So viel kostet ein eigenes Pferd

Reiten ist ein beliebtes Hobby. Doch der Aufwand und die Kosten dürfen nicht unterschätzt werden.

Ein Pferd ist wie ein Auto. Dies sagt nicht etwa ein Laie, sondern Christine Laubscher, die Präsidentin des Schweizer Freizeitreitverbands. Es ist die Antwort auf die Frage, wieviel ein Pferd denn kostet. Natürlich könne man ein «Occasion-Pferd» günstig kaufen. Aber wenn man sicher sein wolle, dass man ein gesundes Pferd mit solider Grundausbildung kauft, liege der Preis zwischen 10`000 und 15`000 Franken.

Pferd beim Parcours.

Bildlegende: Christine Laubscher führt die Stute Esmeralda durch einen Parcours. zvg

«Ein Pferd in Eigenregie halten, ist wohl die günstigste Art, wenn man reiten will», sagt die dreifache Pferdebesitzerin. Doch die Infrastruktur fehlt den meisten. Zudem bedeutet diese Anschaffung dann auch, dass man das Tier jeden Tag, bei jedem Wetter bewegt, morgens und abends füttert, mistet und auf die Weide bringt – und Ferien würden nicht mehr unbedingt drinliegen. «Der Aufwand wird oft unterschätzt», sagt Laubscher. Deshalb empfehle sie für den Anfang ein Pflegepferd.

«All inclusive» auf dem Bauernhof

Ein Pflegepferd haben heisst, dass man mit einem Pferdebesitzer einen Deal ausmacht: Man darf das Pferd reiten, übernimmt dafür einen Anteil der Kosten. Pferdehaltungskosten variieren je nach Pferd, Region und Anspruch. Christine Laubscher wagt jedoch eine Annäherung.

Hält man sein Pferd in einem Pensionsstall, bezahlt man für das Tier eine Pauschale pro Monat, welche Kost und Logis beinhaltet. «All inclusive» für das Pferd quasi. Mit Zusatzleistungen steigt der Preis. Und wie das auch mit Ferien ist, kostet dieses Paket je nach Region unterschiedlich viel. «Im Kanton Bern kann man Angebote für rund 750 Franken finden, in Zürich muss man mit 1200 Franken im Monat rechnen», sagt Christine Laubscher.

Sechs Kilo Heu täglich

Je nach Belastung frisst ein Pferd mehr oder weniger. Für ein Pferd mit einem Lebendgewicht von 500 Kilo muss man von Totalkosten von rund 150 Franken monatlich ausgehen. Ein Pferd frisst rund ein Kilo Kraftfutter, sechs Kilo Heu und sieben Kilo Stroh täglich.

Idealerweise hat laut Laubscher jeder Reiter einen eigenen Sattel, der auf ihn und das Pferd angepasst ist. Ein guter Sattel koste zwischen 2500 und 4000 Franken. Für das Halfter und die Wassertrense budgetiert die Pferdenärrin durchschnittlich 300 Franken.

Bleibt das Pferd gesund, kosten Impfungen und Entwurmung beim Arzt rund 400 Franken jährlich. Wird das Pferd krank, so können diese Kosten schnell ins Unermessliche steigen. Zudem braucht ein Pferd regelmässige Hufpflege: Alle zwei Monate muss der Hufschmied die Eisen korrigieren – das kostet jedes Mal rund 200 Franken.

Betriebsblindheit gibt es auch beim Reiten

Wichtig findet die Präsidentin des Freizeitreitverbands die Weiterbildung des Reiters: «Reiten ist ein Prozess und wie beim Arbeiten kann eine gewisse Betriebsblindheit entstehen», sagt sie. Um zu verhindern, dass sich ungewollte Muster einschleichen, empfiehlt sie regelmässige Reitkurse. Ein zweitägiger Kurs koste ungefähr 500 Franken.

«Diese Weiterbildung lohnt sich. Denn Pferd und Reiter müssen zusammen funktionieren und harmonieren. Sonst können schlimme Unfälle passieren», sagt Laubscher. Generell vertritt sie als Präsidentin des Freizeitreitverbands die Auffassung, dass Reiten eine Passion sein soll, die verantwortungvoll ausgeführt werden muss. Schliesslich trage der Reiter die Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für das Pferd.

Zusatzversicherung wichtig

Wer nicht nur das eigene Pferd reitet, braucht laut SRF-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner ergänzend zur Privathaftpflicht-Versicherung eine Zusatzversicherung für das Reiten fremder Pferde. So sind neben allfälligen Schäden an fremden Gegenständen auch die Kosten für die Behandlung des Pferds gedeckt, wenn sich dieses bei einem Unfall verletzt.

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