Nach Skandal um Akkus Wie geht es Samsung?

Samsung präsentiert heute sein neues Smartphone-Spitzen-Modell Galaxy S8. Der koreanische Konzern steht dabei unter grossem Druck: Einen Reinfall wie im letzten Herbst mit explodierenden Akkus kann sich Samsung nicht leisten. Dabei hat der Konzern die letzten Krisen erstaunlich gut überstanden.

Das Bild eines kaputten Samsung-Galaxy-Smartphones, das Feuer gefangen hat.

Bildlegende: Der Rückruf der Galaxy-Note-7-Smartphones dürfte Samsung mehrere Milliarden Dollar gekostet haben. Keystone

  • Samsung Electronics konnte den Gewinn im letzten Quartal steigern – trotz Skandal um explodierende Akkus.
  • Auch die Verhaftung des Präsidenten Jay Y. Lee vor einem Monat hat die Börse nicht beeindruckt.
  • Bei den Smartphones haben die Koreaner jedoch Marktanteile an Erzrivale Apple verloren.

Es klingt wie ein Alptraum für jeden Hersteller von Unterhaltungselektronik: Kaum hatte Samsung sein neues Smartphone Galaxy Note 7 lanciert, da explodierten bei den ersten Kunden die Akkus. Die Mängel im neuen Gerät waren so gravierend, dass Samsung das Produkt vom Markt nehmen musste. Das dürfte den Konzern mehrere Milliarden Dollar gekostet haben.

Immun gegen Skandale

Doch ein Blick in die Buchhaltung von Samsung Electronics zeigt: Der Konzern hat das Debakel erstaunlich gut überstanden. Im vierten Quartal 2016 ist der Gewinn sogar markant gestiegen. Dazu beigetragen hat vor allem das Geschäft mit Elektronikbauteilen wie Bildschirmen oder Speicherchips. Zu den Samsung-Kunden gehören Hersteller von Smartphones, darunter auch Apple.

Ein Wermutstropfen bleibt. Samsung verlor bei den Smartphones Marktanteile, während Erzrivale Apple aufholte. Mit je 78 Millionen verkauften Geräten in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres liegen die beiden Konkurrenten nun praktisch gleich auf.

Die explodierenden Akkus waren nicht der einzige Skandal, den Samsung weltweit in die Schlagzeilen katapultierte. Vor einem Monat wurde mit Jay Y. Lee auch noch der Vizepräsident von Samsung Electronics und der designierte Nachfolger des Konzernchefs verhaftet. Ihm wird Korruption und Veruntreuung vorgeworfen. Das könnte den Enkel des Samsung-Gründers Lee Byung-chul bis zu 20 Jahre hinter Gitter bringen.

Korruptionsmüde

Samsung Electronics ist Teil eines riesigen Konglomerats, zu dem vom Baukonzern über die Lebensversicherung bis zum Nahrungsmittelkonzern Firmen aus verschiedensten Sparten gehören. Dieses komplexe Konstrukt wird seit drei Generationen von der Gründerfamilie Lee kontrolliert. Solche verschachtelten Unternehmen werden auf Koreanisch als Chaebol bezeichnet.

Der designierte Konzernchef in Handschellen, links und rechts zwei Polizisten.

Bildlegende: Jay Y. Lee: Wegen Korruption in Untersuchungshaft. Reuters

Die Verhaftung Jay Y. Lees steht auch im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal, der Korea über Monate beschäftigte und schliesslich zur Absetzung der Präsidentin Park Geun-hye führte.

Die Öffentlichkeit hat genug von Korruption und steht den Chaebol kritisch gegenüber. Es ist deshalb gut möglich, dass Familienkonzerne wie Samsung in Zukunft reorganisiert werden.

Die Börse lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen. Weder explodierende Akkus noch der Korruptionsskandal konnten der Samsung-Aktie etwas anhaben. Im Gegenteil: Seit dem Akku-Debakel hat sie sich kräftig erholt und alleine seit November 25 Prozent zugelegt.