Zum Inhalt springen

Wirtschaft Wer bezahlt Energiewende? Mieter und Vermieter liegen im Streit

Minergie-Standard, Holzheizungen, Wärmepumpen oder Solarenergie: Mit diesen Gebäudesanierungen könnte viel Energie und Geld gespart werden. Wer für die Investitionskosten aufkommen soll, darüber sind sich Hauseigentümer und Mieter uneins. Der Mieterverband spricht von «missbräuchlichen Aufschlägen».

Legende: Video Teure Energiesanierungen abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.06.2015.

Über 40% des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen fallen in der Schweiz im Gebäudebereich an. Ungefähr 1,5 der 2,3 Millionen Gebäude entsprechen nicht den heutigen energetischen Standards. Würden sie nach Minergie-Standard saniert oder Holzheizungen, Wärmepumpen und Solarenergie installiert, könnte viel Geld und Energie gespart werden. Darüber, wer für die Sanierungskosten aufkommen soll, streiten sich Mieter und Hauseigentümer jedoch.

Würden alle sanierungsbedürftigen Gebäude in der Schweiz renoviert, würde dies 100 bis 150 Milliarden Franken kosten, sagt Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbands. Dass sich sowohl Mieter als auch Vermieter an diesen Kosten beteiligen müssten, sei klar, so Gmür.

Wärmebild
Legende: Dieses Wärmebild zeigt in rot an, wo Sparpotenzial liegt. Hier geht besonders viel Energie bei den Fenstern verloren. Keystone/ QC-Expert AG

«Die Aufschläge sind im missbräuchlichen Bereich»

Glaubt man dem Direktor des Mieterverbands, Michael Töngi, scheint dies allerdings nicht so klar zu sein. «Würden alle Liegenschaften gemäss Vorgaben saniert, würde der Mietzins gesamtschweizerisch ungefähr 10 Prozent steigen».

Dieser Aufschlag sei jedoch nicht das Problem: Viele Mieter befürworteten Sanierungen. «Das Problem ist, dass die Aufschläge der Vermieter sehr hoch sind – in einem missbräuchlichen Bereich.» Hinzu komme, dass energetische Sanierungen zwar mit Subventionen gefördert werden. Allerdings werde den Mietern vielfach gekündigt. So könne der Vermieter die Wohnungen zum Marktniveau neu vermieten. Die Fördergelder des Bundes blieben so beim Vermieter.

HEV streitet ab

«Klar gibt es schwarze Schafe», wiegelt HEV-Direktor Gmür ab. Dass aber systematisch zu hohe Mietzinsaufschläge oder ungerechtfertigt Kündigungen ausgesprochen werden, streitet er ab: «Die Mieten sind in einem Vertrag abgemacht, zu dem der Mieter bewusst ja gesagt hat. Wenn der Vermieter Investitionen – gerade energetische – tätigt, kann er den Mietzins heben. Wenn der Mieter findet, er werde abgezockt, kann er gratis vor die Schlichtungsstelle gehen.»

Dem Mieterverband reicht das nicht aus. Er fordert Nachbesserungen beim Gebäudesanierungsprogramm, über das das Parlament im Rahmen der Energiestrategie 2050 debattiert. Ein Thema sind Fördergelder: Fliessen diese, sollen weder Kündigungen noch Luxussanierungen möglich sein.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Den Letzten beissen die Hunde. Und das ist in der Schweiz wegen der von Lobisten direkt oder indirekt geschmierten Politiker und Richter immer extremer der Konsument oder der Lohnsklave....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    Die Sanierung ist Sache des Hauseigentümers. Er erhält ja schliesslich auch den Mehrwert sprich der höhere Preis, den die Liegenschaft abwerfen würde. Solche Sanierungen sind preissteigernd. Die Mieten werden sowieso bei jedem Mieterwechsel (widerrechtlich) nach oben angepasst (bei uns im Haus bei allen Wohnungen geschehen).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
      J.Baltensperger@ Ideologische Blödsinn 2mal: 1.) Der Mieter zahlt bei einer richtigen energetischen Sanierung weniger für die Nebenkosten. Investitionen des Vermieters können aber nicht umsonst sein. 2.) Werden Mieten ohne Investitionen erhöht, ist dies wiederrechtlich, es kann und soll angefochten werden. Dafür existiert das blaue Formular zur unentgeltlichen Anfechtung des Anfangsmietzinses.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      In der Theorie haben Sie recht, in der Praxis leider nicht. Woher wollen Sie wissen, wie viel der Vormieter bezahlt hat? Und dazu kommt, eine Wohnung zu finden in Zürich ist nicht einfach - viele wollen nicht riskieren, die Wohnung zu verlieren weil sie sich gegen die Miete wehren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
      @J. Baltensperger: Auf dem blauen Formular muss die Vormiete aufgeführt sein.Ist dies nicht der Fall macht sich der Vermieter strafbar. Meist tun dies grosse Pensionskasse und Grossverwaltungen eher als kleine Vermieter, wobei es auch dort schwarze Schafe gibt. Bei gut 50% subventionierten Wohnungen, die Genossenschaften oder der Stadt Zürich gehören, scheint dies eher nicht der Fall. Wer sich gegen den Vermieter wehrt geniesst Schutz :(Kündigungsschutz, unentgeltlicher bei Erstinstanz)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Bei energetischen Sanierung sind alle gefragt, Mieter und Vermieter, die Ressourcen sind beschränkt. Sicher man kann ein Haus auch tot sanieren. Der Staat sollte nicht Förderung mit vielen Formularen betreiben. Ein Gesetz, dass bei einer Dacherneuerung, Sanierung; Sonnenkollektoren in 50% der Fläche obligatorisch gemacht werden müssten, würde viel mehr bringen als die Staatliche Umverteilung. Die meisten Subventionen sind Peanuts gemessen an der Bausumme.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen