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Wirtschaft Wie weiter in der Bauwirtschaft?

Das Klima in der Bauwirtschaft ist eisig: Mit Streiks in der ganzen Schweiz machen die Gewerkschaften derzeit Druck. Sie wollen Verhandlungen mit den Arbeitgebern über einen neuen Branchen-GAV. Nun meldet sich der grösste Baukonzern der Schweiz – und verlangt konstruktive Gespräche.

Symbolbild: Baustellen-Signet und Baugitter.
Legende: Die Sozialpartner ringen um die vertragliche Zukunft auf dem Bau. Keystone

Implenia ist der grösste Schweizer Baukonzern. 8000 Angestellte arbeiten für den Bauriesen, der Jahresumsatz beträgt drei Milliarden Franken. Nun schreibt die Gewerkschaftszeitung «Work», Link öffnet in einem neuen Fenster in ihrer neusten Ausgabe, dass Implenia einen Kurswechsel und konstruktive Verhandlungen für einen Landesmantelvertrag fordere.

Niemand will vertragslosen Zustand

«Ein vertragsloser Zustand ist ein denkbar ungünstiges Szenario», bestätigt Implenia-Sprecher Philipp Bircher den Artikel. Eine funktionierende Sozialpartnerschaft im Bauhauptgewerbe sei eine notwendige Voraussetzung für den störungsfreien Betrieb auf den Baustellen. «Wir fordern deshalb beide Seiten auf, das Gespräch zu suchen und die Verhandlungen wieder aufzunehmen.»

Implenias Appell sei vor allem ein starkes Signal an die Adresse des Baumeisterverbands, heisst es von der Gewerkschaft Unia. Man habe schon von verschiedenen Baufirmen gehört, dass sie mit der Politik des Baumeisterverbands nicht einverstanden seien, sagt Nico Lutz, Sektorleiter Bau bei der Unia. «Wir hoffen, dass es jetzt endlich eine Bereitschaft gibt, an einen Tisch zu sitzen und Lösungen zu finden.»

Laut Unia gibt es einige offene Punkte: So etwa die Frage, wie man die Frühpensionierung ab 60 weiterhin finanzieren kann, aber auch die Frage, wie man Lohndumping bekämpfen soll. Denn dieses sei mittlerweile auf vielen Baustellen zum täglichen Problem geworden, so die Gewerkschaft.

Baumeisterverband weist Vorwürfe zurück

Der Baumeisterverband seinerseits wehrt sich gegen den Vorwurf, man sei nicht gesprächsbereit. «Das ist schon nicht ganz korrekt, wenn man uns nun vorwirft, wir hätten zu lange gewartet», sagt ihr Präsident Gian-Luca Lardi. Der Verhandlungstermin vom 20. November sei nicht vom Baumeisterverband festgelegt worden.

Gerade umgekehrt tönt es bei den Gewerkschaften: Man habe schon lange auf Verhandlungen gepocht und bereits viel früher Gesprächstermine angeboten. Es komme deshalb nicht infrage, die für diese Woche geplanten arbeitsstörenden Massnahmen in der ganzen Schweiz abzusagen.

Der Druck ist auf beiden Seiten gross. Denn der für den Bau gültige Landesmantelvertrag läuft Ende Jahr aus. Wenn also ein vertragsloser Zustand verhindert werden soll, dann sind bei den Verhandlungen Ende November rasche Fortschritte nötig.

Schwierige Ausgangslage für Gespräche

Die Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. Die Baumeister wollen den bisherigen Branchen-GAV, den sogenannten Landesmantelvertrag (LMV), verlängern. Für die Gewerkschaften Unia und Syna dagegen kommen nur Verhandlungen über einen neuen LMV in Frage. Dabei sollen auch eine Lohnrunde, die Finanzierung des Rentenalters 60 sowie Massnahmen gegen Lohndumping und für besseren Gesundheitsschutz zur Sprache kommen.

Der Baumeisterverband jedoch verweigert inhaltliche Verhandlungen über den LMV wegen der Fachstelle «Risikoanalyse» der Gewerkschaft Unia. Diese Fachstelle prüft für Baufirmen, ob deren Subunternehmen Lohndumping begehen. Die Baumeister argumentieren, diese einseitige Überprüfung sei nicht zulässig. Nächster Verhandlungstermin ist der 20. November. Dann wollen die Baumeister jedoch nur über die Löhne für 2016 und den frühzeitigen Altersrücktritt sprechen; nicht aber über den Landesmantelvertrag. (sda)

Baustellen ruhen

Baustellen ruhen

Heute haben 2500 Bauarbeiter im Tessin die Arbeit ruhen lassen, am Dienstag ist die Deutschschweiz, am Mittwoch die Romandie an der Reihe. Mit den Aktionen erhöhen die Gewerkschaften Unia und Syna den Druck auf den Baumeisterverband, mit ihnen über einen neuen Branchen-GAV zu verhandeln.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die vielgerühmten "Sozialpartnerschaften" sind wohl am verschwinden.... Das Lohndumping war durch die Personenfreizügigkeit vorhersehbar - lückenlose Kontrollen und genügende flankierende Massnahmen gar nicht möglich. Die Ironie der Geschichte: Sowohl Baumeister- und Arbeitgeberverband als auch die Gewerkschaften hatten laut getrommelt für die Personenfreizügigkeit...
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Über 10 Jahre ist es her, dass unsere Firma Messen in den USA besucht hat. Atlanta, New York, LA... Transportkosten von der Schweiz bis an die Tore der Messegelände: x Dollar. Von dort auf den Messestand 2*x Dollar. Warum? "Closed Shop" der jeweiligen US Gewerkschaften - diese konnten gnadenlos abzocken. Wie in Italien die Maffia. Oder in der DDR, da gab es den Spruch "Von der Sowjetunion lernen heisst siegen lernen." Hier scheint sich ein ähnlicher Spruch durchzusetzen:"Von Amerika lernen..."
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