Engagiert und weltoffen: Margrit Sidler und Bernd Kekeritz

Sie wuchs in Pfyn auf, er stammt aus Norddeutschland. Nach Lehr- und Wanderjahren wurden beide in der Thurgauer Gemeinde sesshaft und gestalten das öffentliche Leben am Ort aktiv mit. «Persönlich»-Moderator Dani Fohrler unterhielt sich mit den beiden im mittelalterlichen Gemäuer der Trotte Pfyn.

Poerträts von Bernd Kekeritz und Margrit Sidler.

Bildlegende: Zwei aktive Pfyner: Bernd Kekeritz und Margrit Sidler sind in «Persönlich» zu Gast. zvg (Bildmontage)

Margrit Sidler (75)

Margrit Sidler ist in der «Schmiede» in Pfyn aufgewachsen. Im Elternhaus haben immer auch Angestellte und Lehrburschen gelebt. Nie sass nur die eigene Familie am Esstisch.

Unvergesslich bleibt der Moment in ihrer Kindheit, als das Elternhaus bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Beschuldigt wurde dafür ihr Bruder, der mit Knallkörpern spielte.

In der Welt unterwegs

Porträt von Margrit Sidler.

Bildlegende: In Pfyn aufgewachsen: Margrit Sidler. ZVG

Als Teenager ist Margrit ausgeflogen, um Sprachen zu lernen. Zuerst ins Welschland, später nach London. Zum Teil wurde sie bei diesen Aufenthalten von den Gastfamilien bis aufs Letzte ausgenutzt.In der englischen Weltmetropole lernte die junge Pfynerin eines Tages einen Mann aus Hongkong kennen. Sie wurde ungewollt schwanger und gebar – wieder alleine zu Hause in Pfyn – ihren ersten Sohn. Mit ihrem jetzigen Ehemann, mit dem sie seit 49 Jahren verheiratet ist, brachte sie später noch drei weitere Kinder zur Welt.

In der Gemeinde aktiv

Die Gemeinde Pfyn hat der heute 75-jährigen Margrit Sidler viel zu verdanken: Zum Beispiel hat sie während 18 Jahren als Schulpräsidentin gewirkt. Sie hat aus eigener Initiative in der Gemeinde eine Alterssiedlung realisiert. Für Senioren organisiert sie bis heute Spielnachmittage oder Mittagstische für den gemeinsamen Austausch.

Einen Beitrag gegen die Vereinsamung älterer Menschen zu leisten, war ihr schon immer ein Bedürfnis. Margrit Sidler ist eine Frau voller Tatendrang und Ideen. Nachdem sie 40 Jahre bei der Migros-Klubschule Englisch unterrichtet hatte, hat sie «privatisiert». Den Unterricht mit ihren sechs verschiedenen Englisch-Gruppen gestaltet sie nun in einem eigens dafür eingerichteten Schulungsraum in ihrem Keller.

Bernd Kekeritz (50)

Porträt von Bernd Kekeritz.

Bildlegende: In Pfyn heimisch geworden: Bernd Kekeritz. ZVG

Bernd Kekeritz stammt aus Neumünster, Schleswig-Holstein. Als junger Bursche wusste er sehr bald, dass er Zimmermann werden wollte. Die Berufslehre hat er dann auch mit Bravour bestanden. Dem Wunsch, auf Wanderschaft zu gehen, stand nichts im Weg. Nachdem er die Bedingungen seiner «Zunft» allesamt erfüllen konnte, packte er seine sieben Sachen und zog in seiner Gesellenkluft in die weite Welt hinaus.

Abenteuerliche Wanderjahre

Ganze dreieinhalb Jahre war Kekeritz auf der Walz, von Nordirland bis an die iranische Grenze. Er kennt sich mit den unterschiedlichsten Sprachen und Kulturen aus und weiss in der Kommunikation bestens zu improvisieren. Vielseitigkeit wird in seinem Leben gross geschrieben.

Kontakt mit der Heimat war während dieser Zeit nur selten möglich. Anrufe waren zu teuer. Seine Familienangehörigen schickten Briefe allenfalls mal «postlagernd» in eine abgemachte Ortschaft.

Zu erzählen hat Bernd Kekeritz heute so einiges von seinen Wanderjahren. Da gab es neben vielen schönen Erlebnissen auch durchaus gefährliche Momente: In Nordirland seien er und sein Kumpel eines Nachts von englischen Soldaten mit dem Pistolenlauf im Genick an die Wand gestellt worden. In Berlin sei ein Gesellenkollege wie in einem Mafia-Film durch ein Schaufenster geflogen.

Die neue Heimat Pfyn

Nach seinen weiten Reisen ist Bernd Kekeritz schliesslich in Pfyn gelandet. «Hier hab ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt», sagt der heutige Hauswart zweier Schulhäuser und der «Trotte». Der Norddeutsche ist seit Jahren voll und ganz im Dorf integriert.

Als Schulhausabwart ist ihm der Kontakt zu den Kindern sehr wichtig: «Die Kinder sind meine Kundschaft», grinst der 50-Jährige. Nebenbei amtet er als Feuerwehr-Vizekommandant und im Männerkochclub lebt er seine grosse Liebe zum Kulinarischen aus.

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