Zollfreilager und die Gefahr ihres Missbrauchs

Was ruht in den extra-territorialen Warenlagern der Schweiz? Das entzieht sich dem Wissen der Behörden grösstenteils. Die Zollfreilager könnten sich zu einem Reputationsrisiko für die Schweiz entwickeln. Der Fokus liegt auf dem Kunsthandel.

Lagerhalle

Bildlegende: Das Genfer Zollfreilager: 20 Fussballfelder Lagerfläche für Kunst und andere Wertgegenstände. RTS

Was in die Schweiz importiert wird, erfasst die Zollstatistik. Waren in Zollfreilagern sind jedoch ausgenommen. Sensible Güter wie Kunstwerke müssen zwar in einem Inventar aufgelistet werden, aber es gilt die Selbstdeklaration. Der Zoll macht nur Stichproben.

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Andrea Raschèr über das Missbrauchs-Potenzial von Zollfreilagern

0:47 min, vom 20.12.2013

Das sei problematisch, sagt Andrea Raschèr: «Ich erachte das Missbrauchs-Potenzial von Zollfreilagern gerade im Bereich von Fälschungen und Steuerhinterziehung als gross», sagt der Jurist. Er weiss, wovon er spricht: Andrea Raschèr baute Ende der 1990er-Jahre beim Bund die Fachstelle Kulturgütertransfer und die Anlaufstelle Raubkunst auf.

In der Schweiz gibt es 10 solcher Zollfreilager: in Bern, Embrach, St. Margrethen, Zürich, Chavorney, Genf (2), Martigny, Vevey und in Chiasso. Solange Waren dort bleiben, müssen für sie keine Abgaben wie Zoll oder Mehrwertsteuer bezahlt werden. Diese Regelung wurde ursprünglich eingeführt, um den Transithandel zu erleichtern.

Wie transparent sind die Warenlager?

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Yves Bouvier zur Dokumentation in Zollfreilagern (frz.)

0:32 min, vom 20.12.2013

Schweizer Firmen, die Lagerraum anbieten, wehren sich gegen Verdächtigungen. «Alles, was hier im Zollfreilager ankommt, erreicht uns mit einem Zolldokument», betont Yves Bouvier, der sich mit seiner Kunst-Spedition im Zollfreilager Genf eingemietet hat. «Zudem sind der Absender, der Empfänger, die Rechnung und der Wert der Ware bekannt.» Man überprüfe die Kunden und alle Waren seien inventarisiert.

Die Zollverwaltung sieht keine Veranlassung, mehr als bisher zu kontrollieren. Das sagt Andreas Matti von der Eidgenössischen Zollverwaltung: «Wenn man mehr kontrolliert, ist nicht immer klar, dass man auch mehr Zollvergehen feststellt.»

Aufgrund von Risiko-Analysen prüfe man gezielt – «und der Erfolg gibt uns Recht», so Andreas Matti. Wo genau die Zollverwaltung ihre Schwerpunkte setzt und Kontrollen durchführt, lässt sie offen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Zollfreilager: Geschäftsmodell mit Reputationsrisiko

    Aus ECO vom 23.12.2013

    Was in die Schweiz importiert wird, erfasst die Zollstatistik. Doch es gibt eine Ausnahme: Waren, die in Zollfreilager gehen, werden dort nicht dokumentiert. Diese Extra-Territorialität haben viele Zollfreilager zum Geschäftsmodell erhoben. Ein grosser Profiteur ist der Kunsthandel. Doch das könnte sich zu einem Reputationsrisiko für die Schweiz entwickeln. Denn Kritiker weisen auf das hohe Missbrauchspotenzial von Zollfreilagern für Geldwäsche und Steuerhinterziehung hin. «ECO» mit einem Hintergrund.

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