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2010: Yolanda Be Cool & DCup – We No Speak Americano
Aus Audio SRF 1 vom 09.08.2019.
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Da kommen Erinnerungen auf Beliebte Sommerhits und ihre Geschichte

Wir alle kannten sie. Wir tanzten zu ihnen. Wir sangen sie. Wir liebten sie. Wir hassten sie. Die Sommerhits der vergangenen Jahre liessen niemanden kalt. Aber wer kannte ihre Entstehungsgeschichte?

2010: Yolanda Be Cool & DCup – We No Speak Americano

Schon Sophia Loren hat das Lied «Tu Vuo Fa L'Americano» gesungen, das der napoletanische Sänger Renato Carosone 1956 komponiert hat. Interpretiert wurde es in den folgenden Jahren oft, aber nie so erfolgreich wie von Yolanda Be Cool & DCup unter dem Titel «We No Speak Americano». Hinter der Band, die in der Zwischenzeit wieder in Vergessenheit geraten ist, steckten drei Australier, die den Klassiker zeitgemäss interpretierten. Gelungen oder nicht? Urteilen Sie selbst.

1965: Beach Boys – Barbara Ann

Der Song «Barbara Ann» stammt nicht von den Beach Boys. Sie sangen ihn 1965 in einem Studio spontan ein. Warum, bleibt ihr Geheimnis. Offensichtlich ist jedoch, wieviel Spass ihnen die Aufnahme bereitete, was vor allem auf der ungekürzten Version zu hören ist.

1983: Righeira – Vamos A La Playa

Er klingt wie ein ganz normaler, leichtfüssiger Sommerhit, der Song «Vamos A La Playa» von den Italienern Stefano Rota und Stefano Righi. Im Song geht es allerdings um die Explosion einer Atombombe. Wenn man das weiss, hört man ihn mit anderen Ohren.

1987: Sabrina – Boys

Bei diesem Hit sprach kaum jemand über die Musik. Sondern über das Video, das eine junge italienische Frau im weissen Bikini in einem Swimming-Pool zeigt. Der Auftritt der 19-jährigen Sabrina Salerno, Showgirl am TV und Miss Liguria, war vielen Gemütern zu explizit – unter anderem den Damen und Herren der BBC, welche das Video boykottierten. Trotzdem, vielleicht gerade deswegen, wurde es zum Hit.

1989: Kaoma – Lambada

Der Sommerhit «Lambada» von Kaoma verbreitete bei Millionen Hörern und Hörerinnen gute Laune. Nicht jedoch bei den Produzenten und Komponisten. Er löste einen Rechtsstreit aus zwischen den brasilianischen Brüdern Hermoasa, die das Lied komponiert hatten, und der französischen Band Kaoma, die ihn ungefragt noch einmal veröffentlicht hatte.

1990: Edoardo Bennato/Gianna Nannini – Un' Estate Italiana

An Edoarda Bennato und Gianna Nannini lag es sicher nicht, dass Italien an der Fussball-WM 1990 im Halbfinal ausschied. Mit so viel Pathos gaben die beiden das Lied «Un' Estate Italiana» zum Besten, welches zur Hymne für den Sommer 1990 wurde. Dabei wollte gerade Gianna Nannini das Lied zuerst gar nicht singen. «Zu kommerziell» und nicht «ihr Stil», lautete ihr Urteil. Sie änderte ihre Meinung noch. Zum Glück.

1991: Kate Yanai – Summer Dreaming

Kate Markowitz ist eine amerikanische Sängerin, deren Stimme man in Produktionen von Randy Newman, Billy Joel oder K.D. Lang hört. 1991 lieh sie ihre Stimme einer Getränkefirma für einen 60-sekündigen Werbespot. Dieser kam beim Publikum so gut an, dass er zu einem kompletten Song erweitert wurde. Unter dem Titel «Summer Dreaming» und dem Namen Kata Yanai wurde dieser 1991 und zum Sommerhit.

1994: Joe Cocker – Summer in the city

Bis heute gibt es über vierzig Coverversionen von «Summer in The City». Joe Cocker war bei weitem nicht der erste Musiker, der das Lied interpretierte, aber der erfolgreichste. Einem bisschen Reggae, Bläsern und seiner unverwechselbaren, kratzigen Stimme sei Dank.

1995: Scatman John – Scatman

Als «Scatten» bezeichnet man eine Art Stimmimprovisation mit Vokabeln, die keinen Sinn ergeben. Der amerikanische Jazzpianist John Paul Larkin beherrschte das Scatten perfekt. Als ihm der Besitzer einer Plattenfirma vorschlug, eine moderne Dance-Pop-Single mit Scat-Elementen herauszugeben, schlug er ein. Und landete mit 53 Jahren einen Welthit.

1996: Los del Rio – Macarena

Den Sommerhit 1996 haben wir der Flamenco-Tänzerin Diana Patricia Cubillán Herrera zu verdanken. Sie beeindruckte an einer Party in Venezuela zwei spanische Musiker so sehr, dass diese ihr ein spontanes Ständchen widmeten. Das Lied wurde aufgenommen und zum Hit – allerdings nur in Andalusien. Erst ein paar Jahre später machten zwei amerikanische Produzenten einen Remix daraus. Zum Song gab es ein Video, zu dem eine Tanzschule extra einen Tanz entwickelt hatte. Weltweit tanzte 1996 fast jeder: «Macarena».

1999: Lou Bega – Mambo No. 5

Als «Mambo No. 5» 1999 veröffentlicht wurde, war der Song schon 50 Jahre alt. Der Musikverlag Peermusic hatte die Aufnahme vom «King of Mambo» Pérez Prado aus dem Jahr 1949 im Archiv ausgegraben. Für die Neuauflage holten die Produzenten einen jungen Künstler namens David Lubega dazu. Dessen ugandischer Nachname wurde in Lou Bega umfunktioniert, «Mamo No. 5» zeitgmäss aufgepeppt und der Peermusic um einen Hit reicher.

2002: Las Ketchup, The Ketchup Song (Aserejé)

Juan Muñoz, schon mal gehört? Er ist ein Flamenco-Gitarrist und Vater musikalischer Töchter. Drei von ihnen gründeten eine Girlband und landeten mit dem Song «The Ketchup Song (Aserejé)» den Sommerhit 2002 . Sowohl beim Namen ihrer Band als auch beim Namen der Single liessen sie sich von ihrem Vater inspirieren. Dessen Künstlername lautete «die Tomate».

2003: Signorino TJ – E così com'è

«Die Schweizer Antwort auf Eros Ramazzotti», titelte im Sommer 2003 die Zeitung Blick. Signorino TJ klingt auch schön italienisch, doch hinter den Initialen «TJ» vergbirgt sich der Berner Tobias Jundt, der keine fünf Sätze italienisch spricht. «E così com'è» sei ein Witz gewesen, sagt der Musiker, der heute mit der Band Bonaparte Musik macht. Allerdings ein sehr erfolgreicher.

2003: DJ Bobo – Chihuahua

Seinen wohl grössten Hit verdankt DJ Bobo der Firma Coca Cola, die einen Song für einen Werbespot suchte. Dabei stellte sie zwei Bedingungen: Ein Mambo musste es sein, und das Wort «Chihuahua» musste darin vorkommen. DJ Bobo lieferte diesen Song auf Basis einer Melodie des brasilianischen Musikers Aloysio «Louis» Oliveira aus dem Jahr 1955 . Während DJ Bobo mit «Chihuahua» einen Welthit feierte, konnte Oliveira weder am Ruhm noch am Geld seiner Melodie teilhaben. Er starb 1995.

2005: Juanes – La Camisa Negra

Im Sommer 2006 brachte der kolumianische Sänger Juanes uns Ferien-Feeling von Südamerika in die gute Stuben. So richtig durch die Decke ging sein Song «La Camisa Negra» in Italien, jedoch nicht nur in positiver Hinsicht. Das «schwarze Hemd», das Juanes im Titel besingt, war nämlich Teil der Uniform von italienischen Faschisten zu Zeiten von Benito Mussolini. Juanes beschwichtigte: Das Lied sei nichts als ein Liebeslied, was all jene, die den Text einmal gelesen und verstanden haben, fraglos bestätigen können.

2006: Sergio Mendez – Mas Que Nada

«Mas Que Nada» heisst übersetzt soviel wie «Ach, was soll's» oder «Keine Widerrede». Das Lied wurde 1963 vom brasilianischen Musiker Jorge Ben Jor komponiert und sah schon diverse Coverversionen. Unter anderem eine von Sergio Mendes aus dem Jahr 1966. 2006 machte sich der gleiche Sergio Mendes, der fälschlicherweise häufig für den Urheber gehalten wird, erneut an den Song. Dieses Mal mit den jungen Hip Hoppern The Black Eyed Peas. Das Resultat: der Sommerhit 2006.

2008: Kid Rock – All Summer Long

Vor elf Jahren stand der amerikanische Rockmusiker Robert James Ritchie alias Kid Rock mit dem Titel «All Summer Long» sieben Wochen lang auf Platz 1 der Schweizer Hitparade. Komponiert wurde das Lied jedoch ganz und gar nicht von Kid Rock selber. Es basiert auf einem «Mash Up» der Songs «Werewolfes of London» von Warren Zevon (1978) und «Sweet Home Alabama» von Lynard Skynard (1974), zu dem Kid Rock eine neue Melodie und einen eigenen Text erfand.

2012: Michel Télo – Ai Se Eu Te Pego

2006 arbeitet eine Frau namens Sharon in der brasilianischen Hafenstadt Porto Seguro als Unterhalterin und improvisiert in einer Show den Refrain eines Liedes, das auf Deutsch übersetzt heisst: «Wenn ich dich kriege!». Aus dem Refrain wird ein Song, ais dem Song ein Hit in Brasilien, als Sänger Michel Télo ihn hört und aufnimmt. Rund um den Globus verbreiten sich der Song und der dazugehörige Tanz jedoch erst, als ein Fussballer gefilmt wird, als er in der Garderobe dazu tanzt. Der Name des Spielers: Neymar.