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Wirtschaftliche Abschottung Trump verstärkt Trend zum Protektionismus

Legende: Audio «America first» – mehr als leere Worte abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.
02:23 min, aus HeuteMorgen vom 06.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon seit 2012 schotten viele Staaten ihre Wirtschaften stärker ab. Das zeigt eine Studie eines St. Galler Forschers.
  • Der Trend betrifft nicht nur einige Länder, sondern die ganze globale Wirtschaft.
  • Donald Trumps Devise «America First» ist mehr als eine leere Drohung. Der amtierende US-Präsident hat laut Studie mehr Entscheide zum Nachteil anderer G20-Staaten gefällt als sein Vorgänger Barack Obama.
  • Nicht alle seine Ideen konnte Trump umsetzen. Vor den nächsten Wahlen könnte sich das aber ändern.

Donald Trump hat die Debatte rund um Freihandel und Protektionismus neu entfacht. Simon Evenett, Professor an der Universität St. Gallen, hat untersucht, wie sich die internationalen Handelsströme in den letzten Jahren verändert haben. Das Ergebnis hat ihn überrascht: Seit 2012 – lange vor der Wahl Trumps zum US-Präsidenten – nehme der Protektionismus rasant zu, so seine Bilanz.

Abschottung liegt global im Trend

China, Brasilien, Indien, Nigeria, oder auch die USA: Alle hätten Gesetze erlassen, um den Zustrom von Waren, Gütern und Arbeitskräften einzuschränken, sagt Evenett. Ein Land sei dem nächsten gefolgt. Selbst die Schweiz sei keine Ausnahme, betont der Ökonom. Er verweist auf die Zuwanderungsinitiative.

US-Präsident Trump habe die internationale Protektionismuswelle nun noch verschärft. Laut Evenetts Studie hat Trump deutlich mehr Entscheide gefällt als Obama, die für G20-Partnerstaaten wirtschaftlich nachteilig sind. Zugleich fällte er deutlich weniger Entscheide als Obama, die den anderen G20 -Staaten nützen.

Was bringen die nächsten Kongresswahlen?

Mehrfach wurde Trump bei der Umsetzung seiner Ideen vom Kongress gestoppt. Dennoch beobachtet der St. Galler Handelsprofessor den Kurswechsel in den USA mit Sorge. Evenett fürchtet sich vor allem vor den Mid-Term-Wahlen oder der nächsten Präsidentschaftswahl 2020: Im Wahlkampf könnte Trump versucht sein, Handelskonflikte loszutreten, um von Problemen im Inland abzulenken, mutmasst er.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Mit den Zollmauern ist es wie mit fast allem Anderen. Der goldene Mittelweg waere der Richtige. Wobei gekeulte Zollmauern viel schlimmer sind, als etwas zu hohe. Nebst der Schliessung von Grenzen fuer Lohndoemper ohne Familienbande zu Buergern waeren auch hohe Strafzoelle fuer Tieflohn- und gar Zwangsarbeitswaren ueberfaellig....
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Wenn der Globalisierungswahn auf ein gesundes Mass zurückgedreht wird, spreche ich auch einem Trump Solidarität aus.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Am Kapitalismus "rumschrauben" ist eine delikate Angelegenheit. Die Gefahr, dass daraus eine Planwirtschaft resultiert ist gross.
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  • Kommentar von Heinz Biedermann (Heinz)
    Es gab mal eine Zeit da waren die Grünen und Roten gegen die Globalisierung. Bei einem Trump der nun gegen die Globalisierung kämpft und Protektionismus betreibt, sind die Grünen und Roten plötzlich entsetzt. Ja die liebe Welt ist absurd.
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Grün und Rot wird alles unterstützen, was gegen Trump ist. Die kommen mir vor wie eine Herde Schafe: jeder rennt in die gleiche Richtung und schreit im gleichen "Tonlaut". Man sollte es einmal darauf ankommen lassen, dass Trump sagt, er wolle mit niemandem Streit, weder mit Nordkorea noch mit Syrien, er wolle sich zurückziehen. Ich bin überzeugt, dass Rot und Grün dann Trump als Versager einstufen würden und genau diese Rot und Grünen mehr Einsatz von Trump verlangen würden.
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