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Radio SRF 1 Profit auf Kosten der Pflegebedürftigen?

Immer wieder berichten Medien über Missstände in Pflegeheimen. Der Grund: Spardruck. Zudem drängen immer mehr Private ins Pflegegeschäft. Wird auf dem Buckel der Betagten Profit gemacht? Hörerinnen und Hörer berichten von ihren Erfahrungen und diskutieren mit den Experten im Studio.

Legende: Audio «Forum»: Die ganze Sendung zum Nachhören abspielen. Laufzeit 57:00 Minuten.
57 min, aus Forum vom 11.05.2017.

Zur Online-Diskussion

In der Schweiz gibt es knapp 1600 Alters- und Pflegeheime, welche rund 90‘000 Betagte betreuen. Immer wieder gelangen Angehörige oder Pflegerinnen an die Öffentlichkeit und prangern Missstände an.

Ihr Vorwurf: Seit der Einführung der neuen Pflegefinanzierung im Jahr 2011 müssten Heime Kosten sparen – bei der Pflege aber vor allem auch bei der Betreuung. Und es mangle an Personal.

Die Folge: Betagte würden mit Medikamenten ruhig gestellt, im Extremfall gar ans Bett oder an einen Stuhl gefesselt. Von Misshandlungen und unhaltbaren Zuständen ist die Rede.

Private drängen ins Pflegegeschäft

Dies mutet seltsam an, wenn man bedenkt, dass ein Pflegeplatz im Monat zwischen 5000 und 12‘000 Franken kostet. Ein lukratives Geschäft? Fakt ist: Immer mehr private Institutionen drängen in den Markt. Problematisch sei dies dann, wenn der Gewinn als Rendite ausbezahlt werden müsse. Besser wäre, diesen ins Personal zu reinvestieren, sagen Experten. Im Vordergrund stünde in solchen Heimen dann nicht mehr der Mensch, sondern der Profit.

Kommt hinzu, dass die neue Pflegefinanzierung fragwürdige Anreize setzt. Statt die Betagten zu betreuen, können Pflegerinnen in gewissen Heimen nur noch krankenkassenpflichtige Leistungen vornehmen. Wie viel Zeit sie dafür brauchen, ist ebenfalls vorgegeben. So wird die Pflege zur Fliessbandarbeit. Für viele Experten ein Grund zur Sorge.

Die Gäste in der Sendung sind:

  • Albert Wettstein, Dr. med, Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (uba)
  • Daniel Höchli, Direktor Curaviva Schweiz
  • Jürgen Spies, Heimleiter Zentrum Sonne in Elsau (ZH)

Online-Diskussion

Wird auf dem Buckel der Betagten Profit gemacht? Immer weniger Zeit und Pflege für immer mehr Geld? Hier geht es zur Online-Diskussion.

81 Kommentare

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  • Kommentar von Prezioso Ursula (Prezioso Ursula)
    Bezugnehmend,dass jemand um 19.00 im Bett sein muss: Ich wurde gestern um, 16.15 aus dem Cafe mit dem Bewohner zurück beordert, damit sie ihn ins Bett bringen können, da abgemacht ist, dass er seit einiger Zeit im Bett essen muss,weil es für ihn bequemer sei. Wahr ist, dass er gerne die Gesellschaft der Mitbewohner hat.Andere müssen mit Pijama/Morgenmantel Nachtessen. Ich sehe viele Missstände , es hängt meisst von der Führungskultur der Leitung ab. Oft ohne pflegerisch - sozialem Hintergrund.
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  • Kommentar von Prezioso Ursula (Prezioso Ursula)
    Als Reise-Spitex betreue ich oft Menschen welche in einem Pflegeheim wohnen und biete ihnen die Gelegeheit mal raus zu kommen und wieder mal sich als vollwertigen Mensch zu spüren. Sich als Mann zu fühlen, heisst für die Leute auch auf Wunsch bsp. täglich rasiert zu werden, ein Hemd oder auch eine Kravatte tragen zu dürfen ( ein T-shirt geht schneller),eine Bar zu Besuchen eine ausgewählte Zigarre zu rauche oder ein Drink zu gnehmigen oder ganz ausgewählten Wein ( stilvoll nicht im Wasserglas)
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  • Kommentar von Petra Brunner (Freiberufliche Spitex)
    In einem Heim hatten die Bewohner die Möglichkeit zwischen Saft, Tee, Mineral, Sirup etc.etc. zu wählen was sie trinken möchten. Ausser Mineral wird normalerweise jeweils verrechnet. Mir wurde von der Stationsleitung gesagt ich müsse das Team fragen ob es dafür wäre dass es so ist. Die Pflegedienstleitung hat dies bestätigt. Dann habe ich bei der Sitzung der Qualitätssicherung gefragt ob ich das Team fragen müsse. Dort wurde gesagt, nein. 2 Tage später hatte ich meine Kündigung. Ohne Begründung.
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