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Radio SRF 1 Die Diskussion im «Forum»: Müssen Grosseltern ihre Enkel hüten?

In der Schweiz sind Grosseltern 79 Millionen Stunden pro Jahr als Betreuer ihrer Enkel im Einsatz. Ist das Pflicht oder haben Grosseltern ein Recht auf Freiheit? Ihre Meinung ist gefragt.

Die Grosseltern von heute stehen mitten im Leben und sind aktiv. Sie gehen auf Reisen, lernen neue Sprachen und engagieren sich in der Gesellschaft. Nicht selten betreuen sie ihre betagten Eltern. Das Bild der Grossmutter, die auf dem Ofenbänkli sitzt und strickt, ist überholt.

79 Millionen Stunden pro Jahr für Enkel im Einsatz

Gleichwohl engagieren sich viele Grosseltern in der Betreuung der Grosskinder. 79 Millionen Stunden pro Jahr sind Grosseltern in der Schweiz als Betreuer ihrer Enkel im Einsatz. Sie ermöglichen den eigenen Kindern, ihre berufliche Karriere weiterzuverfolgen. Das kann zu Spannungen und Überlastungen führen.

Müssen Grosseltern Enkel hüten?

Welche Rolle haben Grosseltern heute zu spielen? Befinden sie sich in einem Spannungsfeld zwischen Erwartungshaltungen der Kinder und persönlicher Freiheit? Darüber wurde im «Forum» diskutiert.

Ich bin für regelmässiges Kinderhüten nicht zu haben.
Autor: Ruth FriesGrossmutter und Gründungsmitglied GrossmütterRevolution

Ruth Fries ist seit neun Jahren Grossmutter und hat ihrer Tochter immer klar signalisiert, dass sie nicht ständig zur Verfügung stehen würde. Schliesslich habe man als Frau nur eine einzige Lebensphase, in der man selber entscheiden könne, was man wolle. Und das sei jetzt.

Ruth Fries schätzt das selbstbestimmte Leben, ihre «Närrinnenfreiheit», wie sie sagt: «Ich geniesse es, dass ich frei sein kann». Ihre Enkel hüte sie gerne, aber nur, wenn sie Zeit und Lust dazu habe.

Man muss aktiv etwas tun, wenn man eine Beziehung aufbauen will.
Autor: Maria KilchhoferGrossmutter

Maria Kilchhofer aus St. Gallen fährt regelmässig nach Bern und hütet die Kinder ihrer beiden Söhne. «Wir haben das unseren Kindern angeboten», sagt sie. So ermöglicht sie den Schwiegertöchtern den Verbleib im Berufsleben. Maria Kilchhofer geniesst es, das Aufwachsen ihrer Enkel aus der Nähe verfolgen zu können: «Für mich ist es das Grösste, mit den Kindern rauszugehen und den Lauf der Jahreszeiten zu erleben.» Zu Hause auf dem Sofa warten, bis die Enkel anrufen – das reicht ihr nicht.

Die Leute merken, dass sie durch den Kontakt mit den Enkelkindern mehr gewinnen als geben.
Autor: François HöpflingerGrossvater und Generationenforscher

Der Generationenforscher François Höpflinger sieht weniger die moralische Verpflichtung als Beweggrund für die Einsatzbereitschaft der älteren Generation: «Immer mehr moderne Grosseltern machen das aus eigener Motivation und eigenem Interesse.» Er hütet gemeinsam mit seiner Frau selbst regelmässig die Enkelkinder.

Diskutieren Sie mit!

Ist es die Pflicht der Grosseltern, ihre Enkel zu hüten, oder haben Sie ein Recht auf Freiheit? Schreiben Sie hier ihre Meinung.

44 Kommentare

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  • Kommentar von Edith G., Reiden
    Mir würden Murmeltiere gefallen
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  • Kommentar von Margaretha Müller, Zürich
    Ich bin die erste, welche meine Enkel hüten würde, wenn die Arbeit aus finanziellen Gründen nötig wäre. Nur, damit meine Schwiegertöchter sich selbst verwirklichen können, die Kinder den Grosseltern abschieben oder in die Krippe zu geben, dafür gebe ich meine karge Freizeit nicht her. Modern ist auch, den Grosseltern das Hüten als eine Gnade oder einen besonderen Vertrauensbeweis darzustellen. Ganz speziell ist auch, zu fordern, dass die Hüteunkosten dem Steuerzahler auferlegt werden müssten.
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  • Kommentar von Celina Fuchs, Buchs
    Meine eigenen Eltern haben bis 62 beide 100% gearbeitet. Enkel hüten kam da gar nicht in Frage. Ausserdem lebte der jüngste Sohn bis nach dem Studium bei ihnen zuhause. Die haben nicht darauf gewartet, gleich die nächste Verpflichtung wieder zu übernehmen, sondern wollen endlich mal das Haus für sich haben. Jede Woche fix Kinder hüten ist ihnen zu viel, und das verstehe ich vollkommen. Es gibt immer noch genügend Gelegenheiten, wenn sie mal einspringen müssen.
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