Lautes Telefonieren ist die grösste Unhöflichkeit im Alltag

Lautes Telefonieren im Zug finden Sie die grösste Unhöflichkeit im Alltag. An zweiter Stelle kommen die, die andere Leute im Bus oder Tram nicht aussteigen lassen – und die, die mit ihren Taschen mehrere Plätze belegen. Ein Psychologe sagt, wie wir uns bei Unhöflichkeiten verhalten können.

Umfrage-Ergebnis.

Bildlegende: Umfrage: So haben Sie abgestimmt! SRF

Sie haben abgestimmt, welche Unhöflichkeit im Alltag am meisten nervt. Am meisten Stimmen gingen an «das laute Telefonieren» (31 %) vor «Leute nicht zuerst aussteigen lassen» (24 %) und «mit der Tasche mehrere Sitze belegen» (14 %). Weniger Stimmen im Online-Voting bekam «ein Gespräch unterbrechen» (10 %) und «auf die Einladung nicht reagieren» (8 %).

Wie verhalten bei Unhöflichkeit?

Was aber kann man gegen Unhöflichkeiten im Alltag tun? Daniel Regli, Psychologe von der Universität Bern sagt, wie man in den 6 Situationen die Unhöflichkeit anspricht, ohne dass der Betroffene das Gesicht verliert. Und es zu einer Diskussion kommt.

Situation 1: Lautes telefonieren im Zug

Frau telefoniert laut, die andere  hält sich die Ohren zu.

Bildlegende: «Geht's etwas leiser?» SRF

Für den Psychologen Daniel Regli ist der Fall «Lautes Telefonieren im Zug» klar. «Das ist ein Eindringen in die Intimsphäre. Mich interessiert weder das Liebesleben, noch wie es gerade im Scheidungsprozess steht.»

Sein Tipp: Freundlich und dezidiert auf die Person zugehen und darauf hinweisen, sie soll bitte leiser sprechen oder das Gespräch woanders führen.»

Situation 2: Die Leute nicht aussteigen lassen

Wer kennt es nicht: Kaum öffnen sich die Türen in Zug, Bus oder Tram, drängen sich einige Pendler in den Zug, bevor die anderen Fahrgäste aussteigen konnten. «Das ist immer wieder eine schwierige Situation», sagt der Psychologe. «Am besten ist es, mit Humor zu reagieren. Der Person sagen, dass sie heute besonders schnell unterwegs ist und der Zug ja noch zuwartet. Oder darauf hinweisen, dass es ja noch genügend Platz hätte.» Es sei eine Situation, die innert kürzester Zeit im Gedränge passiere. «Da ist es unnötig, zu viel Energie zu verpuffen. Am besten einfach vorbei gehen lassen.»

Situation 3: Nicht zurückgrüssen

«Versuchen, sich in die Situation der anderen Person hinein zu versetzen. Es gibt viele Leute, die gedankenabwesend durch die Gegend laufen und andere nicht wahrnehmen. Wenn es sich um Bekannte, Freunde oder Arbeitskollegen handelt: wiederholt darauf ansprechen und nochmals grüssen, bis er oder sie es realisiert.»

Situation 4: Mit der Tasche mehrere Sitze belegen

«Da ist es am einfachsten höflich zu bleiben, indem man den Menschen darauf anspricht und fragt, ob er den Platz frei machen kann. In der Regel stösst man da auf Verständnis.»

Situation 5: Ein Gespräch unterbrechen

Frau unterbricht Gespräch.

Bildlegende: Platz 5 Ein Gespräch unterbrechen finden 10 Prozent der Abstimmenden die grösste Unhöflichkeit im Alltag. SRF

Der Experte sagt: «Das hängt stark mit der eigenen Persönlichkeit zusammen. Es kommt darauf an, in welcher Gesprächssituation man sich befindet: mit Bekannten, Freunden oder in einem intimen Gespräch. Tipp: den Ton anheben und signalisieren, dass man im Gespräch ist. Wenn jemand es immer wieder macht, die Person beiseite nehmen und darauf hinweisen, dass sie immer wieder Gespräche unterbricht. Im Moment, in dem es passiert reagieren, indem man die Person informiert, man sei noch mitten im Gespräch und würde später hinzukommen.»

Situation 6: Eine Einladung ignorieren

«Scheint heutzutage leider häufiger vorzukommen. Ich finde es sehr unhöflich und würde bei so einer Person direkt nachfragen, warum sie sich weder an- noch abgemeldet hat. Schliesslich war die Einladung direkt an die Person gerichtet. Man kann es per Mail oder SMS machen. Persönlich finde ich es schöner, wenn man sich kurz per Telefon meldet.»

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