«Virtopsy»: Virtuelle Autopsie made in Zürich

Autopsien sind ein wichtiges Hilfsmittel, um Kriminalfälle zu lösen. Dank der neuen Methode «Virtopsy» müssen die Leichen aber nicht mehr geöffnet werden. Die weltweite Revolution in der Rechtsmedizin stammt aus der Schweiz und wurde soeben mit dem Swiss ICT Special Award 2015 ausgezeichnet.

Die Röntgenärztin Patricia Flach fährt mit der Computermaus über den Bildschirm. Ein Schädel, in dem ein Messer steckt, verwandelt sich blitzschnell in einen Kopf. Sie bewegt die Maus weiter, der Kopf dreht sich dreidimensional. Ein Mausklick und das Fleisch verschwindet wieder, stattdessen schaut jetzt der Schädel aus Weichteilen heraus.

«Wir haben hier einen Fall von scharfer Gewalt gegen den Kopf», sagt die Expertin. «Auf den Bildern kann man auch erkennen, dass die Spitze des Messers im Rücken steckt.» Mit den Angaben der Röntgenärztin kann der Rechtsmediziner anschliessend die Messerspitze aus der Leiche heraussezieren. Schliesslich dient diese als Beweismittel.

Tathergänge dreidimensional rekonstruieren

Die Bilder aus dem CT und die Bilder, die der Virtobot liefert, werden mit Aufnahmen aus dem Magnetresonanztomographen (MRI) zu einem Datensatz zusammengeführt. So lassen sie dann auch Rückschlüsse auf Tatwerkzeuge wie zum Beispiel Messer, Hammer, Gebiss- oder Schuhabdrücke zu. Bereits zweimal ist Virtopsy in den US-amerikanischen Krimis «CSI» gezeigt worden.

Mit Hilfe von Virtopsy lassen sich Tathergänge dreidimensional rekonstruieren. Mittlerweile scannt auch die Polizei zum Beispiel Unfallstellen und Unfallfahrzeuge. «So können wir Fussgängerunfälle ohne Probleme rekonstruieren», sagt Michael Thali, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Zürich, der das neue Verfahren mit seinem Team entwickelt hat.