Zum Inhalt springen

Radio SRF 1 Langweilig und ichbezogen? «Forum» zur heutigen Jugend

Die Kritik an der Jugend kennt jede Generation. Auch die heutige Jugend wird kritisiert. Allerdings gilt sie nicht als zu wild, zu rebellisch oder zu frech, sondern als zu langweilig und zu angepasst. Zu Recht? Im «Forum» diskutieren Gäste mit Hörerinnen und Hörern.

Legende: Audio Die heutige Jugend – besser als ihr Ruf? abspielen. Laufzeit 55:25 Minuten.
55:25 min, aus Forum vom 12.11.2015.

«Die Jugend liebt heute den Luxus», soll schon der griechische Philosoph Sokrates (ca. 469-399 v. Chr.) gesagt haben. «Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte.» Die Kritik an der Jugend ist wohl so alt wie die Menschheit selbst.

Heutige Jugend: angepasst und ichbezogen?

Auch die heutige Jugend wird kritisiert. Sie gilt als zu langweilig und zu angepasst. «Der gesellschaftliche Druck ist sehr hoch», sagt die 19-jährige Tiba Ponnuthurai. Das beschränke sie in ihrer Freiheit. Grundsätzlich geniesse sie aber das Jungsein in der heutigen Zeit und schätze es, dass sie ihr Leben selber gestalten könne.

Zitat in weisser Schrift, im Hintergrund das Porträt von Ivica Petrusic vor der Stadt Zürich.
Legende: Zu Gast in der Sendung «Forum»: Ivica Petrusic, Geschäftsführer der Kinder- und Jugendförderung Okaj des Kantons Zürich. zvg

«Der heutigen Jugend fehlt der Idealismus», sagt Ivica Petrusic, Geschäftsführer der Kinder- und Jugendförderung Okaj des Kantons Zürich. «Die Jugend von heute ist ichbezogen, mit einem starken Fokus auf der Optimierung des eigenen Lebenslaufs.» Gut sei für die Jungen das, was im Moment und bezogen auf das engere Beziehungsumfeld gut ankomme.

«Wir können uns halt gut anpassen», sagt der 22-jährige Nicolas Roos. Das sei aber heute auch gefragt. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten müsse seine Generation viel investieren, um die eigenen beruflichen Ziele erreichen zu können.

«Wer jetzt aber behauptet, die Jungen von heute seien langweilig, liegt falsch», sagt Véronique Alessio-Isler. Sie ist Jugendarbeiterin und Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen. «Wer sagt, die Jungen hätten heute nichts zu sagen, hört vielleicht einfach nicht hin.» Die junge Generation sei sehr höflich und wolle nicht auffallen. Darum sei es an der älteren Generation, ganz bewusst hinzuhören und den Jungen Räume zu geben, wo sie sich ausdrücken können.

Die Generationen gleichen sich an

Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen hat 17-Jährige in der Schweiz befragt. Das Resultat: Die Jungen sind sehr pragmatisch. Ihre Haltungen unterscheiden sich kaum von derjenigen der Eltern. Die Generationen gleichen sich in ihrer Weltanschauung an. So geben die meisten 17-Jährigen an, dass die Zuwanderung das grösste Problem für die Schweiz darstelle. Sie sind gegen einen EU-Beitritt und stehen hinter dem Militär.

Die Studienautoren beschreiben die Jungen abschliessend als «wenig kämpferisch und streitbar, einmal optimistisch, dann wieder pragma­tisch, häufig im Einklang mit den Erwachsenen und mit einem erfreulichen Vertrauen in unsere Institutionen (Schule, Bundesrat, aber auch Polizei)».

26 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Soraya B., Davos
    Kein Wunder, werden wir Jungen als langweilig bezeichnet. Man darf heute ja auch nicht mehr auffallen und seine Meinung sagen. Man wird dann als dominant und zu selbstbewusst bezeichnet. Ausserdem stehen wir unter enormem Leistungsdruck... Wir haben keine Zeit uns zu äussern. Dazu kommen die sozialen Medien, welche uns eine Scheinwelt des perfekten Lebens zeigen. In der Schule werden alle Jugendlichen gleich angeschaut, egal was der oder diejenige gut kann. Da passt man sich halt an.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      Merken Batteriehühner,Mastschweine,Zuchtkälber einen Unterschied zu freibleibenden Hühner,Schweine und Kälber?Wohl nicht.Kennen ja nichts Anderes.So leben sie ihre gegenwärtige Existenz stoisch,glücklich oder gleichgültig vor sich hin.Sind wohl damit zufrieden,einfach leben zu dürfen.Sollten sie aber,trotz Drogen aller Art,Ramba-Zamba,Bunga-Bunga mit ihrer Existenz nicht zufrieden sein,mit ihr nicht zurechtkommen,steht ihnen die Pharmamafia noch so gerne,Lebenssinn findend,helfend zur Seite.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Les McCan, Suhr
    Ich kann es nicht wirklich ermessen, was gerade in der Gesellschaft, namentlich mit den jungen Mensch passiert. Einen Trend habe ich vermehrt beobachtet. Um ein typisches Beispiel zu geben, dies: Zufällig schaute ich aus dem Fenster. Ich sah, vom Parterre aus, wie eine junge Frau mit einem schnittigen Fahrzeug, beim Wenden rückwärts in ein parkiertes Auto fuhr, dass es so richtig crashte. Anstatt dass sie ausstieg, schnell den Vorwärtsgang einlegen und verduften. Verantwortungsempfinden wo?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Tanner, Zürich
    Ich bin selbst noch in den jungen Jahren. Langweilig! Kein Wunder es wird ja alles verboten, man kann nichts mehr machen ohne bestraft zu werden. Für alles wird man gebüsst und wir haben das Luxus Problem, dass die Polizei nichts besseres zu tun hat als über Rotlicht laufende Fussgänger zu bestrafen. Ausserdem wird so auch die Selbstverantwortung auch nicht Gestärkt, "es wird ja alles vorgegeben was man tun und lassen soll".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Alois Rapp, Dürnten
      Herr T. Tanner Ihnen sollte man eine Busse von 1000.- aufbrummen wenn Sie bei Rot über die Strasse gehen, denn Sie sind damit auch kein Vorbild für die Kinder.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen