Dada Basel: «Dazwischen fliesst der Rhein ...»

Dada Zürich kennt jeder. Aber Dada Basel? Es gab in Basel keine Dada-Abende, keine Dada-Ausstellungen, dennoch spielte Basel im Leben einiger Dadaisten eine Rolle.

Ein Brunnen mit Eisenkonstruktionen. Im Hintergrund erkennt man eine Kirche.

Bildlegende: Der Tinguely-Brunnen in Basel steht ganz in der Tradition der Dadaisten. Keystone

Am 5. Februar 1916 eröffneten Hugo Ball und Emmy Hennings in Zürich die «Künstlerkneipe Voltaire».

Hier wurde jeden Abend der Aufstand geprobt gegen den bürgerlichen Irrsinn der Zeit. Der Erste Weltkrieg hatte alle Illusionen eines Aufbruchs in eine neue Zeit zunichtegemacht. Man wollte nur noch eines: die verlogene bürgerliche Kultur und Moral karikieren. Emigranten und vereinzelt einheimische Künstler boten zunächst an der Spiegelgasse, später auch anderswo in der Stadt ein Feuerwerk an Skandalgeschichten: Lautgedichte, «Negermusik», Maskenspiele, Simultanrezitationen, russische Balalaika-Orchester und Trommel-Ekstasen.
Dada Zürich war eine Mischung aus Varieté, Exotik und Fasnacht. Inspiration zu diesen Darbietungen hatte Hugo Ball in Basel gefunden: «Ich werde trrrrrrrommeln, dass die Trrrrrrrommelfeuer ein Trrrrrreck dagegen sind.» Das Trommeln hatte Ball in Basel erlebt, und es faszinierte ihn. Er war bereits 1908 in der Rheinstadt, um für seine Doktorarbeit über Friedrich Nietzsche zu recherchieren. Einige Jahre später gastierte Ball mit dem Maxim-Ensemble im Basler Varieté-Restaurant «Glock». In seinem Roman «Flametti oder der Dandyismus der Armen» zeichnet er ein lebendiges Bild der Varietétruppe, zu der auch Emmy Hennings gehörte. In den freien Stunden streifen sie durch die Stadt, probieren «Leckerli», amüsieren sich auf der Herbstmesse und besuchen den Zoologischen Garten. Daneben erfährt man auch einiges über schlechte Honorare, miserables Essen und unbeheizte Zimmer – das Tingeltangelleben war kein Zuckerschlecken.
Der Dadaismus klang in Basel noch nach, als sich viele seiner Exponenten längst anderen Ausdrucksformen zugewandt hatten oder wegen ihrer Kunstauffassung verfolgt wurden. Zu Letzteren gehört Kurt Schwitters, der der Stadt eines seiner schönsten Gedichte gewidmet hat: «Es geht ein bisschen rauf,/Es geht ein bisschen runter,/Dazwischen fliesst der Rhein ... ». Schwitters werden wir unterwegs ebenso begegnen wie Hans Arp, der Tänzerin Katja Wulff – und Jean Tinguely. Dieser hat mit dem Fasnachtsbrunnen ein gültiges dadaistisches Werk geschaffen.
Konzipiert und begleitet wird der Nachmittag – exklusiv für die Mitglieder des SRF Kulturclubs – von der Literaturwissenschaftlerin Martina Kuoni (www.literaturspur.ch).

Literaturempfehlung:
Albert M. Debrunner: Literarische Spaziergänge durch Basel. Huber Verlag Frauenfeld, 2011.
Besonders das Kapitel "Dort lint es Böck, dort beint es Hol - Dada Basel", S. 97 - 110.

Programm

Individuelle Anreise
13.30 Treffpunkt/Begrüssung
13.45–15.15 Spaziergang auf dadaistischen Spuren in Basel
15.15–16.00 Imbiss in einem Lokal am Münsterplatz
16.00–17.00 Andreas Müller-Crepon liest ausgewählte Passagen
aus Hugo Balls Roman «Flametti» und dadaistischen Texten
Preis pro Person: CHF 125.–
Anmeldeschluss: 10. März 2016

Literarischer Spaziergang

Dada Basel: «Dazwischen fliesst der Rhein ...»
Sonntag, 17. April 2016
Preis pro Person: CHF 125.–
Anmeldeschluss: 10. März 2016