Direktzahlungen: Schweizer Bauern im Dilemma

Der Bauer produziert Lebensmitteln. Aber nicht nur. Als grösster Flächennutzer muss der Bauer der Natur Sorge tragen. Seit Januar 2014 ist ein neues Direktzahlungs-System in Kraft, das die nachhaltige Landwirtschaft fördern will. Ob es das auch tut, darüber sind sich nicht alle einig.

Pro Jahr vergibt der Staat rund 2,8 Milliarden Franken mittels Direktzahlungen an die Bauern. Mit der Agrarpolitik 2014-2017 wurde das System dieser Zahlungen überarbeitet. Wer nachhaltig wirtschaftet, soll belohnt werden. Bauernbetriebe, die wenig Kraftfutter einsetzen, das Tierwohl und die Landschaftsqualität fördern, erhalten höhere Direktzahlungen. Auch die Erhaltung der biologischen Vielfalt und das Sömmern der Tiere auf der Alp wird honoriert. Abgeschafft wurde hingegen der Tierbeitrag. Wer viele Kühe hat, bekommt nicht automatisch mehr Geld.

Nach einem Jahr zieht das Bundesamt für Landwirtschaft eine positive Bilanz. Die Entwicklung gehe in die richtige Richtung. Es fand eine gewollte Verschiebung der Direktzahlungen vom Tal- ins Berg- und Sömmerungsgebiet statt.

Die Verlierer der neuen Regelung

Claudia Künzi Während der Diskussion mit Mikrofon.

Bildlegende: Claudia Künzi. SRF

Im Tal müssen vorallem Kleinbetriebe mit Einbussen leben. Die Bäuerin Claudia Künzi aus dem Kanton Zürich spürt den Systemwechsel sehr deutlich. Mit den neuen Direktzahlungen hat sich das Einkommen ihres Milchwirtschaftbetriebes verkleinert. Es sei schwierig, den Betrieb dem neuen System anzupassen. Würden sie mehr Fläche zur Förderung der Biodiversität einsetzen, fehle ihnen das Futter für die Tiere. Es sei eine grosse Herausforderung, ständig auf neue Bedingungen zu reagieren.

Kampf den Stickstoffemissionen

Radio SRF 1-Hörerin Martha Ammann aus Speicher (AR) hofft, dass Bauern ihre Viehbestände reduzieren, wenn sie nicht mehr soviel Geld für das Tier erhalten. Das käme den stark überdüngten Weiden entgegen.

«  Könnten die Wiesen erbrechen, würden sie es tun. »

Martha Ammann, Spycher
Radio SRF 1 Hörerin

Diskussionsteilnehmer Bosshard spricht in ein Mikrofon.

Bildlegende: Andreas Bosshard. SRF

Andreas Bosshard, Inhaber eines Planungs- und Forschungsbüro in den Bereichen Ökologie und Landwirtschaft bestätigt, dass insbesondere Böden in den Talgebieten unter einem Nährstoffüberhang leiden. Es gäbe kaum ein Land, das soviel Stickstoffemissionen habe wie die Schweiz. Die hohen Tierbestände würden durch ihren Mist zu den überdüngten Böden beitragen, bestätigt Bosshard. Grundsätzlich sei er zufrieden mit dem neuen System und als Mitbewirtschafter eines Biohofes stelle er auch fest, dass die neuen Direktzahlungsprogramme bei den Bäurerinnen und Bauern guten Anklang fänden.

Gewinner und trotzdem skeptisch

Rudolf Helbling mit Mikrofon.

Bildlegende: Rudolf Helbling. SRF

Rudolf Helbling führt einen Sömmerungsbetrieb im Kanton Graubünden und ist Lehrbeautragter für Volkswirtschaft an der Universität St. Gallen. Er spürt eine grosse Verunsicherung bei den Bauern. Auch wenn er als Sömmerungsbetrieb von höheren finanziellen Zuschüssen profitiert, befürchtet er eine Marktverzerrung.

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