Wie die Modelleisenbahn Anschluss an die Zukunft finden will

Fleischmann, Märklin – das sind klingende Namen in den Ohren von Modell-Eisenbähnlern. Diese Woche wurde bekannt, dass Fleischmann Insolvenz anmelden muss. Das gleiche Schicksal ereilte Marktführer Märklin vor wenigen Jahren. Steckt der Modellbahnmarkt in der Krise? Nein, aber er verändert sich.

Fast 130 Jahre lang gibt es den bayrischen Modellbahnbauer Fleischmann schon. Zu seinen Blütezeiten beschäftigte er über 600 Menschen – heute sind es in Bayern selber noch gerade 33 Angestellte. Diese arbeiten vorwiegend in der Entwicklung und im Marketing, produziert wird im billigeren Ausland.

Nun musste der Hersteller Insolvenz anmelden, weil seine Pensionskasse überschuldet ist. Die Produktion selber aber laufe gut. Und es werde weiter geliefert, versichert das Unternehmen. Doch die Entwicklung bei Fleischmann wie auch bei Märklin – vor anderthalb Jahren saniert und verkauft – zeugen von einem rückläufigen Markt. Computer-Games und Social Media sind heute beliebtere Freizeitbeschäftigungen als die Modellbahn.

Nischenanbieter bedrängen die Grossen

Und dennoch: Der Modelleisenbahn-Markt sei zwar anspruchsvoll, habe allerdings Zukunft, ist Michael Roder vom Spezialgeschäft Bahnorama in Bern-Bümpliz überzeugt. Es gebe mittlerweile eine immense Auswahl an Modellen.

In den vergangenen Jahren seien aber viele neue, kleine Nischenanbieter auf den Markt gekommen und hätten den Grossen das Leben schwer gemacht. Als Beispiel nennt Roder einen spanischen Hersteller, der einen Schweizer Postwagen entdeckte und das entsprechende Pendant in Zusammenarbeit mit einem hiesigen Verein anfertigte. «Wir beziehen es jetzt direkt aus Spanien – so kann sich unsere Kundschaft an einem speziellen Modell erfreuen, das von den Grossen nicht produziert worden ist.»

Virtuelles für den Bähnler-Nachwuchs

Solche Spezialanfertigungen sind in erster Linie für Sammler interessant oder für Modellbahnklubs: Da stellt man sich zumeist ältere Herren vor, die im Keller ihre Miniatur-Krokodile, Dampfloks und Salonwagen polieren oder gemeinsam in der Klub-Baracke an ihrer Modell-Eisenbahn werkeln. Diese Kundschaft gebe es nach wie vor, sagt Roder.

Schwieriger sei es hingegen, auch die Jüngeren – die Smartphone-Generation – auf den Geschmack zu bringen. Gelingen soll dies unter anderem mit Modelleisenbahnen, die sich über das Handy oder das Tablet vielseitig steuern lassen. «Mittels Videokameras in den Fahrzeugen und virtuellen Führerständen lässt sich die Lok heute quasi live fahren», erklärt Roder.

So wird im Massstab 1:87 nachvollzogen, wie die neuen, intelligenten Steuerungsmöglichkeiten die Eisenbahn-Realität in den letzten Jahren verändert haben. Und noch eine weitere Zeiterscheinung hat ein findiger Schweizer Hersteller «en miniature» übersetzt: Er bietet ein S-Bahn-Modell an, das mit Graffitis versprayt ist. Wenn sie mit der Zeit geht, dann ist die Modellbahn also kein Auslaufmodell.