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Radio SRF 1 Sind unsere Gewässer zu sauber?

Die Wasserqualität in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte: Wo früher Badeverbotstafeln standen, wird heute gebadet. Alles gut? Nein, sagen die Berufsfischer. Zu gut geklärte Seen entziehen den Fischen das Essen. Unsere sauberen Gewässer – ein Mythos? Darüber wurde auf Radio SRF 1 diskutiert.

Legende: Audio Sind unsere Seen zu sauber oder zu schmutzig? abspielen. Laufzeit 52:00 Minuten.
52 min, aus Forum vom 23.03.2017.

Die Wasserqualität in den Schweizer Seen ist gut. Zu gut. Das macht den Fischern zu schaffen: Der niedrige Phosphor-Anteil im Wasser verringert das Wachstum der Algen in den Seen, die für die Fische als Nahrung dienen. Die Folgen: Weniger Fische in den Seen.

Phosphor – Eine Gratwanderung

Phosphor stammt aus Landwirtschaftsdünger, Fäkalien und Waschmitteln. Bis 1986 war er in Waschmitteln vorhanden, wurde dann jedoch verboten. In der Landwirtschaft ist er ein wichtiger Bestandteil.

Aber: Je mehr Phosphor ins Wasser gelangt, desto grösser das Algenwachstum. Im Herbst, wenn die Algen sterben, sinken sie auf den Grund des Sees und saugen den Sauerstoff ab. Die weiteren Folgen: Kaum Laichplätze der Fische, weniger Fischbestand.

Mikromüll – der unsichtbare Verschmutzer

Antibabypillen, Antibiotika, Anti-Depressiva: Eine Vielzahl von Medikamenten, gelangen durch Ausscheidung ins Abwasser. 170 Tonnen pro Jahr. Dazu kommen Pestizide, Stoffe aus Industrie, Kosmetik, Wasch- und Putzmitteln. Diese Stoffe schlüpfen durch die Filter der Kläranlagen und verunreinigen die Gewässer. Sind unsere Gewässer nur vordergründig sauber oder stellen wir zu hohe Ansprüche?

Was ist richtig?

Im Forum diskutierten Hörerinnen und Hörer mit Fachleuten: Müssen Seen Trinkwasserqualität aufweisen? Muss der Phosphatgehalt im See wieder ansteigen, damit der Schweizer Fisch nicht ausstirbt und damit der Beruf des Fischers? Haben wir als Wasserschloss Europas eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Nachbarn?

Die Gäste

Reto Leuch mit Mütze.
Legende: Reto Leuch, Berufsfischer, Präsident Schweizer Berufsfischerverband. ZVG
Einige Seen sind zu nährstoffarm. Der geringe Phosphorgehalt lässt die Fische hungern. Soll der Schweizer Fisch aussterben?
Autor: Reto LeuchBerufsfischer
Heinz Habegger mit Brille.
Legende: Heinz Habegger Präsident Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA ZVG
Die Qualität unserer Seen ist das Resultat von 60 Jahren grosser Anstrengungen im Gewässerschutz.
Autor: Heinz HabeggerVerband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA
Bernhard Wehrli.
Legende: Bernhard Wehrli Professor für Aquatische Chemie. ZVG
Pestizide und Arzneimittel wirken in Seen und Flüssen als Mikroschadstoffe. Sie üben bei sehr tiefen Konzentrationen giftige Wirkungen auf Pflanzen und Tiere aus.
Autor: Bernhard WehrliProfessor für Aquatische Chemie

27 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Schon ein Jahr, nachdem die Ringleitung um den Thunersee fertiggestellt war und das Schmutzwasser in die ARA Heimberg geleitet wurde, haben die Fischer reklamiert, weil der Felchenbestand massiv zurueckgegangen sei ..... das war so um 1970.... also nichts neues im Westen... oder!
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  • Kommentar von Peter Sprecher (b8ilys)
    In Teilen DE rechnen sie damit das ihr Grundwasser in ca. 50 Jahren den Strahlen Toleranzwert überschreitet. Phosphor der abgebaut wird enthält immer Uran. Aber man hat ja genug Zeit den max. Strahlenwert noch hoch zu setzten.
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  • Kommentar von Beat Gerber (o0beat0o)
    Mit dem Kayak auf der Broye zwischen Palezieux und Murtensee unterwegs sieht man sehr viel Plastik in den Ästen am Flussrand (vor allem nähe Murtensee auf höhe Saint-Aubain - Domdidier) . Im Nebel sieht dies dann schon sehr gespänstig aus. Auch die Algen im Fluss welche unter der Sommerhitze den Fluss grün färben zeigen wohl kaum einen Nährstoffmangel auf.
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