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100 Jahre Suva Wie der Anstieg der Freizeitunfälle die Suva verändert

Vor 100 Jahren startete die Suva ihren Betrieb ruhig und hatte mit viel Gegenwind zu kämpfen. Auch heute steht die Unfallversicherung vor grossen Herausforderungen. Versicherte verletzten sich zu oft in der Freizeit – und dies trotz Kampagnen und Aufklärungsarbeit. Ein Blick in die Vergangenheit.

Kampagnen-Video zum Fussball-Test

Fast 270'000 Suva-Versicherte verunfallten 2017 in der Freizeit. Das sind 60 Prozent Unfälle in der Freizeit. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme von zwei Prozent. Am meisten Freizeitunfälle passierten letztes Jahr beim Wandern oder Spazieren. Dies stimmt die Schweizerische Unfallversicherung nachdenklich. «Diese hohe Zahl bereitet uns grosse Sorgen», sagt Felix Weber, Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung. Denn jeder Unfall verursacht einerseits viel Leid aber auch hohe Kosten.

Auch der Fussball stand in einer früheren Kampagne im Fokus. Denn jährlich verletzen sich rund 45'000 Menschen auf Schweizer Fussballplätzen und verursachen Kosten von 170 Millionen Schweizer Franken. Das Kampagnenvideo sehen Sie oben. Andere Kampagnen legten den Fokus auf die Sicherheit auf Leitern – legendär der Baustellenkalender aus dem Jahr 1988, der damals für grosse Aufregung sorgte.

Suva-Archiv
Legende: Aus dem Archiv Die Kampagne mit dem Baustellenkalender aus dem Jahr 1988 sorgte für Aufregung. Suva

Menschliches Verhalten beeinflussen

Um die Zahl der Unfälle in der Freizeit zu reduzieren, will die Suva den Menschen als weiteren Faktor für Unfälle besser beachten – und unser Verhalten beeinflussen. Eine Möglichkeit dazu, findet sie in der Umwelt- und Gesundheitsbranche. Die Lösung heisst «Nudging». «To nugde» heisst übersetzt sanft schubsen. Mit einfachen Tricks oder eben Nugdes will die Suva es möglich machen, dass sich unser Verhalten so verändert, dass wir Menschen zum Beispiel den Helm auf dem Fahrrad immer tragen und uns freiwillig sicherer verhalten. «Mit einfachem Anstubsen wollen wir das Verhalten der Menschen so steuern, dass sie sich in der Freizeit automatisch schützen», sagt Felix Weber, Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung. Für dieses Vorhaben habe man nun zusätzliche Ressourcen gesprochen und auch Verhaltenspsychologen angestellt.

Rauher Wind und Spanische Grippe

Als die Suva vor 100 Jahren gegründet wurde, waren Arbeitsunfälle ihr Kerngeschäft: 88 Prozent aller Suva-Versicherten hatten sich anfangs bei der Arbeit verletzt.

Plakat aus dem Suva-Archiv.
Legende: Suva-Plakat aus 1932 «Es ist den Arbeiterinnen strenge untersagt, die Haare offen oder in herabhängenden Zöpfen zu tragen». Suva-Archiv

Der Start der Versicherung war schwierig. Der erste Weltkrieg und die Spanische Grippe beschäftigten zu viele Menschen. Zudem blies der Unfallversicherung ein rauer Wind entgegen, man traute der Versicherung noch nicht so recht. Erst in den 1930er-Jahren gewann die Suva zunehmend an Akzeptanz und man realisierte, dass sie eigentlich ein gutes Stück Schweiz ist. Eine Schweiz, in der sich die verschiedensten Sozialpartner an einen Tisch setzen und erst dann wieder aufstehen, wenn man zusammen eine Lösung gefunden hat. Im Verwaltungsrat der Suva sitzen heute noch Arbeitgebervertreter und Arbeitnehmervertreter auf der ständigen Suche nach einem Konsens.