Wer will schon in alten Büros arbeiten?

Immer mehr Büros an bester Lage in Zürich stehen leer. Grossunternehmen haben ihre Arbeitsplätze nach Zürich-West, Oerlikon oder Wallisellen verlagert. Was aber soll mit den ausgedienten Liegenschaften in der City geschehen?

An der Löwenstrasse 16 in Zürich-City: Vor kurzem tischte hier der Wirt des «Bierfalken» noch saftige Cordonbleus auf – beliebt auch bei den Bürolisten in den oberen Stockwerken. Nun klafft da eine grosse Baulücke.

Ein neues Bürogebäude in Nahaufnahme bei Nacht.

Bildlegende: Die neuen Bürogebäude sind billiger und beliebter als jene in der teuren Innenstadt. Keystone

Die Besitzerin, PSP Swiss Property, ersetzt den über 100-jährigen Altbau durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus. Sie tut das, weil die Mieter heute ganz andere Anforderungen an die Büroflächen stellen als früher: Gefragt sind vielseitig nutzbare Gebäude mit viel Licht im Inneren und hohen Decken.

Abreissen oder sanieren

Für Luciano Gabriel, den Chef der Immobiliengesellschaft PSP, ist klar: Die Bürogebäude in der Innenstadt müssen ebenso flexibel genutzt werden können wie jene in der Peripherie. Die radikale Variante: abreissen und neu bauen.

Schonender geht PSP-Chef Gabriel mit dem Büro- und Laden-Komplex am Bahnhofplatz vor. Hier wird gründlich saniert. So oder So: Nachrüsten ist unabdinglich, sonst ist der Altbestand nicht zu vermieten. Denn am Rand von Zürich, wo die neuen Büro-Türme in die Höhe ragen, werden Grossunternehmen fündig: Der Quadratmeter Büro kostet dort nicht stolze 500 Franken Jahresmiete wie im Zentrum, sondern nur halb so viel.

Die Altbauten in der City abreissen oder sanieren: Das mag an bester Lage gehen, wo die Investitionen über einen hohen Mietpreis wieder hereinzuspielen sind. Doch hohe Mieten dürften wegen des dann ansteigenden Büroangebots in der Innenstadt zunehmend Mieter abschrecken.

Umbau in Wohnungen oftmals zu teuer

Warum aber werden die Bürogebäude nicht in Wohnungen umgewandelt? Zumal in der Stadt Zürich, wo Wohnraum nach wie vor heiss begehrt ist? Gewisse Objekte würden sich dafür sicher eignen, zeigt sich Immobilien-Experte Daniel Stocker von Colliers International überzeugt. Allerdings: Bei vielen Objekten wäre ein Umbau zu teuer, sprich: «Sie müssen dann so hohe Mieteinnahmen erzielen, dass die Mieten nicht mehr marktkonform sind», wie es Stocker ausdrückt.

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Leere Büroflächen an Toplagen

8:23 min, aus ECO vom 4.2.2013

Eine Alternative wäre die Zwischennutzung, bespielsweise für die Kulturförderung. Dies sei durchaus auch im Interesse der Stadt, sagt Anna Schindler, die Direktorin der Stadtentwicklung Zürich. Allerdings müssten die Eigentümer der Liegenschaften an einer solchen Nutzung überhaupt interessiert sein.

Das sind derzeit aber erst wenige von ihnen. Denn noch sind die Büromieten im Zentrum so hoch, dass die Eigentümer auf bessere Zeiten und neue, zahlungskräftige Mieter hoffen.

(snep;kobe)