Als der Lebensmittel-Laden noch Räder hatte

Jahrzehntelang rollten die Migros-Verkaufswagen durch die Schweiz und lockten Frauen und Kinder aus dem Haus an die Haltestellen. Heute sind sie von der Bildfläche verschwunden. Eine Zeitreise in Bildern.

Kaffee, Zucker, Reis, Kokosfett und Seife. Viel mehr hatten die ersten fahrenden Läden der Migros im Jahr 1925 nicht geladen. Am 25. August 1925 fuhren die ersten fünf Verkaufslastwagen in Zürich los. Ihr Ziel: Haltestellen in verschiedenen Dörfern.
Die fahrenden Läden trafen den Zeitgeist: Die Hausfrauen strömten auf die Strasse und füllten ihre Einkaufstüten mit Waren. Denn günstiger als in den Verkaufslastwägen der Migros bekam man die Lebensmittel damals nirgends.

Boom in den 1960er-Jahren

«Keine Ladenhüter wegen Beschränkung auf wenige kurante Typen. Volle Ausnutzung der effektiven Verkaufszeit durch kurze Halte.» Dies sind zwei der 20 Vorteile, mit denen Gottlieb Duttweiler im Januar 1926 für sein «Verkaufswagensystem im Lebensmittelhandel» wirbt.

Mit den Jahren verändern sich die Fahrzeug-Typen (siehe Bildergalerie). Jahrzehntelang gehören die fahrenden Läden zum Dorfbild in Schweizer Regionen. 1960 fahren 144 rollende Läden durch die Schweiz. Dann verschwinden sie langsam. Im Jahr 2001 waren nur noch zwei Wägen in ländlichen Walliser Regionen unterwegs. Im Jahr 2007 wurde die veraltete Dienstleistung schliesslich ganz abgeschafft.

12-Stunden-Tage im Verkaufswagen

Einer, der sich noch gut an die alten Verkaufswagen erinnert, ist Oskar Albert. Der heute 78-Jährige war in den 1950er-Jahren als Chauffeur und Verkäufer mit Migros-Verkaufswagen in der Romandie unterwegs. «Wir waren immer sehr willkommen, die Leute im Vallée de Joux schätzten es, dass wir ihnen die Waren direkt vor die Haustüre brachten», erzählt er (siehe Audio).

Aus Dankbarkeit – und weil sie Oskar Albert bald einmal persönlich kannten – brachten die Kundinnen ihm jeweils heissen Tee und Kaffee mit. Das vereinfachte ihm im Winter die Verkaufsarbeit an der frischen Luft. Die Arbeit als Verkaufswagenfahrer war anstrengend, die Tage zählten stets 12 oder mehr Stunden. Oskar Albert genoss aber die Freiheit, ganz allein für sich und seinen Wagen verantwortlich zu sein. Ebenso habe ihm der enge Kontakt mit den Kunden und Kundinnen gefallen. Manche Bekanntschaften waren so intensiv, dass sie bis heute noch Bestand haben.

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