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Radio SRF 1 Wie viel Arbeit ist noch gesund?

Die Arbeitgeber bestimmter Branchen möchten die Höchstarbeitszeiten erhöhen, um Arbeitsspitzen besser bewältigen zu können. Das bedeute «Arbeiten bis zum Umfallen», sagen die Gewerkschaften. Ist das das Ende der 42-Stunden-Woche? In der Sendung «Forum» diskutierten Gäste mit Hörerinnen und Hörern.

Legende: Audio «Forum»: Die Sendung zum Nachhören abspielen.
55 min, aus Forum vom 26.11.2015.

Bei Firmenübernahmen, Jahresabschlüssen oder anderen grossen Geschäften sei das bestehende Arbeitsgesetz kaum einzuhalten, sagen die Arbeitgebervertreter aus der Finanzwelt. Zusammen mit der Versicherungs-, Treuhand- und Beraterbranche suchen sie deshalb nach konkreten Vorschlägen, wie das geltende Arbeitsgesetz flexibler gemacht werden könnte.

Die Vorschläge von Arbeitgeberseite umfassen folgende Punkte:

  • Lockerung des Sonntagsarbeitsverbots
  • Reduktion der minimalen Ruhezeit
  • Erhöhung der Höchstarbeitszeit

Über das ganze Jahr gerechnet soll die Arbeitszeit nicht steigen. Die Beratungen der Arbeitgeber haben erst begonnen. Ihre Vorschläge werden zu einem späteren Zeitpunkt im Parlament diskutiert werden.

Frontalangriff auf das Arbeitsgesetz?

Die Arbeitnehmervertreter befürchten einen Frontalangriff auf das mühsam erkämpfte Arbeitsgesetz. Schon heute seien zahlreiche Ausnahmen möglich. So kann im Büro, wenn viel Arbeit anfällt, die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 45 Stunden um zwei bis vier Stunden überschritten werden. Die Überzeit muss später kompensiert werden.

Eine Änderung des Arbeitsgesetzes liesse sich nicht auf eine Branche beschränken, sagen die Gewerkschaften. Sie befürchten mehr Arbeit und mehr Stress für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – obwohl schon heute in allen Branchen immer mehr Menschen an körperlichen Stressfolgen und Burn-out litten.

Wie viel Arbeit ist noch gesund?

Porträtbild von Georg Bauer.
Legende: Georg Bauer. zvg

«Der Mensch ist in seiner Denk- und Aufnahmefähigkeit begrenzt», sagt Georg Bauer, Arbeits- und Gesundheitswissenschaftler am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention an der Universität Zürich. «Er muss sich immer wieder erholen.» Das Dilemma: Je mehr wir arbeiten, desto weniger Zeit bleibt zur Erholung.

Wer sehr viel arbeitet, entwickelt gemäss Studien öfter einen ungesunden Lebensstil: Mehr Alkohol und Zigaretten, weniger Bewegung und ungesündere Ernährung. «Wer pro Woche 55 Stunden oder mehr arbeitet, hat ein achtfach erhöhtes Risiko, unter Schlafstörungen zu leiden», so Bauer weiter. Auch das Depressions-Risiko nehme gegenüber einer 40-Stunden-Woche um das Zweieinhalbfache zu.

Die Diskussion im «Forum»

Kommt bald das Ende der 42-Stunden-Woche? Müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch flexibler und leistungsbereiter werden – oder sind sie flexibel genug? Wie hoch ist der Druck auf Arbeitnehmende? In der Sendung «Forum» diskutierten folgende Gäste mit Hörerinnen und Hörern:

39 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Fehr, Embrach
    Bei der Diskussion war ich kurz live dazu geschalten. Es wird immer nur über die gesprochen, die in einem Büro arbeiten, Kaderleute und dergleichen. Aber nie über die Leute auf dem Bau, in der Produktion, in Dienstleistungsbetrieben wie Transport. Deshalb war ich da zugeschalten worden. Ich Arbeite als LKW-Chauffeur und habe die 46 bez. 48 Stundenwoche schon lange. Wir dürfen jetzt sogar Wochenspitzen von 60 Std. erreichen. Mein Fazit zu dieser Sendung. Sie wurde extrem einseitig geführt (Büro).
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  • Kommentar von Rochus Schmid, Bonfol
    Als Bauern haben wir die 60- bis 70- Stundenwochen. Dafür zugegebenermassen keinen Arbeitsweg. (Aber wie die meisten stehen auch wir am Morgen im Stau...) Unser Chef ist die Natur, die kennt keine Stempeluhr. Viele Arbeiten sind Arbeit und Erbauung gleichzeitig. Ferien ist für viele Bauern etwas für nach der Pensionierung...
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    1. Antwort von Josef Lötscher, Schötz
      Auch bei den Bauern gibt es etliche die sehr viel arbeiten und andere die nicht 60 - 70 Stunden werken. Ausserdem ist es ein gewaltiger Unterschied ob man als Selbstständiger oder als Arbeitnehmer unter Leistungsdruck arbeitet.
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  • Kommentar von Elisabeth Friedli, Wileroltigen
    Stichwort Vereinbarkeit. Wir brauchen nicht -nur -mehr Betreuungsplätze sondern dringend flexiblere Modelle. Homeoffice, Zeit selber einteilen, Samstag und Sonntags arbeiten und, nicht zuletzt, Teilzeit Stellen! Die Vereimnarkeit ist, bis dahin, eine Farce, schlussendlich wird flexibilität vom Arbeitnehmer verlangt, so ist es. Vorallem, ganz wichtig, Teilzeitarbeit auch in niedrigen Segmenten, Baubranche, Dienstleistungssektor etc. Es muss sich dringend etwas ändern!
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