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Radio SRF 1 Diskussion: Sollen Private Flüchtlinge zuhause aufnehmen?

Die Flüchtlingsströme reissen nicht ab. Auch die Schweiz verzeichnet einen Anstieg von Asylsuchenden. Der Druck auf die Kantone steigt, genügend Unterkünfte bereitzustellen. Sollen mehr Private Flüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen? In der Sendung diskutierten Gäste mit Hörerinnen und Hörern.

Legende: Audio «Forum»: Die ganze Sendung zum Nachhören abspielen. Laufzeit 54:08 Minuten.
54:08 min, aus Forum vom 08.10.2015.

Im Oktober 2013 rief die Schweizerische Flüchtlingshilfe Private dazu auf, Flüchtlinge bei sich zuhause aufzunehmen. Die Resonanz in der Bevölkerung war beachtlich. 150 Personen meldeten sich auf den Aufruf.

Kontakte führen zur rascheren Integration

Bis jetzt wurden allerdings erst in 15 Familien Flüchtlinge platziert. Die Koordination mit den Kantonen erwies sich als schwierig, wie Stefan Frey von der Flüchtlingshilfe sagt. Dabei habe das System, Flüchtlinge privat unterzubringen, klare Vorteile: Sie würden so viel schneller integriert als in einem Flüchtlingszentrum.

Porträt von Stefan Frey vor weissem Hintergrund.
Legende: Stefan Frey zvg
Privat untergebrachte Flüchtlinge werden viel schneller integriert, als es in einem Flüchtlingszentrum der Fall ist.
Autor: Stefan FreyMediensprecher Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH)

Das Auswahlverfahren ist aufwändig

Ganz so einfach sei es jedoch nicht, widerspricht Claudia Hänzi vom Amt für soziale Sicherheit in Solothurn. Es sei heikel und bedürfe einer sorgfältigen Prüfung, wenn man Flüchtlinge bei Privaten platzieren wolle. Viele würden den Betreuungsaufwand unterschätzen, sagt sie. Auch sei es nicht in allen Fällen förderlich für die Integration: Die Flüchtlinge seien in einer Familie immer bloss Gast und würden so nicht lernen, die volle Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.

Porträt von Claudia Hänzi vor dunklem Hintergrund.
Legende: Claudia Hänzi zvg
Viele Menschen stellen es sich zu romantisch vor. Einen Flüchtling aufzunehmen bedeutet, dass man einen beträchtlichen Betreuungsaufwand leisten muss.
Autor: Claudia HänziLeiterin des Amtes für soziale Sicherheit in Solothurn

Das Ehepaar Weiss hat zwei Flüchtlinge aufgenommen

Heidi und Hans Weiss aus Bern wissen, was es bedeutet, Flüchtlinge bei sich zuhause aufzunehmen. Seit 2013 wohnt Rodeng Badiran aus Syrien bei ihnen. Seit drei Wochen nun auch sein jüngerer Bruder Nihad.

Klar, beide Seiten müssen sich anpassen. Aber die jungen Syrer bringen Leben in unsere Wohnung.
Autor: Heidi Weisshat mit ihrem Mann zwei junge Männer aus Syrien aufgenommen.

Das Ehepaar Weiss erlebt die Situation als Bereicherung. Beide sind überzeugt, dass der Kontakt zwischen Schweizern und Flüchtlingen Vorurteile abbaut und die Integration erleichtert. Potenziellen künftigen Gastgebern rät Heidi Weiss: «Zu den Leuten den Kontakt suchen und sich kennenlernen, bevor man entscheidet.»

43 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Was die kriegslustigen Staatsoberhäupter einbrocken, sollen wir nun ausbaden und unser Privatleben opfern. Wenn wir schon Flüchtlinge bei uns aufnehmen sollen, müssen wir unbedingt die Christen bevorzugen, jene Minderheit, welche in den Kriegsländern verfolgt wird. und die gleiche Religion haben wir wir. ihnen gehört unser besonderer Schutz.
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  • Kommentar von johannes gauro, Hägendorf
    Johann Ich bin mit Migrationshintergrund und schätze sehr, wie Einheimische sich Mühe geben unser Leid lindern versuchen. Die Aufnahme ist eine grosse Herausforderung für beide Seiten. Der Auswahlverfahren ist für den Erfolg maßgebend.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    ich hätte Angst, Flüchtlinge aus einer fremden Kultur aufzunehmen, da ich befürchte, irgend einmal überfallen und ausgeraubt zu werden. Es ist sehr riskant. Würden die unechten "Flüchtlinge" - vor allem aus Eritrea - in ihre kriegsfreien Länder zurückgeschickt, bestünde das Problem der Unterbringung nicht. Die Zentren würden ausreichen.
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