Streifzug nach Bern, Blaubarts Burg – Blick in Blaubarts Seele

«Herzog Blaubarts Burg», Béla Bartóks einzige Oper, ist reich an tiefgründiger Symbolik Sie gilt deshalb als «Mysterium in einem Akt» und bietet der Sendung Diskothek mehr als genug Diskussionsstoff. SRF Kulturclub-Mitglieder sind eingeladen, der Aufnahme beizuwohnen.

Die Fassade des Bundeshauses wird mit Farben inzseniert und beleuchtet.

Bildlegende: Anlässlich der Berner Museumsnacht wurde die Fassade des Bundeshauses spektakulär beleuchtet. Keystone

Bei einer Lesung in Zoltán Kodálys Salon in Paris hört der junge Béla Bartók die Geschichte von Ritter Blaubart, der auf seiner kalten, feuchten Burg sieben Geheimnisse hinter sieben verschlossenen Türen hütet. Sogleich beschliesst Bartók, zu diesem Zeitpunkt offenbar enttäuscht von seiner Ehe mit einer 16-Jährigen, aus diesem – von Béla Balázs bearbeiteten – Stoff ein «Mysterium in einem Akt» zu komponieren.

Auf sieben verschlossene Türen trifft die junge und verliebte Judith, die glaubt, mit der Kraft ihrer Liebe die dunklen Gemäuer von Blaubarts Burg erhellen zu können. Nachdem sie von Blaubart die Schlüssel erhält – nicht ohne Warnung, sie ja nicht zu benützen – schliesst sie Tür um Tür auf …

Dank seiner musikethnologischen Studien hat der 30-jährige Bartók zu diesem Zeitpunkt bereits zu seiner eigenen Musiksprache gefunden, die er selber als «Muskel- und Knochenstil» bezeichnet: eine Verbindung der deutschen Tradition mit der Farbigkeit der französischen Moderne und der Bodenständigkeit der ungarischen Volksmusik.

Für Blaubarts Burg erfindet Bartók für jede geöffnete Tür ein äusserst plastisches Musikbild: Die harten Schläge eines Xylophons charakterisieren die Folterkammer. Die fünfte Tür, die den Blick auf Blaubarts Ländereien und Schätze freigibt, erstrahlt in hellem C-Dur. Verbunden werden die einzelnen Tabelaux durch eine stechende Dissonanz: das Blutmotiv.

Aufnahme der Sendung Diskothek
Mitglieder des SRF Kulturclubs haben die Möglichkeit, bei der Aufnahme der Diskothek am 7. Mai im Kornhausforum in Bern kostenlos dabei zu sein.
In der Sendung diskutieren Doris Lanz, Musikwissenschaftlerin und Expertin für die klassische Moderne, und Kevin John Edusei, zukünftiger Chefdirigent des Musiktheaters am Konzert Theater Bern und musikalischer Leiter der Produktion in Bern, fünf Aufnahmen der selten gespielten Oper. Gastgeberin ist Musikredaktorin Gabriela Kaegi.

Premiere der Oper «Herzog Blaubarts Burg»
Das Konzerttheater Bern führt Bartóks Oper in dieser Spielzeit in der grossen Halle der Reitschule Bern auf. Musikalische Leitung: Kevin John Edusei, Regie: Joachim Schlömer.
Für die Premiere am 17. Mai können Karten zum reduzierten Tarif von CHF 34.– (statt CHF 43.–) bezogen werden.

Diskothek
Donnerstag, 7. Mai: Aufnahme im Kornhauforum in Bern
Montag, 18. Mai: Sendedatum

Streifzug im Überblick:

Donnerstag, 7. Mai 2015, 16 Uhr
Sonntag 17. Mai 2015, 18 Uhr
Opernkarten pro Person: CHF 34.– (statt CHF 43.-)
Anmeldeschluss: 30 April 2015