Wenn Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen

Unternehmen schaffen die Grundlagen für freiwillige Einsätze ihrer Angestellten – Corporate Volunteering findet sich immer häufiger auch in der Schweiz. Den Unternehmen bringt es Vorteile; dabei geht es nicht in erster Linie um Image-Pflege.

Sie räumen Wälder, streichen Kindergärten, geben Senioren Computerkurse und trainieren den Fussball-Nachwuchs. Für solche ehrenamtlichen Einsätze, neudeutsch Corporate Volunteering, stellen Unternehmen ihre Angestellten tageweise gratis zur Verfügung. Von der Grossbank bis zur Maschinenfabrik: Viele machen mit, wenige reden darüber.

Folgende Situation kehrt immer wieder: Das Unternehmen spendet Geld oder Sachwerte, und das Firmenlogo lacht dafür aus jeder Ecke der Veranstaltung. Freiwilligenarbeit hat damit nichts zu tun. Schon gar nicht Freiwilligenarbeit, wie sie hierzulande vor allem von Grossunternehmen gefördert wird.

Theo Wehner, Arbeitspsychologe der ETH Zürich, befragte 2000 Schweizer Unternehmen zum Thema. Das Resultat: Drei Viertel davon haben mit ihren Mitarbeitern schon mindestens einmal gemeinnützige Arbeit geleistet. Geworben wird damit praktisch nicht: «Man macht es, weil es in der Regel ein persönliches Anliegen ist und nicht, weil es in erster Linie Image und Reputation verbessern soll», sagt Theo Wehner. Die meisten Unternehmen kommunizieren solche Einsätze nicht nach aussen. Natürlich bringt es den Unternehmen Vorteile: Mitarbeiter lernen sich über die eigene Abteilung hinaus kennen und gewinnen Erfahrungen in einem fremden Umfeld.

Angelsächsische Tradition

Es waren keine konzernstrategischen Entscheidungen, welche das sogenannte Corporate Volunteering in die Schweiz brachten. In den USA und England hat Freiwilligenarbeit traditionell einen hohen Stellenwert.

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Arbeitspsychologe Theo Wehner über Corporate Volunteering

0:44 min, vom 7.11.2013

Hierzulande entwickelte sich die Freiwilligenarbeit durch Personen, die von Auslands-Aufenthalten in angelsächsischen Ländern zurückkehrten. Sie waren beispielsweise bei IBM in New York damit in Kontakt gekommen.

«Die Heimkehrer fragten: Warum machen wir das hier nicht auch so?», sagt Arbeitspsychologe Wehner. So entwickelte sich in den vergangenen 50 Jahren diese Kultur auch in der Schweiz. «In der Freiwilligenarbeit erkennen viele Angestellte Werte, mit denen sie sich wirklich identifizieren können», so Theo Wehner – eine Art Katalysator für die Entwicklung hierzulande.

Stellenwert im Unternehmen

Nicht immer reibungslos läuft die Freiwilligenarbeit zwischen Unternehmen und Hilfs- und Behinderten-Organisationen. «Der grösste Fehler ist, wenn man die Planung eines Einsatzes nicht auf Augenhöhe mit den Hilfsorganisationen macht», sagt Wehner.

Der Einsatz im Behindertenheim will gut abgesprochen und sinnvoll organisiert sein. Mützen mit dem Firmenlogo zu verteilen, ist definitiv der falsche Ansatz. Sinnvoller ist der Weg über eine spezialisierte Organisation wie Benevol oder Philias.

Benevol Schweiz ist die Dachorganisation der Fach- und Vermittlungsstellen für Freiwilligenarbeit. Sie versteht sich als Brücke zwischen Menschen, die bereit sind, einen Teil ihrer Zeit zu schenken und Institutionen, die mit Freiwilligen arbeiten.

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