Ex-Bankräuber trifft Schweizer Muslimin

Er ist praktizierender Christ, sie engagiert sich für einen fortschrittlichen Islam. Rudolf Szabo und Jasmin El-Sonbati sind in Basel zu Gast bei Katharina Kilchenmann im «Persönlich».

Kairo – die zweite Heimat

Porträt Jasmin El-Sonbati

Bildlegende: Jasmin El-Sonbati. zVg

Jasmin El-Sonbati kam in Wien zur Welt und wuchs in Kairo und in Basel auf. Heute arbeitet sie als Französisch-Lehrerin an einem Basler Gymnasium. Wann immer möglich verbringt sie ihre Semesterferien in Ägypten, dem Heimatland ihres Vaters. Sie hat eine kleine Wohnung in einem Aussenquartier der Hauptstadt Kairo.

Meist schreibt Jasmin El-Sonbati in Ägypten Artikel über die Situation im Land oder engagiert sich in unterschiedlichen Entwicklungsprojekten. Sie trifft sich mit Freunden und besucht ihre Familie, ihre Tante und Cousins.

Islam ohne Fundamentalisten

Als Muslimin mit einer katholischen Mutter gestaltet sie ihr Glaubensleben heute sehr individuell. Jasmin El-Sonbati setzt sich als Mitbegründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam für eine zeitgemässe und freie Art des Glaubens ein.

«  Die Art, wie ich hier als Schweizerin und als unverheiratete, berufstätige Frau lebe, ist im arabischen Raum nicht die Regel. »

Natürlich sei die Art, wie sie als Schweizerin und als unverheiratete, berufstätige Frau in der Schweiz lebe, im arabischen Raum nicht die Regel, sagt die Muslimin. Sie fügt jedoch sogleich an: «Auch in Ägypten verabschieden sich meine Glaubensgeschwister immer häufiger von ‹alten Zöpfen›. Dennoch stehen sie zu ihrem Glauben: Sie wollen den Islam nicht den Fundamentalisten überlassen.»

Der geläuterte Bankräuber

Porträt Ruedi Szbao.

Bildlegende: Ruedi Szabo. zVg

Rudolf Szabo hat ein grosses Herz für die schweren Jungs und Mädels, mit denen er im Wohnheim Falkennest in Liestal arbeitet. Der ehemalige Bankräuber sass sechs Jahre im Gefängnis und hat sich nach viel harter therapeutischer Arbeit selber entdeckt. Heute bezeichnet er sich als «praktizierenden Christ» und verdient sein Geld auf legale Art. Er ist ausgebildeter Arbeits-Agoge und Anti-Aggressionstrainer, hält Vorträge und engagiert sich in der Politik. «Mein Leben ist trotz allem eine Erfolgsgeschichte», sagt er.

«  Mein Leben ist trotz allem eine Erfolgsgeschichte. »

Früher sei er ein selbstherrlicher Macher und ein schrecklicher Ehemann gewesen, erzählt Rudolf Szabo. Er habe sich von niemandem etwas sagen lassen. «Ich bin all meinen Wegbegleitern sehr dankbar, dass sie mich nicht aufgegeben haben.» Dank ihnen habe er die nötigen Schritte machen können und habe heute die Gelegenheit, andere an seiner Erfahrung teilhaben zu lassen.

Lebenslange Wiedergutmachung

Lange Zeit hatte Rudolf Szabo kaum Kontakt mit seinen vier Söhnen und seiner Tochter. «Das war sehr schmerzhaft», sagt er. «Zum Glück sind nun alle erwachsen, können selber entscheiden, wie sie leben wollen, und sehen mich heute mit anderen Augen.» Manchmal würden sie ihn sogar zum Essen oder ins Kino einladen, was er sich selber nicht leisten könne. Seit seinen Raubüberfällen muss er Schulden abbezahlen. 150'000 Franken waren es bisher. Er wird bis an sein Lebensende in der Schuldenfalle sitzen.

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Ruedi Szabo

12 min, aus Aeschbacher vom 20.10.2005

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