Katastrophenhilfe – was hilft wirklich?

Die Bilder aus Nepal gehen ans Herz. Die Internationale Gemeinschaft tut, was sie in Katastrophenfällen tun kann: Sie hilft sofort. Aber wie nachhaltig ist die Hilfe? Lernen wir aus Katastrophen? Am Donnerstagabend diskutierten in der Sendung «Forum» Gäste und Hörer.

Das schwere Erdbeben in Nepal kostete mehrere tausend Menschen das Leben. Zehntausende sind vom Lebensnotwendigen abgeschnitten. Nach Angaben der UNO sind rund acht Millionen Menschen von den Auswirkungen des Bebens betroffen.

Was bringt die Hilfe?

Das Bedürfnis, nach einer Naturkatastrophe zu helfen, ist gross. Hilfsorganisationen aus aller Welt eilen vor Ort und leisten Soforthilfe. Wie nachhaltig ist die Katastrophen-Hilfe? Welche Hilfe nützt und wo stehen sich Helfer gegenseitig im Weg? Warum kommen einige Länder nach Katastrophen schneller wieder auf die Beine als andere?

In der Sendung «Forum» diskutieren am Donnerstagabend die folgenden Gäste mit Hörerinnen und Hörern (Radio SRF 1, 20 Uhr):

  • Manuel Bessler, Delegierter des Bundesrats für Humanitäre Hilfe und Chef des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH)
  • Franz Gähwiler, Helvetas-Programmverantwortlicher für die Himalaya-Region
  • Hans Rudolf Heinimann, Risikoforscher und Projektleiter «Future Resilient Systems» am Singapore-ETH Centre
  • Pia Hollenbach, Geografin und ehemalige Projektmitarbeiterin Internationale Zusammenarbeit
Porträt von Manuel Bessler.

Bildlegende: Manuel Bessler. Keystone

Berichten zufolge ist die internationale Hilfe in Nepal mittlerweile angelaufen. Als Chef des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) weiss Manuel Bessler aber, wie schwierig eine erfolgreiche Soforthilfe ist.

«  Die Hilfe an die Schadensgebiete ausserhalb von Kathmandu wird besonders schwierig werden. Die Verbindungswege sind unterbrochen, Brücken sind zerstört. »

Franz Gähwiler

25 min, aus Tagesgespräch vom 27.04.2015

Trotz der bekannten Risiken sei in Nepal der Erdbebenvorsorge und Katastrophenhilfe zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, sagt Franz Gähwiler: «Eine grosse Vernachlässigung seitens der Behörden war, dass bestehende Bauvorschriften nicht eingehalten wurden.» Gähwiler ist Programmkoordinator des Hilfswerks Helvetas und hat selber in Nepal gelebt.

«  Heute ist es uns wichtig, dass ein Entwicklungsprojekt von der lokalen Bevölkerung mitgetragen wird. Ist dies nicht der Fall, kann man es sein lassen. »
Porträt von Pia Hollenbach.

Bildlegende: Pia Hollenbach. zvg

Die Geografin Pia Hollenbach arbeitete zwei Jahre für ein Hilfswerk in Sri Lanka. Sie half beim Wiederaufbau eines Dorfes mit und schrieb anschliessend ihre Dissertation zum Thema. Richtig helfen sei schwierig, sagt sie.

«  In Gesprächen, die ich während meines Einsatzes in Sri Lanka führte, sagten die Menschen: ‹Niemand hat uns je gefragt, was wir wirklich brauchen.› »
Porträt von Hans Rudolf Heinimann.

Bildlegende: Hans Rudolf Heinimann. zvg

Es kommt aber nicht nur auf die Qualität und die lokale Verankerung von Hilfsprojekten an. Gemäss Risikoforscher Hans Rudolf Heinimann spielt auch die politische Organisation eines Landes eine Rolle. Nicht jedes Land erhole sich nach einer Katastrophe gleich schnell.

«  Länder, die dezentral organisiert sind, kommen nach einer Katastrophe schneller wieder auf die Beine. »