Wie der starke Dollar der Schweiz hilft

Alle reden vom Franken-Euro-Kurs und den negativen Folgen für Schweizer Export-Unternehmen. Dabei wird übersehen, dass der Dollar stetig stärker wird, auch zum Franken. Das heisst: Schweizer Produkte werden im Dollar-Raum immer günstiger. Das verschafft der Export-Industrie ein wenig Linderung.

Dollar und Schweizer Banknoten

Bildlegende: Der erstarkende Dollar kann für Schweizer Unternehmen durchaus von Vorteil sein. Keystone

Der Dollar ist attraktiv. Er wird von Woche zu Woche stärker. Ein Dollar kostet schon fast wieder einen Franken.

Profiteure bei Ausfuhren in die USA

Und dieser Aufwärtstrend dürfte anhalten, sagt UBS-Währungs-Experte Thomas Flury: «Gerade in einem Umfeld wo die EZB Anleihen kauft, die Zinsen in den Boden drückt, ist es klar: Der Dollar ist attraktiv als Renditeobjekt und ist attraktiv, weil er Sicherheit bietet».


Dollarstärke: Für Uhrenexporteure positiv

2:13 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.03.2015

Und das hat positive Folgen für die Schweizer Export-Wirtschaft: Dank des stärkeren Dollars kann man sich nämlich in den USA Produkte «made in Switzerland» besser leisten. Davon profitieren Unternehmen mit einem grossen Kundenstamm jenseits des Atlantiks, insbesondere Pharmakonzerne oder Uhren-Hersteller. Deren Ausfuhren in die USA nehmen schon seit Jahren kräftig zu.

Euro-Raum als Konjunktur-Stütze

Die USA sind bereits der zweitwichtigste Absatzmarkt für Schweizer Unternehmen, hinter Deutschland. Unternehmen, die auch im Dollar-Raum geschäften, können die Euro-Schwäche folglich besser verkraften.

Die Effekte sind gesamtwirtschaftlich aber bescheiden: Denn erst rund zwölf Prozent der Schweizer Exporte gehen in die USA, mehr als die Hälfte aller Güter wird nach Europa verkauft.

Umso wichtiger ist es aus Schweizer Sicht, dass die Konjunktur im Euro-Raum und insbesondere in Deutschland kräftig anziehen würde.

Der starke Dollar könnte auch das bewirken. Denn wenn die zahlungskräftigen Amerikaner auch mehr in Europa kaufen, gibt das der Wirtschaft im Euro-Raum Schub.

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Nach dem Frankenschock nun die Korrektur

1:43 min, aus Tagesschau vom 10.3.2015

Exporte begünstigt

Davon könnte dann wiederum die Schweiz profitieren, sagt UBS-Währungsexperte Thomas Flury: «Das wird nicht unbedingt den Wechselkurs Euro/Franken positiv beeinflussen, in unserem Sinne. Es wird jedoch die Nachfrage in Deutschland anheizen und damit die Schweizer Exporteure, die den deutschen Raum anschauen, begünstigen».

Fazit: Der starke Dollar begünstigt nicht nur -– direkt – Schweizer Exporte in die USA, sondern indirekt auch in den wichtigen Euro-Raum, falls die Wirtschaft dort tatsächlich in Fahrt kommt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Geldschwemme der EZB

    Aus Tagesschau vom 9.3.2015

    Die Europäische Zentralbank hat heute ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen gestartet. Bis September 2016 will sie monatlich 60 Mrd. Euro in die Märkte pumpen. Das Billionen-Programm soll die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln und eine Deflation vorbeugen. Einschätzungen von Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind

  • FOKUS: Starker Franken oder Strategie?

    Aus 10vor10 vom 3.3.2015

    Der starke Franken sei schuld, dass jetzt viele Firmen ihre Arbeitsplätze in der Schweiz nicht mehr halten können, sagt Swissmem-Präsident Hans Hess. Der starke Franken sei aber manchmal bloss eine faule Ausrede für Firmen, die Arbeitsplätze streichen, meint Chefökonom des schweizerischen Gewerkschaftsbundes Daniel Lampart.

  • Der starke Franken wird Firmen zu teuer

    Aus Tagesschau vom 3.3.2015

    Gestern der Hörgerätehersteller Sonova, heute der Fensterbauer Ego-Kiefer: Immer mehr Firmen verlagern Arbeitsplätze von der Schweiz ins Ausland. Die Wolken über dem Werkplatz Schweiz werden immer dunkler.

  • Hörgeräte-Herstellerin Sonova ist schon länger daran, Montage-Arbeiten auszulagern - in Länder, in denen billiger produziert werden kann. Durch den starken –Franken beschleunigt sich diese Entwicklung.

    Starker Franken bringt Stellenverlagerungen ins Ausland

    Aus Echo der Zeit vom 2.3.2015

    Am 15. Januar hat die Nationalbank angekündigt, dass sie den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken aufhebt. Angst ging um, dass es in der Export-Industrie zu einer Welle von Entlassungen kommen könnte.

    Das ist zwar bisher nicht eingetreten, doch immer mehr Unternehmen reagieren auf den starken Franken.

    Iwan Lieberherr

  • Teurer Franken: Mehr Arbeit, aber nicht mehr Lohn

    Aus Trend vom 28.2.2015

    In immer mehr Unternehmen müssen die Angestellten länger arbeiten - bei gleichem Lohn, versteht sich. Die Chefs begründen das mit dem starken Franken. Doch seit die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat, hat der Franken wieder an Wert verloren.

    Macht sich Erleichterung breit? economiesuisse-Präsident Heinz Karrer bleibt skeptisch.

    iwan lieberherr im gespräch mit heinz karrer

  • Starker Franken erschwert Verlagerung des Güterverkehrs

    Aus Echo der Zeit vom 1.2.2015

    Hupac, das führende Unternehmen im kombinierten Schienengüterverkehr durch die Schweiz, lud kürzlich über 100 Spitzenleute aus dem Transportgewerbe in den Gotthard Basistunnel ein um die Chance aufzeigen, die der Tunnel dem Güterverkehr bringt.

    Doch der neue Frankenkurs und sinkende Dieselpreise machen diesem Anliegen ein Strich durch die Rechnung.

    Alexander Grass

  • FOKUS: Weitreichender Entscheid

    Aus 10vor10 vom 22.1.2015

    Der EZB-Chef, Mario Draghi hatte die Märkte darauf vorbereitet, seit heute ist es definitiv. 1140 Milliarden Euro sollen eingesetzt werden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Europäische Zentralbank wird für monatlich 60 Milliarden Euro von den Banken im Euro-Raum Staatsanleihen kaufen.

  • Dollar bleibt globale Leitwährung

    Aus Echo der Zeit vom 23.5.2014

    Seit vergangenem Jahr erscheint der chinesische Renminbi auf der Liste der zehn meist gehandelten Währungen der Welt. Daraus zu schliessen, dass er dem Dollar als globale Leitwährung den Rang abläuft, wäre ein Irrtum, meint Eswar Prasad.

    Maren Peters hat den renommierten US-Ökonomen in Washington getroffen.

    Maren Peters