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Wirtschaft Wie die Schweizer Banken vom Panama-Geschäft profitierten

Amerikanische Behörden haben zum Finanzplatz Schweiz während der letzten Jahre zahlreiche Dokumente veröffentlicht. Aus diesen geht hervor, dass zahlreiche Schweizer Banken ein reges Offshore-Geschäft in Panama betrieben. Der Korruptionsexperte Mark Pieth über die Vorzüge und künftige Rolle Panamas.

Blick auf Panama-City.
Legende: Längst ein «moderner Finanzplatz»: Zahlreiche Schweizer Banken wickelten jahrelang erfolgreiche Geschäfte in Panama ab. Reuters

Mehr als 1000 Seiten Dokumente haben die amerikanischen Behörden zu den Schweizer Banken und der Steuerhinterziehung in den letzten Jahren veröffentlicht. Noch nie in der Geschichte wurde der Schweizer Finanzplatz derart durchleuchtet. Aus diesen amerikanischen Unterlagen ist ersichtlich, dass Panama für die Schweizer Banken eine zentrale Rolle gespielt hat – bei der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Mark Pieth, Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte erklärt: «Panama ist ein attraktiver Ort weil er ein moderner Finanzplatz ist. Da wird einem das Geld nicht einfach gestohlen. Es ist ein Finanzplatz, in dem man Gesellschaften gründen kann, der aber auch über Banken verfügt.»

Banken, über welche Transaktionen diskret abgewickelt werden. Dass die Schweizer Banken für ihre Geschäfte Panama ausgewählt haben, und nicht zum Beispiel asiatische Länder, hat seine Gründe: «Oft ist es so, dass man ein Geschäftsmodell entwickelt hat. Und dann fährt man auf der eingefahrenen Schiene. Es sind ja seitens der Schweiz nicht nur Banken, sondern auch Anwälte beteiligt gewesen. Die Anwälte kennen sich, da gibt es ganz enge Beziehungen zwischen Schweizerischen Anwaltsbüros und Anwaltsbüros in Panama», sagt Pieth.

UBS baute über 250 Gesellschaften auf

Mit Hilfe dieser Anwälte haben die Schweizer Banken in Panama Gesellschaften aufgebaut; Stiftungen, Trusts und so weiter. In ihren Untersuchungen zeigen die amerikanischen Behörden, wie einige Schweizer Banken in Panama und auch in Liechtenstein und den britischen Jungferninseln Briefkastenfirmen aufgebaut haben. Zum Beispiel die UBS, nach 2001: die Grossbank habe 250 Gesellschaften aufgebaut und damit mehrere Milliarden Dollar vor dem Fiskus versteckt.

Oder die Bank Safra Sarasin, diese hat in Panama und anderen Ländern fast 400 Konti geführt mit 1,2 Milliarden Dollar.

Auch die Union Bancaire Privé aus Genf versteckte auf diese Weise mehr als eine Milliarde Dollar.

Laut dem amerikanischen Justizministerium haben die Verantwortlichen der Banken die Gelder bewusst falsch deklariert. Weitere Schweizer Banken, die in Panama Scheingesellschaften aufgebaut haben, sind BSI, Waadländer Kantonalbank, Lombard Odier, Hyposwiss, EFG, Baumann Banquiers, BNP Paribas Suisse und Société Générale Schweiz. Credit Suisse und Julius Bär haben zwar auch Scheingesellschaften geführt, allerdings fehlen dazu die Details, wo das überall gemacht wurde.

Mindestens 25 Schweizer Banken haben in Panama Briefkastenfirmen aufgebaut, diese Banken werden von den amerikanischen Behörden namentlich genannt.

«Panama-Papers» werden Wandel beschleunigen

Neben Panama sind bei den Banken vor allem die britischen Jungferninseln für Scheinfirmen beliebt – und Liechtenstein.

«Bei Liechtenstein ist es eher ein Vergangenheitsthema. Inzwischen ist Liechtenstein – ähnlich wie die Schweiz – unter Druck, von der EU, von den USA. Das Land ist daran, sein Geschäftsmodell zu ändern», erklärt Pieth.

Gegenwärtige Regierung Panamas will mit Korruption Schluss machen
Autor: Mark PiethStrafrechtsprofessor und Korruptionsexperte

Die Schweizer Banken sind vorsichtiger geworden mit der Beihilfe zur Steuerhinterziehung, nicht zuletzt auch, weil sie den Amerikanern 6 Milliarden Dollar Bussen bezahlen mussten. Nun verlagert sich der Druck auf Panama.

«Das Land ist sehr ambivalent. Die gegenwärtige Regierung möchte eigentlich mit Korruption Schluss machen, das ist ein sehr grosses Programm. Auf der anderen Seite hat sie es aber nicht geschafft, den Finanzplatz aufzuräumen. Das ist ein zu grosses Thema für die fünf Jahre, welche die Regierung zur Verfügung hat», so der Korruptionsexperte.

Die Panama Papers dürften den Wandel im Steuerparadies beschleunigen. Und auch für die Schweizer Banken ist es heikler geworden, in Panama Scheinfirmen aufzubauen und zu führen.

Mark Pieth

Mark Pieth gestikulierend vor einem Fifa-Logo
Legende: Keystone

Mark Pieth ist Strafrechtsprofessor an der Universität Basel und war von 2011 bis 2013 bei der Fifa tätig, als Vorsitzender der unabhängigen Governance-Kommission.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Liebes SRF, lieber Herr Pieth! Langsam gleitet das PP-Medien-Feuerwerk zum Boulevard-Journalismus über. Denn wer sich nun mit dem Thema Briefkasten-Firma, Gelder verstecken u. anonymisieren, Steuervermeidung=Steuerhinterziehung, Schwarzgeld, usw. befasst, stösst schnell einmal auf die grösste globale Steueroase USA. Wenn nun nicht unmittelbar die Medien auf die Hochburg USA/Delaware/Reno, usw. weiter losgehen, bleibt dieses Spektakel Schall und Rauch. PP dürfen nicht als Alibi f. die USA dienen.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Die durch NGOs von Soros, CIA und anderen finanzierten "investigativen Journalisten" bringen selektive Neuigkeiten - nachdem sie gefiltert sind. Kornelius, aussenpolitische Ressortleiter der SZ, hat Putin schon lange auf dem Radar - nun erscheint Putin als "Angeklagter", obwohl sein Name nicht in den Unterlagen vorkommt... Da halte ich mich lieber an den Whistleblower Snowden, der u.a. die Kriegs - und Überwachungspläne der US-Behörden aufdeckte. Soll mal ein Mutiger diese Geldströme aufdecken!
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Delaware ist seit Jahrzehnten bekannt, ohne dass sich dagegen grosser Widerstand geformt hätte Dass nun nach dem von über 50 Staaten unterzeichneten OECD-Abkommen über die schärfere Besteuerung gewisser Firmen für diese in den USA neue Oasen aus dem Boden gestampft werden, ist nicht überraschend. Jeder grosse Finanzplatz unterhält vor seiner Haustür mindestens eine Oase. Es wäre höchste Zeit, globale Regeln und Kontrollen zu installieren. Der Widerstand wird allerdings fast unüberwindbar sein.
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  • Kommentar von Werner Boesiger (P.Werner Boesiger)
    Bei einem gerechten Steuersystem, welches nicht die Buerger per Steuern und Negativzinsen regelreicht bestiehlt, und die Sparer zu Dummkoepfen macht, gibt es auch viel weniger Steuerhinterziehung. Selbstverteidigung ist weder eine Suende noch ein Delikt. Aber der Diebstahl von Daten und auch die mediale Vermarktung sind ein Delikt. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, wenn er ueberhaupt ehrlich ist? Eine noch groesseres Delikt ist es, wenn der Staat und die USA alles ueber alle wissen wollen.
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  • Kommentar von Fadri Pitsch (FP)
    Bänker lernen es nie, sich zu verändern. Wie lange schaut die Welt zu? Bin für eine Revolution. Wenn ich alleine in Zürich und Goldküste beobachte, wieviele über 100.000 Fr. teure Karossen rumgefahren werden, wird mir übel. Dass diese Süperreichen wie es MÜSLÜM sagt, oft sehr wenig Steuern bezahlen ist seit langem bewiesen. Dass man die kleinen Steuerzahler oft wegen Lappalien büsst ist auch Fakt. Shame on you.
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    1. Antwort von Martin Brunner (Frontal)
      Schliesse mich zu 100% Ihnen an, ich bin auch für eine Revolution, aber die müsste weltweit so richtig einreissen!! Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander nicht zuletzt weil die Reichen mit allen Tricks immer noch reicher werden möchten. Die Arbeitnehmer werden ausgepresst bis geht nicht mehr. Wenn etwas nicht mehr im Gleichgewicht funktioniert dann ist das Ende meistens nicht mehr weit!
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Ich benutze für das von MB Geschilderte gerne das folgende Bild: "Die Orange ist ausgepresst. Jetzt wird noch das übriggebliebene Fruchtfleisch herausgeschält. Dem daran nicht Beteiligten bleibt am Ende die bittere Schale."
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