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Radio SRF 1 Arbeitszeiterfassung: Die Kuh ist noch nicht vom Eis

Nach jahrelangem Streit um die Erfassungspflicht der Arbeitszeit haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen in einem Kompromiss gefunden. Im «Forum» demonstrieren sie Einigkeit. Verhalten zuversichtlich zeigen sie sich allerdings, wenn es um die Umsetzung geht.

Legende: Audio «Forum»: Die ganze Sendung hören abspielen. Laufzeit 55:18 Minuten.
55:18 min, aus Forum vom 26.02.2015.

Wer 120 000 Franken oder mehr verdient, selbständig über seine Arbeitszeit verfügen kann und einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt ist, muss in Zukunft die Arbeitszeit nicht mehr erfassen. Darauf haben sich die Sozialpartner geeinigt.

Bereits jetzt wird die Arbeitszeit von jedem sechsten Arbeitnehmenden nicht erfasst, obschon das Gesetz dies in den meisten Fällen verlangt. Eine solch strikte Regelung sei nicht mehr zeitgemäss, argumentieren die Arbeitgeber und begrüssen die Lockerung.

Im Wandel der Zeit

In den vergangenen Jahren habe sich die Diskrepanz zwischen der Pflicht zur detaillierten Arbeitszeiterfassung und der Realität des Arbeitsalltags vergrössert. Immer mehr Mitarbeitende arbeiteten zeitlich und örtlich flexibel, begründet der Direktor vom Schweizerischen Arbeitgeberverband, Roland Müller den Wunsch nach einer Lockerung.

SRF 1-Hörerinnen und Hörer sind skeptisch

Einer solchen Lockerung der Arbeitszeiterfassung sehen nicht alle gelassen entgegen. In den Online-Kommentaren äussern viele ihre Zweifel.

Freie Arbeitszeiteinteilung ist sicher ein grosser Vorteil – die Erfassung der geleisteten Stunden sollte deswegen nicht abgeschafft werden. Es gibt heute einfache und gute Mittel dazu.
Autor: A. Frich, Balzers (FL)

Kompromiss mit Hintergrund

Im Parlament wurde eine Motion eingereicht, welche die Abschaffung der Arbeitszeiterfassung in ganzen Branchen verlangte. Um Schlimmeres zu verhindern, habe man nach jahrelangem Streit mit der Arbeitgeberseite dem Kompromiss zugestimmt, sagt UNIA-Co-Präsidentin Vania Alleva. Trotzdem sieht sie darin auch eine Chance. Was bleibt, ist der Respekt vor den kommenden Verhandlungen mit den Unternehmen. Diese dürften nicht einfach werden.

Gesamtarbeitsverträge fallen nicht vom Himmel.
Autor: Vania Alleva

Sollte der Kompromiss bei der Umsetzung scheitern, ist davon auszugehen, dass der beigelegte Streit zwischen den Sozialpartnern wieder neu entfacht.

22 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Gehrig, Schafisheim
    Ich arbeite für ein Gastronomieunternehmen und stelle fest, dass die Zeiterfassung auch zum Schutze des Arbeitgebers von Vorteil ist. Deshalb bin ich der Meinung, dass für beide Seiten die Zeiterfassung notwendig und gut ist. Es bestehen keine Unklarheiten für erbrachte Leistungen.
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  • Kommentar von Rolf Zwicky, Bottighofen
    Ich bin seit 25 Jahren im Bereich Zeiterfassung tätig. Bei aller Diskussion wird vergessen, dass die verschiedenen Branchen unterschiedliche Anforderungen benötigen. Ein kreativer Beruf benötigt mehr Flexibilität als ein Produktions-/Industrie-Betrieb mit festen Abläufen. Ganzheitlich ist die Arbeitszeit nach den Kundenbedürfnissen zu richten - nur so kann ein Betrieb überleben - dazu braucht es Zeiterfassung. Heute werden vermehrt auch z.B. Rauchpausen ausgestempelt - das ist gerecht!
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    1. Antwort von Luisa Maione, Wil
      Ich bin in einem Dienstleistungsbetrieb tätig und betreffend Arbeitszeit nach Kundenbedürfnissen gebe ich Ihnen völlig Recht. Wenn ein Kunde bedient werden muss, auch nach Arbeitsschluss, ist das eine Serviceleistung am Kunden. Diese Leistung kommt meinem Betrieb zugute, soll aber auch meinem Arbeitszeitkonto gut geschrieben werden!
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  • Kommentar von Hans Christen, Bern
    Der Begriff "Vertrauensarbeitszeit" wurde von Leuten erfunden, die andere reinlegen wollen. Sei es der AG den AN oder der AN den AG. Ich kenn viele AN, die nicht in der Lage wären, seriös mit einer VAZ umzugehen
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