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Radio SRF 1 «Forum»: Psychisch krank – sag ich es am Arbeitsplatz?

Depressionen, Phobien oder Zwänge – jede fünfte Person in der Schweiz leidet an einer psychischen Erkrankung. Drei von vier Personen arbeiten trotzdem. Oft wissen Kolleginnen und Chefs nichts von der psychischen Krankheit. Soll man sie verschweigen oder offen kommunizieren? Das «Forum» zum Thema.

Legende: Audio Psychische Erkrankung – am Arbeitsplatz lieber verschweigen? abspielen.
56 min, aus Forum vom 15.10.2015.

Drei von vier Personen in der Schweiz arbeiten mit einer psychischen Erkrankung, in einer Verwaltung, in der Schule oder in einem KMU. Das geht so lange gut, bis sie auffallen. Wenn die Zusammenarbeit immer schwieriger wird, folgt nicht selten die Kündigung.

Im «Forum» diskutierten Experten mit Hörerinnen und Hörern die Frage, ob eine psychische Krankheit am Arbeitsplatz verschwiegen oder offen kommuniziert werden soll.

Wie viel Verständnis kann man erwarten?

Hätten die Mitarbeiterinnen und Chefs anders auf den «schwierigen» Kollegen eingehen können, hätten sie von seiner psychischen Erkrankung gewusst? Hätte die Kündigung so sogar verhindert werden können?

Kann man überhaupt auf Verständnis hoffen, wenn man offen über seine Phobien, über Depressionen, Zwänge oder sein Borderline spricht? Und: Sind diese Leute die ersten, die über die Klinge springen in wirtschaftlich harten Zeiten?

Porträt von Niklas Baer.
Legende: Niklas Baer ist Leiter in der Psychiatrie Baselland. zvg

Experte in der Sendung ist Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation an der Psychiatrie Baselland. Er vertritt die Meinung, dass man ein Leiden, das die Arbeit nicht beeinträchtigt, nicht unbedingt sagen soll. Oft komme man aber nicht darum herum, weil sich die Probleme bei der Arbeit und mit den Kollegen häufen würden.

Porträt Peter Glanzmann.
Legende: Arbeitgeberseite: Peter Glanzmann. zvg

Der zweite Experte in der Sendung ist Peter Glanzmann, Geschäftsführer der Carnosa Fleischverarbeitung in Langenthal (BE). Aus Arbeitgebersicht vertritt er die Meinung, dass der Mitarbeiter es sofort sagen müsse, wenn er psychisch angeschlagen sei. «Da kann man noch reagieren und das Pensum reduzieren. Sonst wird es schwierig», so Glanzmann.

Der dritte Gast in der Diskussionssendung «Forum» will aufgrund ihrer persönlichen Geschichte anonym bleiben. Monika ist Biologin und hatte anspruchsvolle Jobs in der Pharma- und Lebensmittelindustrie. Sie leidet selber unter einer psychischen Erkrankung: «Nach meiner Diagnose (Bipolare Störung) musste ich meine Karriereträume aufgeben und die Branche verlassen. Trotzdem ist es wichtig, dass man über seine Krankheit spricht. Sonst muss man sich verstecken», sagt sie.

42 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Dem Arbeitgeber seine Eingeweide auf den Tisch legen zu muessen, ist eine der neofeudalen Sumpfblueten. In Nochrechtsstaaten werden Zeugnisse des behandelnden Arztes ueber Arbeitsunfaehigkeit und andere Befreiungen von einer gesundheitsschaedlichen Fremdbestimmung in Friedenszeiten ohne weiteres und ohne Diagnose akzeptiert. Im Krieg kann sich der verantwortliche Kommandant um aerztliche Dispense futieren, aber nur bei unmittelbarer militaerischer Notwendigkeit und voller Haftung des Staates fue
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  • Kommentar von Thomas Schweizer, Schweiz
    Viele Arbeitgeber entsorgen ihre Mitarbeiter statt um Sie zu sorgen. Mobbing und weitere negativen Einflüsse lösen einen solchen Zustand aus. Medikamente sind der schlechteste Weg.
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  • Kommentar von Hausi, Zürich
    Ich würde dringend davon abraten im Geschäft davon zu erzählen. Menschen mit Depressionen werden noch immer all zu oft als unzurechnungsfähig, dumm, unkontrollierbar und theatralisch hingestellt. Es führt eben doch oft zum Arbeitsplatzverlust. Wie bei den Normalos kann auch depressiven Menschen im Geschäft etwas schief laufen, was aber nichts mit der Depression zu tun hat, aber dann vom Arbeitgeber und den Arbeitskollegen so empfunden wird, "dem ist das passiert weil er Depressionen hat " usw.
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