanten Reform würde die Zahl um rund 1,5 Millionen sinken – also deutlich weniger stark als in den 90er-Jahren.

Dass die wirtschaftliche Bedeutung der Armee für das lokale Gewerbe bereits stark zurückgegangen ist, stellt man auch in Bière fest, dem zweitgrössten Waffenplatz der Schweiz. «Das lokale Gewerbe, Metzger und Käserei liefern kaum noch an die Kaserne», sagt Gemeinderat René Ropraz. Der Einkauf laufe längst zentral über die Armee, «und die kauft bei Grosshändlern ein».

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gemeinden: Es geht auch ohne Armee

    Aus ECO vom 4.11.2013

    In drei Wochen lüftet Ueli Maurer das Geheimnis: Dann gibt er bekannt, welche Waffenplätze, Munitionsdepots und Materiallager die Armee als nächstes schliessen will. Politiker potenziell betroffener Regionen haben bereits auf Vorrat protestiert – sie befürchten wirtschaftliche Einbussen in Millionenhöhe. «ECO» hat drei Regionen besucht und zeigt, dass diese Ängste weitgehend unbegründet sind.

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