Der Abt und die Gefängnisdirektorin

Als Oberhaupt der 28-köpfigen Mönchsgemeinschaft in Disentis lebt Abt Vigeli im Benediktinerkloster. Eine Woche hat auch Marlise Pfander einmal zur Erholung in einem Kloster verbracht. Die ehemalige Berner Gefängnisdirektorin und Abt Vigeli sind die «Persönlich»-Gäste von Anita Richner in Bern.

Abt Vigeli

Porträt Abt Vigeli.

Bildlegende: Abt Vigeli. zvg

In der Kirche ist es bitterkalt. Es ist 5.30 Uhr, die Mönche des Benediktinerklosters treffen sich zum ersten Gebet. Vigil et Laudes, 45 Minuten Gesang, dazwischen eine kurze Lesung. Der neue Tag mit seinen Aufgaben beginnt. Bei der Besichtigung der imposanten Kirche, zeigt Abt Vigeli die kleinen Elektroöfen, die unter den Sitzen der Mönche montiert sind.

Seit bald drei Jahren ist Abt Vigeli das Oberhaupt der 28-köpfigen Mönchsgemeinschaft in Disentis. Mehrmals täglich wird gemeinsam gebetet oder die Heilige Messe gefeiert, in der übrigen Zeit gehen die Mönche anderen Tätigkeiten nach. Abt Vigeli zum Beispiel unterrichtet am Gymnasium Latein und Religion.

Dass er Priester werden wollte, wusste Abt Vigeli schon sehr früh. Aufgewachsen ist er als Dietrich Monn in Sedrun. Seine Mutter begründete den besonderen Vornamen damit, dass es so bei der Post ganz sicher keine Namensverwechslung gebe. Doch als Mönch fiel die Wahl des jungen Mannes auf «Vigeli». Es ist der Name seines Vaters.

Marlise Pfander

Marlise Pfander.

Bildlegende: Porträt Marlise Pfander. zvg

Marlise Pfander war auch einmal eine Woche im Kloster, zur Erholung bei den Kapuzinermönchen. Als Besucherin nahm sie am Klosterleben teil, und es wurde ihr auch ein Ämtli zugeteilt: Marlise Pfander musste den Speisesaal in Ordnung halten, sie räumte das Geschirr ab und wischte die Tische sauber. Ganz besonders blieb ihr der «Wüstentag» in Erinnerung: Die Besucher des Klosters machten sich allein zu Fuss auf den Weg und durften mit niemandem sprechen.

Marlise Pfander ist jemand, der gerne Kontakt hat und mit den Leuten redet. Sitzt man mit ihr in ihrem Stammcafé in der Berner Altstadt, wird sie alle paar Minuten von einer Bekannten gegrüsst oder in ein Gespräch verwickelt. Seit einem Jahr ist die ehemalige Direktorin des Regionalgefängnisses Bern pensioniert. Ihre Tätigkeit hat sie bekannt gemacht und seit darüber auch noch ein Buch herausgekommen ist, kennt man sie erst recht.

Zuerst traute man der zupackenden Frau den Job als Gefängnisdirektorin nicht zu. «Die ist bald wieder weg», hiess es. Aber Marlise Pfander verschaffte sich mit ihrer pragmatischen Art bald Respekt. Viele Häftlinge empfanden ihren Führungsstil als streng, aber gerecht.

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