Eigenwilliger Filmemacher trifft verspielte Künstlerin

Im «Persönlich» aus Alpnach (OW) begrüsst Gastgeberin Anita Richner den Filmemacher und Rocker Luke Gasser und die Künstlerin Judith Albert. Passend zum Ostersonntag ist beiden Gästen die Religion nicht fremd.

Anita Richner (rechts) mit Künstlerin Judith Albert und Filmemacher Luke Gasser auf Barhockern.

Bildlegende: «Persönlich»-Gastgeberin Anita Richner (rechts) mit Künstlerin Judith Albert und Filmemacher Luke Gasser. SRF

Luke Gasser, der ewige Rocker

Luke Gasser im Gras.

Bildlegende: Luke Gasser. Keystone

«Ich habe eigentlich immer Stiefel an», sagt Luke Gasser und deutet auf die stattliche Sammlung von Boots im Eingangsbereich seiner Wohnung. «Notfalls ziehe ich noch Turnschuhe an.» Gutes Schuhwerk ist bei seiner Arbeit sicher ein Vorteil. Immer wieder ist Luke Gasser mit seiner Filmcrew unterwegs, auch im Ausland. Für den Film «The Making of Jesus Christ», der im letzten Jahr erschienen ist, filmte er auch in Israel.

Luke Gassers Filme handeln fast immer in anderen Zeiten als heute, zum Beispiel im 19. Jahrhundert. Damals wurden nicht wenige Schweizer in die Armee Napoleons eingezogen und mussten 1812 im Russlandfeldzug kämpfen. Wie der Knecht David aus Lungern (OW), dessen Geschichte Gasser im Film «Fremds Land» (2003) erzählt. David zieht in den Krieg, doch als er heimkommt, hat seine Verlobte einen anderen. Er wandert aus nach Amerika.

Auch Luke Gasser ist in Lungern aufgewachsen, sein Interesse an Politik und Geschichte ist familiär bedingt. Sein Vater Hans-Heini Gasser war viele Jahre Regierungsrat. Daheim liess man die Kinder gewähren, meistens spielten sie draussen. «Ich habe meine Kindheit als Indianer verbracht», sagt Luke Gasser. Als Teenager kam die Liebe zur harten Rockmusik dazu. Die Rolling Stones und AC/DC gehören noch immer zu seinen absoluten Favoriten.

Judith Albert, die verspielte Künstlerin

Porträt von Judith Albert vor einem Baum.

Bildlegende: Judith Albert. zvg

Nach der Sekundarschule wusste Judith Albert nicht recht, was sie machen sollte. Ein Haushaltlehrjahr schien vernünftig, danach begann sie eine Lehre als Papeterie-Verkäuferin. Die Eltern fanden das irgendwie passend, denn gezeichnet und gebastelt hatte sie als Kind immer gern. Und tatsächlich war es die richtige Entscheidung: Viele Künstler kamen in den Laden, um ihre Utensilien zu kaufen. Und Judith Albert fand diese Leute interessant. Der Wunsch, Künstlerin zu werden, führte sie zuerst nach Paris. Zurück in der Schweiz absolvierte sie in Luzern den Vorkurs und studierte anschliessend vier Jahre an der Kunsthochschule in Zürich.

«Paris war ein grosser Sprung», sagt Judith Albert. Sie sei vorher nie im Ausland gewesen. Ihre Eltern bewirtschafteten in Alpnach einen Bauernhof, für Ferien hatte man keine Zeit. Auch wenn Judith Albert schon lange nicht mehr in Obwalden wohnt, die Kindheit dort hat sie geprägt, die Landschaft ist immer im Gedächtnis präsent.

Manchmal erinnern auch die Objekte in ihren Videos an die Zeit früher auf dem Bauernhof. Im Film «Vanitas II» (2009) halbiert die Künstlerin verfaulte Äpfel, die sie in Zürich am Strassenrand gefunden hat. «Sie rührten mich an, deshalb nahm ich sie mit.» Die vergorenen, schrumpligen Früchte sind im Video von zeitloser Schönheit. Eine alte Sehnsucht gestillt hat Judith Albert im Video «Living Room» (1998): Sie schläft unter Wasser, auf dem Boden eines Hallenbads.

Sendung zu diesem Artikel