Von Münzen und Moneten Wie sicher ist die neue 20er-Note?

Geldfälscher-Legende Hans-Jürgen Kuhl hält auch die neue Banknotenserie der Nationalbank für fälschbar. Banknoten-Kenner Ruedi Kunzmann widerspricht.

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Sind Notenfälschungen im grossen Stil noch möglich?

3:45 min, aus 10vor10 vom 9.5.2017

Morgen präsentiert die Schweizerische Nationalbank die neue 20-Franken-Note. Bei der letztjährigen Lancierung der jüngsten Banknotenserie mit dem 50-Franken-Schein sagte Nationalbankpräsident Thomas Jordan: «Nötig ist der neue Schein, damit die Sicherheit weiterhin gewährleistet ist.» Mit den neuen Sicherheitsmerkmalen sei man den Fälschern wieder einen grossen Schritt voraus.

Der neue 50-Franken-Schein wurde allerdings bereits mehrmals gefälscht. Cathy Maret, Sprecherin der Bundeskriminalpolizei, sagt: «Wir haben bisher rund ein Dutzend Fälschungen sichergestellt». Dabei handle es sich jedoch um leicht erkennbare Fälschungen, hergestellt mit einem Farbkopierer oder Tintenstrahldrucker.

Nationalbank ist den Fälschern voraus

Aber lassen sich die neuen Noten auch so fälschen, dass man damit im Laden ohne Probleme bezahlen könnte?

Hans-Jürgen Kuhl gilt als einer der besten Geldfälscher der Welt. Der gelernte Grafiker fälschte einst im grossen Stil: 2007 wurde er wegen der Herstellung von Blüten im Wert von 16 Millionen US-Dollar zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Experten attestierten seinen Fälschungen eine ausserordentlich hohe Qualität.

Zur neuen Banknotenserie behauptet Kuhl: «Ich könnte diese Scheine sehr leicht fälschen, nur sind dann die Sicherheitsmerkmale nicht optimal.» Das sei aber auch gar nicht nötig. Denn um mit einem gefälschten Schein einzukaufen, brauche es die meisten der kleinen Sicherheitsmerkmale gar nicht: «Kein Mensch läuft mit einer Lupe oder einer UV-Lampe durch die Gegend.»

Banknoten-Kenner Ruedi Kunzmann widerspricht: «Eine gute Fälschung ist heute praktisch umöglich. Die Sicherheitsmerkmale der neuen Noten sind derart raffiniert angelegt und nur in mehreren Durchläufen machbar». Im Moment laufe nicht die Nationalbank den Fälschern hinterher, sondern umgekehrt – und zwar mit grossem Abstand.

Kanada-Dollar sicherer als der Franken?

Für Kuhl ist hingegen klar, dass es fälschungsssicherere Währungen gibt als den Schweizer Franken. Die Kanadier würden es besser machen. Sie hätten ihre Noten so konzipiert, dass jede Fälschung sofort erkennbar sei.

«  Die Notenbanken sollten die Sicherheitsmerkmale vergrössern. »

Hans-Jürgen Kuhl

Der frühere Geldfälscher betont: «Die Notenbanken sollten die drei Sicherheitsmerkmale vergrössern, die auf der Strasse einfach erkennbar sind und professionelle Fälscher deshalb vor echte Probleme stellen.» Dazu gehörten das Sichtfenster, das Hologramm und das Wasserzeichen.

Ruedi Kunzmann weist allerdings daraufhin, dass der Schweizer Franken für professionelle Fälscher ohnehin kaum interessant sei: «Der Euro ist mit Sicherheit einfacher zu fälschen und hat ein grösseres Umlaufgebiet.»

Die Schweizer Nationalbank fühlt sich jedenfalls sehr sicher. Früher hielt sie stets eine Reserveserie im Hintergrund, um die Noten bei zu vielen Fälschungen zu ersetzen. Seit der letzten Notenserie verzichtet sie darauf.

Hans-Jürgen Kuhl

Hans-Jürgen Kuhl

SRF

Hans-Jürgen Kuhl fälschte US-Dollars im grossen Stil. 2007 wurde der deutsche Grafiker deswegen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

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