«Wir sind nicht die einzigen, die gut sind»

Der Franken ist stark, zu stark. Hauptgrund dafür ist die Unsicherheit in Griechenland und der EU. Anders als früher investiert die Schweiz deshalb ihren Reichtum nicht mehr im Ausland, sondern hortet ihn hier. Das treibe den Franken weiter in die Höhe, kritisiert der frühere Nationalbank-Präsident.

Die Schweiz verdient viel Geld im Ausland. Sie erwirtschaftet so Jahr für Jahr einen sogenannten Leistungsbilanzüberschuss von rund 60 Milliarden Franken. Früher hat sie diesen wieder im Ausland investiert.

Nach der Finanzkrise und der Krise in der EU tut sie dies nicht mehr. Denn Schweizer Investoren hätten inzwischen einen einseitigen Blick auf die Schweiz und auf die Welt entwickelt, kritisiert Philipp Hildebrand.

Weitere Frankenaufwertung droht

«Wir sind gut in der Schweiz, darauf sollten wir stolz sein. Aber wir sind nicht die einzigen, die gut sind», sagte der frühere Präsident der Nationalbank und heutige Vize des Vermögensverwalters Blackrock auf einem Podium am Swiss International Finance Forum (SIFF) in Bern.

Die Schweiz habe immer im Ausland investiert», so Hildebrand. «Wenn sie damit aufhört, werden wir eine permanente Aufwertung haben. Die Nationalbank kann das nicht auf Dauer übernehmen.» Deshalb müssten auch private und institutionelle Investoren wie etwa Pensionskassen wieder vermehrt im Ausland Geld anlegen, lautet das Fazit des ehemaligen Frankenhüters.

Ganz uneigennützig dürften Hildebrands Ermahnungen allerdings nicht sein: Blackrock verdient sein Geld schliesslich mit der Vermögensverwaltung, und nicht damit, dass die Investoren zaudern und ihr Geld in bar in der Schweiz horten.