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Zigaretten-Multis rüsten auf Was ist dran am «Smart Smoke»?

Mit E-Zigaretten und anderen Verdampfern soll alles gesünder werden. Noch sind aber sehr viele Fragen unbeantwortet.

Legende: Audio Smart-Smoking - Banalisierung des Rauchens? abspielen. Laufzeit 4:36 Minuten.
4:36 min, aus Echo der Zeit vom 21.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der sinkende Tabakkonsum in westlichen Ländern, aber auch Steuern und Nichtraucher-Initiativen stellen die Tabakkonzerne vor neue Herausforderungen.
  • Immer mehr wird in die Forschung rund um das sogenannte «smart smoking» investiert, um auch künftig Milliardengewinne zu machen.
  • Mit E-Zigaretten und anderen Tabak-Verdampfern überzeugen die Hersteller weltweit mittlerweile jedes Jahr Millionen neuer Kunden.
  • Ob die neuen Produkte tatsächlich gesünder sind, ist heftig umstritten. Langzeitstudien fehlen.
  • Die Nummer drei der Tabak-Multis, Japan Tobacco International (JTI) mit Sitz in Genf, präsentierte am Freitag ihr neues Rezept.

Da nuckelt jemand an einem Kugelschreiber, könnte man denken. Doch es ist der neue Tabak-Verdampfer von Japan Tabacco International (JTI). Es ist nicht das erste dieser sogenannt «smarten» Tabakprodukte auf dem Markt, welche den Tabak nicht mehr verbrennen wie bei einer herkömmlichen Zigarette.

«Heat, not burn» heisst das in der Fachsprache der Industrie. Der Tabak solle die Kunden auch weiterhin glücklicher machen, aber mit weniger Schadstoffen, unterstreicht JTI-Forscher Ian Jones und betont: «Wir haben eine Reduktion von 99 Prozent der Schadstoffe im Vergleich zum Zigarettenrauch.»

Wir wissen nicht, was diese Produkte mittel- und langfristig bewirken, weil es diese Studien nicht gibt.
Autor: Macé SchuurmansLungenfacharzt, Universitätsspital Zürich

Fast 100 Prozent weniger Schadstoffe – ein schlagendes Verkaufsargument für den Tabak-Multi. Für Macé Schuurmans, Lungenfacharzt am Universitätsspitals Zürich, ist es zurzeit genau das: bloss ein Verkaufsargument. Die Aussage sei sehr vage und auch nicht sehr glaubwürdig, weil sehr pauschal. Was analysiert worden sei, wisse man nicht genau.

Weniger Schadstoffe richten laut Schuurmans auch nicht zwingend weniger gesundheitliche Schäden an. Womöglich reiche über viele Jahre hinweg bereits eine geringe Menge, um gesundheitliche Schäden zu verursachen: «Wir wissen nicht, was diese Produkte im mittel- und langfristigen Zeitraum bewirken, weil es diese Studien nicht gibt.»

Eine Studie aus der Schweiz sorgte für Aufregung

Aufhorchen liess jüngst eine Studie von Schweizer Forschern der Universitäten Bern und Lausanne. Diese zeigte, dass der Dampf des Tabakverdampfer von Philipp Morris Schadstoffe enthält, die auch bei einer Verbrennung von Tabak entstehen wie bei einer herkömmlichen Zigarette.

Philipp Morris reagierte heftig auf die Studie, welche die Forscher im amerikanischen «Jamal Internal Medicine Magazin» publiziert hatten. Der Tabak-Multi warf den Autoren Fehler vor, wie der «Nouvelliste» schrieb. Der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Lausanne wies das vehement zurück und sprach von einem Angriff auf die akademische Freiheit. Aufgrund des Drucks von Philipp Morris entschieden die Forscher, gegenüber den Medien nichts mehr zu sagen.

Lungenfacharzt Schuurmans fühlt sich an die 1970er- und 1980er-Jahre erinnert. Damals hielt die Tabakindustrie Studien zurück, um zu vertuschen, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht: «Wir wissen auch, dass gewisse Forscher Unterstützung erhielten und das nicht deklariert haben.»

Wie systematisch der Druck der Industrie auf die Forschung ist, kann Schuurmans nicht beurteilen. Zumindest im Fall der Schweizer Forscher war Philipp Morris ziemlich aggressiv unterwegs.

Wir würden unsere Produkte auch gerne von anderen Instituten testen lassen.
Autor: Natasja SommerKommunikatinschefin, Japan Tobacco International

Bei Japan Tabacco International gibt man sich betont offen gegenüber unabhängigen Studien. «Wir würden unsere Produkte auch gerne von anderen Instituten testen lassen. Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Universitäten», sagt Kommunikationschefin Natasja Sommer.

Ob sich Forscher dem heiklen Gebiet annehmen, ist fraglich. Klar ist aber: Erst in ein paar Jahrzehnten wird man wissen, ob bei den neuen Produkten die gesundheitlichen Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs seltener sind. Bis dahin arbeitet die Tabakindustrie wohl weiter daran, sich ein gesünderes Image zuzulegen – um das Rauchen zu banalisieren und um sich den Markt zu sichern.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Mit einem künstlichen Tabakstengel wird man gar nie erfahren, was das Rauchen eigentlich ausmacht. Rauchen ist nichts schlimmes, bloss sollte man mit 3 - 4 Zigaretten im Tag zufrieden sein können. Es ist zwar richtig, dass man in Restaurants nicht mehr rauchen darf, aber das ist nun definitiv genug. Wenn wir alle Engel sind und keine Zigaretten mehr rauchen dürfen, gibt es nur noch den Griff zu den "Drogen", Kiffen, Tabletten, Alkohol usw. Es gibt anscheinend Menschen, die das lieber hätten.
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  • Kommentar von Flurin Rupp (flurin)
    Die Tabakmultis haben sich sicher nicht immer ethisch korrekt verhalten, doch ist es auch fragwürdig, die Reaktion vom PMI als "ziemlich aggressiv" zu qualifizieren, ohne näher auf die Sachlage einzugehen. Dass die Forscher sich ggü den Medien nicht mehr äussern wollen, statt die Vorwürfe von PMI zu widerlegen, ist schon verblüffend und spricht nicht gerade für sie. Auch wenn der Konsum von Tabak nie unbedenklich sein wird, so ist die Reduktion der Menge an Schadstoffen sicher nicht falsch?
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Sehnsucht nach Mammae... oder warum nuckelt Mann/Frau???
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