Vom herben Charme der Unterschiedlichkeit

Der Paartherapeut Klaus Heer und die Berner Studentin mit tamilischen Wurzeln Laavanja Sinnadurai loten in der Talk-Sendung «Persönlich» Gemeinsames und Unterschiedliches aus.

Bildmontage von Klaus Heer und Laavanja Sinnadurai im Porträt.

Bildlegende: Klaus Heer und Laavanja Sinnadurai sind die Gäste von Katharina Kilchenmann im «Persönlich». zVg

Porträt von Klaus Heer.

Bildlegende: Klaus Heer. zVg

Klaus Heer (71), Paartherapeut

«Ich rede nicht gerne über meine Vergangenheit. Wen interessiert das? Mich jedenfalls nicht», sagt Klaus Heer und meint es auch so. Seine Kindheit im innerschweizer Bauernmilieu war keine gute Zeit für ihn und die Matura und das Psychologiestudium musste er sich erst erkämpfen und dann hart erarbeiten. Erst als seine ersten Jahre in der Paartherapeutischen Praxis in Bern überstanden waren, fing es an, Spass zu machen: die Arbeit mit Paaren wurden zu seiner Leidenschaft und die Themen Liebe, Beziehung, Ehe und Sex interessieren ihn bis heute.

Mit dem Scheidungsgrund leben lernen

Paare kommen zum Therapeuten Heer, weil die beiden Unterschiedliches wollen oder weil ihre Ehe eine «festgetretene Wüste» geworden ist. Wie soll in diesem Klima die Liebe weiter existieren oder Sex stattfinden, das ist kaum mehr möglich. Da muss erstmal wieder Bewegung und Leben reinkommen und deshalb suchen sie bei einem Therapeuten Unterstützung. Die Paare seien oft überfordert von ihrer Verschiedenheit, sagt Heer. Dabei seien es grade die Unterschiede, die eine Beziehung lebendig machten, dieser herbe Charme der Unterschiedlichkeit.

Laavanja Sinnadurai (25), angehende Anwältin

Porträt von Laavanja Sinnadurai. Sie trägt ein rotes Kleid.

Bildlegende: Laavanja Sinnadurai. zVg

Laavanja Sinnadurais Eltern kamen in den 80er Jahren von Sri Lanka in die Schweiz und hatten hier keinen einfachen Start. «Ich bewundere wie sie das alles schafften, ohne Ausbildung, ohne Geld und ohne Sprachkenntnisse. Dafür brauchten sie extrem viel Fleiss und Beharrlichkeit.»

Laavanja ist stolz auf ihre Eltern und versteht, dass sie stets darauf achteten, dass ihre Kinder in der Schule fleissig lernten.

«  Eine gute Ausbildung ist der einzige Weg, hier ein gutes Leben zu führen. »

Laavanja Sinnadurai

Der Weg, den die knapp 25-Jährige bereits hinter sich gelegt hat, ist tatsächlich beeindruckend. Eben hat sie ihre Masterarbeit in Rechtswissenschaften an der Universität Bern abgeschlossen und im Sommer beginnt die Juristin das Gerichtspraktikum in Interlaken. Mit 27 könnte sie bereits Anwältin sein.

Leben in Gegensätzen

Video «Doppelleben – Tamilische Secondos in der Schweiz» abspielen

Doppelleben – Tamilische Secondos in der Schweiz

51 min, aus DOK vom 27.3.2014

Aufgewachsen ist Lavaanja Sinnadurai in Niederscherli bei Bern und lebt bis heute, zusammen mit ihren zwei Geschwistern, bei den Eltern. Während der ganzen regulären Schulzeit hat sie auch noch die «Tamilenschule» besucht und liess sich in südindischem Tanz unterreichten. So pendelt sie heute als Vertreterin der zweiten Generation zwischen den Kulturen und erlebt die Gegensätze stark und nicht immer spannungsfrei.

«  Es ist nun mal mein Schicksal, in zwei Traditionen zu leben und oft ist es auch einfach spannend. »

Die junge Frau hat ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht – ein Lächeln, das alle Gegensätze für einen Augenblick aufzulösen scheint.

«Persönlich»

Portrtät von Katharina Kilchenmann.

«Persönlich»-Gastgeberin Katharina Kilchenmann. SRF

Die Talksendung «Persönlich» auf Radio SRF 1 wird am 1. März 2015 aus dem Konzert Theater Bern gesendet. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei. Türöffnung ist um 9 Uhr, die Live-Sendung beginnt um 10 Uhr. Keine Sitzplatz-Reservation.

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