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Wirtschaft Wirbel um «Grexit» sorgt für rasante Talfahrt des Euro

Der Euro kennt derzeit nur eine Richtung: nach unten. «Grexit», das allfällige Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone und die Geldpolitik der EZB haben die Gemeinschaftswährung auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2006 sinken lassen.

Legende: Video Griechenland ohne Euro? abspielen. Laufzeit 3:01 Minuten.
Aus 10vor10 vom 05.01.2015.

In den ersten Handelsstunden der neuen Woche ist der Kurs des Euro bis auf 1,1864 Dollar gefallen, dem tiefsten Stand seit März 2006. Bis zum späten Montagnachmittag erholte sich der Euro auf 1,1920 Dollar.

Händler begründeten die erneuten Kursverluste mit der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der Lage in Griechenland. Drei Wochen vor der dortigen Neuwahl ist die Debatte über einen Austritt des Krisenlandes aus der Eurozone wieder voll entbrannt.

Auslöser ist ein «Spiegel»-Bericht, nach dem die Bundesregierung ein Ausscheiden des hoch verschuldeten Landes aus der Währungsgemeinschaft inzwischen für verkraftbar hält.

«Strafzinsen» sollen Wertzerfall stoppen

Mit dem Rückgang setzt der Euro die Talfahrt der vergangenen Monate fort. Im Mai des vergangenen Jahres hatte die europäische Gemeinschaftswährung noch fast 1,40 Dollar gekostet, verlor dann aber kontinuierlich an Wert.

Die EZB hatte im Sommer als erste grosse Notenbank der Welt «Strafzinsen» für Einlagen von Banken eingeführt. Das heisst, dass die europäischen Geldhäuser für bei der Zentralbank geparktes Geld Zinsen zahlen müssen, anstatt wie sonst üblich welche zu bekommen.

EZB-Präsident Mario Draghi will damit die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft vor allem in Südeuropa ankurbeln und eine zu niedrige Inflation verhindern. Bisher verpuffte dieser Schritt allerdings grösstenteils.

Draghi hatte daher zuletzt immer wieder angekündigt, zu weiteren Schritten bereit zu sein. Erst am Freitag hatte er in einem Interview mit dem «Handelsblatt» diese Bereitschaft noch einmal bekräftigt und damit den Eurokurs in Richtung 1,20 Dollar gedrückt.

USA bereiten sich auf Straffung vor

«Das Risiko, dass wir unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, ist höher als vor sechs Monaten», sagte er der Zeitung. Die Europäische Zentralbank sei deshalb in technischen Vorbereitungen, «um den Umfang, das Tempo und die Zusammensetzung unserer Massnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren».

Die Aussagen zerstreuten laut Händlern die letzten Zweifel, dass die Notenbank im Kampf gegen die zu niedrige Inflation schon bald mit dem umstrittenen Kauf von Staatsanleihen beginnen wird.

Während die Eurozone damit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zusteuert, bewegt sich die US-Notenbank auf eine Straffung ihrer Geldpolitik zu. Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung in den USA nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelt den Dollar und setzt den Euro im Gegenzug immer stärker unter Druck.

Athener Börse auf Sinkflug

Die Debatte über Griechenlands Zukunft als Euro-Land schickte die Kurse an den Börsen auf Talfahrt. Der Leitindex der Athener Börse sackte bis Börsenschluss um 5,6 Prozent ab. Der deutsche Leitindex Dax verlor bis Handelsschluss 2,99 Prozent. Auch die Schweizer Börse schloss rot: Der SMI beendete den Handelstag mit 8'938,85 Punkten, -0,5 Prozent.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von T. Gohlke, Deutschland
    Ich teile dankbar ganz Ihre Sicht, Herr Marcel Chauvet aus Neustadt. Das ist Ausgangspunkt meiner Anmerkungen. Ich würde den Euro für eine tolle Währung einstufen, wenn die selbe Politik betrieben worden wäre, wie bei der Deutschen Bundesbank oder wie bei der Österreichischen Nationalbank oder wie bei der Schweizerischen Nationalbank. Viel zu spät und immer noch nicht vollständig verabschiedet man sich vom Schlendrian. Die Euro-Idee ist gut, aber wegen anderer Volkswirtschaft nichts für die CH.
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  • Kommentar von T. Gohlke, Deutschland
    Nichts für ungut, jedoch sind hier keine Bemerkungen ersichtlich, die den entgegen gesetzten Fall eines sehr gut bewerteten Euro einbeziehen. Dann stützt der Euro den Franken bzw. die SNB bzw. den CH-Steuerzahler, dann ist es eine gute Idee, dann geht kein Euro-Land abwärts. Denn: gegenüber dem USD nahm der Wert des Euro von 2006 bis 2009 (u. z. T. 2010) stetig ZU. Für die Staatsanleihenkäufe könnte ich die EZB prügeln. Bundesbankregeln wurden in die EZB übernommen, aber nicht eingehalten!
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    1. Antwort von c.jaschko, Bern
      Ja genau dann gibt es aber auch die andere Seite der Muenze :-) Der Euro hat die Exporte unmoeglich gemacht , alles ist doppelt so teuer geworden ueber Nacht. Auserdem wir sehen doch das Ergebniss : Griechenland kapput, Spanien kapput, Portugal kapput, Frankreich geht noch aber bald auch kapput :-) Ganz Europa ist in Kriese gefallen seit der Gruendung der EU und der Einfuehrung des Euros, Schon klaar dass Sie aus Deutschland den Teuro verteidigen weil Ihr braucht in so sehr ansonsten ist aus :-)
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Jaschko: Wenn der Euro billiger wird, verbilligt und erleichtert das doch die Exporte der Euroländer. Und warum manche Länder "kaputt" sind, ganz einfach: Auf der einen Seite haben sie gewaltige Schuldenberge angehäuft, anderseits steht keine wirtschaftliche Performance dahinter und man hat die Globalisierung im internationalen Wettbewerb verschlafen. Man meinte mit altem Schlendrian und Anspruchsdenken so wie bisher weitermachen zu können.Der Wind hat sich jedoch gewaltig gedreht,
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  • Kommentar von Armin Hug, Kreuzlingen
    Der Auftrag der SNB müsste nun geändert werden, denn Preisstabilität "um jeden Preis" kann in diesem Umfeld nicht mehr gutgeheissen werden. Eine Verlagerung von Devisenreserven in eine Art "Staatsfonds" mit Realwerten müsste nun von der Politik verlangt werden.
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