«Forum»-Diskussion: Ist der Zivildienst zu attraktiv?

In den letzten Jahren stiegen die Zulassungen zum Zivildienst stetig an. Der Zivildienst sei ein Schoggi-Job, sagen Kritiker. Der Armee würden somit diensttaugliche junge Männer abhanden kommen. Ist der Zivildienst also zu attraktiv?

Ins Gefängnis musste bis vor 20 Jahren, wer aus Gewissensgründen nicht ins Militär wollte. 1996 wurde der Zivildienst für diensttaugliche junge Männer eingeführt. Im «Forum» auf Radio SRF 1 diskutierten Experten mit Hörerinnen und Hörern darüber, ob der Zivildienst heute zu attraktiv geworden ist.

Die Fakten

  • Heute entscheiden sich rund 5700 Männer pro Jahr für den Zivildienst. Dieser dauert eineinhalb Mal länger als der Militärdienst.
  • In den letzten Jahren stiegen die Zulassungen zum Zivildienst stetig an. Wurden im Jahre 2011 noch 4670 Gesuche bewilligt, sind es im Jahr 2015 5836. Tendenz steigend.
  • 1,6 Millionen Stunden leisteten die Zivildienstler Einsatz im letzten Jahr. Die Mehrheit im Sozial- und Gesundheitswesen.
  • Der Entscheid für den Zivildienst fällen 45 Prozent der Militärdienstpflichtigen bereits vor der Rekrutenschule, rund 10 Prozent während der Rekrutenschule und 45 Prozent nach der Rekrutenschule.

Die Gäste der Sendung

Schoggi-Job oder soziale Herausforderung?

Der Zivildienst sei zu attraktiv, sagen sowohl der alte wie der neue Chef der Armee. Von Schoggi-Job ist die Rede und davon, dass der Armee diensttaugliche junge Männer wegen des Zivildienstes abhanden kommen. Die Wehrpflicht werde ausgehöhlt, sagt Sandro Keller, der sich für eine militärische Laufbahn entschieden hat. Habe man keine Lust auf einen langen Marsch oder Schwierigkeiten mit den Vorgesetzen, könne man sich unkompliziert Richtung Zivildienst verabschieden.

Am Zivildienst scheiden sich die Geister

Im Sozial- und Gesundheitswesen als Zivi zu arbeiten, sei alles andere als eine einfacher Job, sagen dagegen Zivildienstleistende. Dominik Währy, ehemaliger Soldat bei den Panzerjägern, entschied sich nach RS und 4 WKs für den Zivildienst. 2013 hat er ihn abgeschlossen. Manch ein Militärkader wäre wohl nicht fähig, alten Menschen im Heim «das Füdli zu putzen», sagt er.

Mögliche Modelle für die Zukunft

Der dritte Gast in der Runde ist Alt-Nationalrat Arthur Loepfe (CVP), er ist Präsident der Studiengruppe Dienstpflichtsysteme. Vom Bundesrat kam der Anstoss, einen Bericht zu verfassen, woraufhin die Studiengruppe die Dienstpflichtsysteme einer ganzheitlichen Überprüfung unterzog und Modelle vorschlug, wie Armee, Zivildienst und Zivilschutz in Zukunft aussehen könnten. Und, so Arthur Loepfe, «welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen».

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