Zementverkäufe: Lafarge hängt Holcim ab

Die beiden Zementkonzerne Holcim und Lafarge haben im ersten Halbjahr unterschiedlich abgeschnitten. Während Holcim einen Rückgang beim Umsatz verbuchte, konnte Lafarge den Absatz leicht steigern.

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Lafarge hängt Holcim ab

0:48 min, vom 29.7.2015

Zum letzten Mal legen die beiden fusionierten Konzerne Holcim und Lafarge getrennt voneinander ihre Zahlen vor. Bereits ab dem laufenden dritten Quartal erfolgt die Publikation als Gesamtkonzern. Die Halbsjahresergebnisse beider Konzerne sind durchzogen:

  • Der Schweizer Holcim-Konzern spürt die weltweit geringere Nachfrage nach Zement. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 3 Prozent auf 8,6 Milliarden Franken. Der Gewinn stieg dagegen um 5 Prozent auf 690 Millionen. Die Zunahme ist allerdings dem Verkauf einer Minderheits-Beteiligung zu verdanken. Operativ stand der Zementkonzern im Gegenwind. Die Zementvolumen waren in allen Regionen mit Ausnahme von Nordamerika und Lateinamerika rückläufig. Für das zweite Halbjahr erwartet Holcim ein besseres Marktumfeld, wie SRF-Korrespondentin Brabara Widmer sagt: «Wichtige Kernmärkte wie USA, Indien und Mexiko sollten besser laufen und deshalb mehr Baustoffe benötigen.»
  • Beim französischen Lafarge-Konzern wuchs der Nettoumsatz um 5 Prozent auf 6,32 Milliarden Euro. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von 477 Millionen Euro nach einem Gewinn von 70 Millionen im Vorjahreszeitraum. Um einmalige Aufwendungen bereinigt weist Lafarge allerdings einen markant höheren Nettogewinn von 182 Millionen Euro aus (+57 Prozent). Operativ verbesserten sich die Franzosen im ersten Halbjahr: Der Betriebsgewinn stieg um 8 Prozent 813 Millionen Euro.

Der neue Zementriese LafargeHolcim stellt seinen Aktionären eine attraktive Dividendenpolitik in Aussicht, wie er mitteilt. Für das laufende Jahr sollen mindestens 1.30 Franken je Aktie ausgezahlt werden.

Milliarden einsparen auch mit Stellenabbau

Der aus dem Zusammenschluss der Schweizer Holcim und der französischen Lafarge entstandene Weltmarktführer für Baustoffe hat für das Jahresende neue Ziele in Aussicht gestellt: Noch bis Ende dieses Jahres will der neu formierte Konzern mindestens 100 Millionen Franken (94 Millionen Euro) einsparen.

Die Investitionsausgaben sollen um mindestens 200 Millionen Franken sinken und die Nettofinanzschulden sollen zum Jahresende unter 15 Milliarden Franken liegen. Innerhalb von drei Jahren sollen dann Einsparungen von 1,4 Milliarden Euro resultieren, auch über einen Stellenabbau.

Ein Grosskonzern in der Balance

Die Fusion der beiden Zementriesen Holcim aus der Schweiz und
Lafarge aus Frankreich soll als Zusammenschluss unter Gleichen und nicht als
Übernahme wahrgenommen werden. So sitzen sowohl im 14-köpfigen Verwaltungsrat
als auch in der Geschäftsleitung (10 Mitglieder) je gleich viele Vertreter
beider Unternehmen. Dem Verwaltungsrat steht ein Co-Präsidium aus dem
Holcim-Vertreter Wolfgang Reizle und dem früheren Larfage-Chef Bruno Lafont.
Die Geschäftsleitung ist in Zürich und in Paris tätigt.

Seinen Sitz hat der Konzern in der Schweiz. Dafür steht der
Firmennamen der Franzosen an erster Stelle im neuen Konzernauftritt LafargeHolcim.
Das Unternehmen beschäftigt 115‘000 Mitarbeiter und kann jährlich fast 390
Tonnen Zement produzieren. An der Schweizer Börse gehört es zu den zehn
wertvollsten Firmen: 41 Mrd. Franken beträgt der Börsenwert.