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Irrtümer in der Mundart Warum «spanische Nüssli» nicht aus Spanien kommen

In einem richtigen Chlausensäckli findet man oft mehr Erbsen als Nüsse. SRF-Mundartexperte Markus Gasser klärt auf.

Legende: Audio Die Erbsen im Chlausensack abspielen. Laufzeit 02:52 Minuten.
02:52 min, aus Audio SRF 1 vom 06.12.2018.

Die «komischen» Nüssli

Was in keinem Chlausensäckli fehlen darf sind auch die spanischen Nüssli. Diese sind aber weder aus Spanien, noch sind es Nüsse. Botanisch gesehen ist die Erdnuss eine Hülsenfrucht und mit den Erbsen und Bohnen verwandt. Erdnüsse kommen ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Im 16. Jahrhundert wurden die spanischen Konquistadoren auf die Erdnüsse aufmerksam und pflanzten sie in weiteren tropischen und subtropischen Gebieten der Welt an: Auf den Philippinen, in Indonesien, China, Indien und vor allem in Westafrika. In gewissen Regionen Deutschlands sagt man der Erdnuss deshalb auch «Kamerunnuss» oder «Kameruner».

Erdnussernte.
Legende: Erdnussernte Die «spanischen Nüssli» wachsen unterirdisch. Colourbox

Obwohl die Spanier sie entdeckt haben – dass man den Erdnüssen bei uns «spanischi Nüssli» sagt, hat wahrscheinlich nichts mit Spanien zu tun. Nach Europa kamen die Erdnüsse nämlich erst am Ende des 18. Jahrhunderts, sehr wahrscheinlich aus den französischen Kolonien in Westafrika. Das Adjektiv «spanisch» wird in unserem Sprachgebrauch aber als Synonym für «fremd, unverständlich» oder «komisch» verwendet. Und genau das waren diese neuartigen vermeintlichen Nüssli – fremd, komisch und exotisch.

Das Teigmännchen mit den gespreitzten Beinen

Wir haben es zum Fressen gern, das kleine, blasse Teigmännchen mit den Rosinenaugen und den gespreitzten Beinen. Unter dem Namen «Grittibänz» ist es landläufig bekannt. Seine gespreitzen Beine geben dem Grittibänz denn auch den ersten Teil seines Namens. Die Beine spreitzen heisst auf Berndeutsch «gritte», «grittle» oder «e Gritte mache». Auch im Obwaldner- und Senslerdeutsch kennt man diesen Ausdruck. Dort heisst es «e Griittele» bzw. «Grittele mache». Über die Vergangenheitsform «grat» von «griten», kommt es zur abgeleiteten Verbform «grätte» im Baseldeutschen und im badischen Alemannischen. Deshalb heisst das Teigmännchen dort Grättimaa.

Ungebackene Grittibänze auf einem Blech.
Legende: Im Kanton Zürich wird der Grittibänz auch Elggermaa genannt. Keystone

Das Teigmännchen ist in verschiedenen Dialekten ein Bänz oder Benz mit gespreizten Beinen. Bänz ist eine Koseform des Vornamens Benedikt. Weil der Name weit verbreitet war, ging er in allgemeine Ausdrücke ein.

Die Pfeife, die dem Grittibänz manchmal im Mund steckt, war ursprünglich einmal ein Bischofsstab. In früheren Zeiten stellte der Grittibänz nämlich einen Bischof dar.

Der dunkle Begleiter des Samichlauses

Wer ist dieser Mann in braun oder schwarz, der den Samichlaus häufig auf seinen Besuchen zu den Kindern begleitet? Sein Name Schmutzli ist wortwörtlich zu verstehen, als Schmutz-Fink. Ursprünglich hat sich der Schmutzli nämlich Gesicht und Hände mit Russ geschwärzt. Früher trugen unartige Kinder, die vom Schmutzli gerügt wurden, nicht übersehbare schwarze Flecken davon. Aufgekommen sind solche Schreckgestalten, zu denen beispielsweise auch der Chindlifrässer gehört, im 16./17. Jahrhundert. Diese sollten bei der Kindererziehung helfen, indem ungehorsamen Kindern damit gedroht wurde, dass sie von einer solchen Schreckensgestalt mitgenommen würden.

Das Zweiergespann Samichlaus und Schmutzli bringt Dämonisches und Gütiges, Heidnisches und Christliches zusammen. In alten deutschen Quellen wird der Begleiter der Sankt Nikolaus tatsächlich als Teufel bezeichnet – also eigentlich nicht als Gehilfe, sondern als Gegenspieler des Nikolaus.

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