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Wirtschaft Zypern-Krise: Turbulenzen an den Finanzmärkten

Die Aktien fallen weltweit. Grund ist die geplante Zwangsabgabe auf Spareinlagen in Zypern, sofern das EU-Hilfspaket für das Land zustande kommt. Die Händler warnen vor den Folgen.

Legende: Video Turbulenzen an den Börsen abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.03.2013.

Der Schock über die geplante Zwangsabgabe auf zyprische Bankeinlagen hat die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Kurzzeitig brach der Euro massiv ein. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung sackte zeitweise bis auf 1,2880 Dollar ab und damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten – später konnte er sich auf gut 1,29 Dollar erholen.

Sorgen um eine Rückkehr der Eurokrise belasteten auch die Wall Street. Der Dow Jones Industrial fiel um 0,43 Prozent auf 14'452 Punkte, nachdem er am Freitag eine zehntägige Gewinnserie mit Rekordhochs beendet hatte.

In Europa sackten davor der Dax und EuroStoxx50 in der Spitze um jeweils etwa zwei Prozent ab. Die Leitindizes der Schuldenstaaten Spanien und Italien rutschten gar um mehr als zwei Prozent ab. Zuvor hatten schon die Börsen in Tokio und Shanghai 2,7 beziehungsweise 1,7 Prozent nachgegeben.

Grund ist das Hilfspaket der EU für Zypern. Es sieht vor, dass sich Sparer über eine nach Vermögen gestaffelte Zwangsabgabe an den Kosten für die Rettung des Landes beteiligen.

Vertrauensverlust befürchtet

Die Händler befürchten einen massiven Vertrauensverlust der Bankkunden. Es könnte zu einem Kapitalabfluss aus anderen europäischen Problemländern kommen, sagen sie. «Das ist eine recht gefährliche Lösung und birgt Ansteckungsgefahren», sagte ein Analyst bei Nomura Securities. Eine Zwangsabgabe auf Einlagen war bislang undenkbar, sagte er.

«Anleger in Europa zweifeln an der Aussage von Brüssel, dass Zypern ein Sonderfall ist und dass unterschiedslose Abgaben nicht zu einem Standard-Werkzeug der Politik werden», sagte ein Aktienhändler vom Brokerhaus Capital Spreads. «Die Anleger befürchten, dass ein Präzedenz-Fall für andere schuldengeplagte Euro-Staaten geschaffen wird.»

Banken unter Druck

Bei den Unternehmen standen vor allem die Finanzwerte unter Druck. Der Branchenindex für die Banken der Euro-Zone rutschte um 3,4 Prozent ab. In der Schweiz büsste die CS  um 2,4 Prozent ein und die UBS-Papiere fielen um 2 Prozent. Die Bank Julius Bär verzeichnete ein Minus von 1,6 Prozent.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von J. Pfister, 37001 Salamanca / Castilla y León / Spanien
    Die Bürger und Sparer hier in Spanien sind sehr beunruhigt. Die Zeitungen sind voll mit Kommentaren und Reportagen über Zypern. Die Stimmung ist miserabel und die Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu. "La Crisis" hat hier jetzt eigentlich erst begonnen.Bald ist hier die Semana Santa. Von Feierlichleit ist wenig zu spüren. Keiner liebt die EU und seine Diktatoren, die den Bürger entmündigen und ihn in seiner Ehre und Stolz erheblich verletzten.
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  • Kommentar von R. Honegger, Zürich
    Es zeigt sich immer mehr was die EU eigentlich wirklich will. Mehr Macht und mehr Steuereinnahmen. Wie damals Ludwig IVX oder Napoleon. Die Politiker müssen endlich mal aufwachen!
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  • Kommentar von Heinrich Gretler, Udon
    Ein Schuss in den Ofen, den sich Brüssel da leistet. Trotz der jetzt allerorts folgenden Beschwichtigungsversuche wird dieser Betrug am zyprischen Volk auf seine geistigen Väter zurückfallen. Gleichzeitig verwerfen Schulz und Co. das gestraffte Budget und sind mit 217 Mia. Euronen Schulden faktisch pleite. Insolvente Vereine gehen rechtmässig in Konkurs. Wann ist es in Brüssel endlich so weit?
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Herr Gretler aus Udon-Thani, die ganze EU ist doch langsam aber sicher nur ein "Schuss in den Ofen", oder einfach nur ein Vorrohrkrepierer. (smile)
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    2. Antwort von Lys Assia, Buriram
      Hallo Heiri! Im Rechnen bist du wohl nicht so stark. Und vielleicht auch sonst nicht. 217 Mia € Schulden sind $ 282 Mio. Die EU hat etwas mehr als 500 Mio. Einwohner. Die USA haben etwas mehr als 300 Mio Einwohner und $ 16 Billionen, das sind 16'000 Mia. Die USA haben also pro Einwohner knapp 100 mal mehr Schulden als die EU. Wann hast Du gelesen, dass die USA pleite seien? Die Schweiz hat Staatsschulden von pro Einwohner CHF 26'230.-- oder € 21'000, die EU € 564. Wer ist da pleite?
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