«Zockermentalität ist schuld am Libor-Skandal»

Zinsmanipulationen können nur durch Insider aufgeklärt werden: Das glaubt zumindest der oberste britische Finanzaufseher. Dabei macht er auch ein Mentalitätsproblem in der Branche aus und trifft dabei einen gewagten Vergleich.

Die britische Finanzaufsicht FSA macht eine Zockermentalität unter Händlern für die jahrelange Manipulation von Interbanken-Zinssätzen wie dem Libor verantwortlich. Das Verhalten im Handelsraum habe sich von der realen Welt abgekapselt, sagte FSA-Chef Adair Turner vor einem Parlamentsausschuss in London.

Einige Händler hätten sich wie bei einem Computerspiel gefühlt und gedacht: «Warum soll ich nicht schummeln?» Ein früheres Aufdecken der Vorfälle sei unmöglich gewesen, so Turner. Es sei einfacher, Missbräuche beim Aktienhandel festzustellen als illegale Absprachen unter Händlern.

UBS musste bereits zahlen

Weder die FSA oder die US-Aufsicht CFTC noch andere Regulierer hätten die Möglichkeit gehabt, den Betrug zu erkennen. Auch eine intensivere Überwachung hätte nichts genützt. «Eine Polizeitruppe kann gar nicht gross genug sein, um alle diese Probleme aufzudecken», so Turner.

Hinweise von Insidern gehörten zu den wenigen Möglichkeiten, hinter solchen Machenschaften zu kommen. Bislang wurden die UBS und die beiden britischen Geldhäuser Barclays und Royal Bank of Scotland zu hohen Geldbussen verdonnert. Die niederländische Rabobank rechnet auch mit einer Strafe.

Was genau ist der Libor?

Der Libor (London Interbank Offered Rate) soll anzeigen, zu welchen Sätzen sich Banken untereinander Geld leihen. Er fusst auf kaum nachprüfbaren Angaben der Banken und ist Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen. Insgesamt sollen ihn mehr als ein Dutzend Grossbanken über Jahre manipuliert haben.